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  • 02.10.2013, 09:21 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Provinzial-Fusion

Schwierige Verhandlungen stehen vor dem Aus

Nach einer bislang einzigartigen Protestwelle machte im Dezember 2012 die Ministerpräsidentin selbst eine klare Ansage: Kein Verkauf der Provinzial NordWest an den Versicherer Allianz, stattdessen eine Fusion mit der Provinzial Rheinland. Nach neun Monaten zäher Verhandlungen droht nun das Scheitern.

Euphorische Begleitmusik ist eigentlich nie ans Ohr der Verhandlungsführer und Beobachter gedrungen. Vielmehr sickerten schon wenige Wochen nach Aufnahme der Fusionsverhandlungen zwischen der rheinischen Provinzial -Versicherung und der Provinzial-Nordwest zu Jahresbeginn eher skeptische Wasserstandsmeldungen durch. An der Frage der zukünftigen Rechtsform droht die mehr oder weniger angeordnete Firmen-Ehe bereits zu scheitern.

Die Rheinprovinz ist eine Anstalt öffentlichen Rechts und möchte diesen Status auch fusioniert aufrecht erhalten. Die Finanzaufsicht und viel politischer Einfluss auf die Unternehmensgeschicke lägen dann, anders als bei einer Aktiengesellschaft , beim Landesfinanzminister. Auch die Arbeitnehmervertretungen in beiden Versicherungen fühlen sich in dieser Konstellation sicherer – vor allem im Hinblick auf mögliche neuerliche Verkaufsabsichten der Eigentümer, der Sparkassen und Landschaftsverbände.

"Anstalt öffentlichen Rechts" zu teuer für den LWL?

Der westfälisch-lippische Landschaftsverband hat all seine Beteiligungen, so auch die 40-prozentige an der Provinzial Nordwest Aktiengesellschaft, in der „Westfälisch-lippischen Vermögensverwaltungs-Gesellschaft“ gebündelt. Unter dem Strich ein attraktives Steuerspar-Modell, das sich, so Insider, bei einem Wechsel des Versicherungskonzerns in eine Anstalt öffentlichen Rechts nicht aufrechterhalten ließe. Es würde so teuer für den LWL, dass politische Beobachter von einem Nein der Gremien ausgehen – das Scheitern des Fusionsversuchs wäre besiegelt.

Müßig zu fragen, inwieweit der Streit um die Rechtsform die anderen strittigen Fragen, vor allem aber auch die Qualität der Chemie zwischen den Beteiligten, überlagert. Beispielsweise soll es im Hinblick auf die Gremienbesetzung, insbesondere den Aufsichtsrat , im Rheinland so erhebliche Bedenken gegen westfälische Personalien geben, dass dies angeblich allein schon als „Ehe-Hindernis“ gewertet wird. Deshalb steht zu erwarten, dass sich der Landschaftsausschuss am Freitag nächster Woche für eine Aktiengesellschaft aussprechen wird. Dem Vernehmen nach käme den Rheinländern dieses Veto gut zupass – sie waren von vornherein nur mit langen Zähnen in die Fusions-Gespräche gegangen.

Und nun? Auch ohne eine Fusion ließen sich weitere Kooperationsmodelle zwischen beiden Häusern realisieren. Ob neben Kostensenkungsprogrammen neue Fusionspläne geschmiedet oder gar erneut Verkaufsabsichten gehegt werden, bleibt vorläufig offen.

(Norbert Tiemann)


 


 

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