Weitere Artikel
  • 31.08.2015, 09:52 Uhr
  • |
  • Münster / Münsterland
"Provinzial ist robust aufgestellt"

Zinstief beendet die Zeit der Rekordgewinne

Die beiden „Neuen“ sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden: „Wir haben Kassensturz gemacht, eine Ertrags- und Substanzanalyse über alle Bereiche hinweg erstellen lassen“, berichtete gestern der erst seit wenigen Monaten den Versicherungskonzern Provinzial Nordwest als Vorstandsvorsitzender führende Dr. Wolfgang Breuer. Resultat: „Die Provinzial ist ordentlich und robust aufgestellt, eine prosperierende Veranstaltung.“

Dr. Ulrich Scholten, neuer Finanzvorstand im Konzern, sieht auch deshalb keinerlei Kapitalnachschussbedarf. Allerdings dürften die Zeiten für Rekordergebnisse, daran lassen beide Versicherungsmanager keine Zweifel, erst einmal vorbei sein.

Breuer bezeichnet die gegenwärtige Niedrigzinsphase, betrachtet durch die Brille eines Versicherungsmanagers, als die „härteste Zeit in der Nachkriegsgeschichte“. Und Scholten liefert für die Provinzial dazu die Zahlen: Pro Jahr fehlen 60 Mio. aus der Kapitalanlage . Überdies drückt der Schuh bei den Pensionsrückstellungen, weil sich die kalkulierte Zinsmarge von sechs Prozent schon lange nicht mehr erzielen lässt und die Lücke nun geschlossen werden muss. Mit Sorge blickt der Versicherer auch auf die gestiegenen Unwetter-Risiken wie Sturm und Starkregen. Konsequenz: „Obwohl das eigentliche Versicherungsgeschäft in diesem Jahr richtig gut läuft, werden wir 2015 weniger Geld verdienen als in den Vorjahren.“

In Zahlen: Belief sich der Konzerngewinn 2014 noch auf 187 Mio. vor Steuern, liegt die Erwartung für 2015 im Bereich von 135 Mio. Euro vor Steuern.

Die großen und belastenden Themen der Vergangenheit sieht Breuer für die Provinzial erst einmal als historisch an: Verkauf vom Tisch, Fusion mit einem anderen Versicherer vom Tisch, auch die Verschmelzung von Rechtsträgern unter dem Konzern-Dach erst einmal kein Thema mehr. „Das bringt Laufruhe ins Unternehmen, die wir auch dringend brauchen, denn wir haben viel Arbeit vor uns.“ Breuer zufolge wird die Provinzial bis 2018 rund 30 Mio. in die Digitalisierung und in die IT investieren. Über Prozess-Optimierungen und einen höheren Automatisierungsgrad sollen Kosten gesenkt werden. „Das Gehaltsniveau unserer Mitarbeiter sehen wir nicht als Sparpotenzial an“, so Breuer, „allenfalls besondere Sozialleistungen aus der Vergangenheit.“ Insgesamt beschäftigt die Provinzial rund 6000 Mitarbeiter, jeweils 3000 im Innen- und 3000 im Außendienst. Aktuell ist ein Arbeitsplatzabbau nicht geplant; Stellen-Reduzierungen könnten sich aber perspektivisch ergeben durch das altersbedingte Ausscheiden von Mitarbeitern.

Alle Vorhaben werden in einem strategischen Konzern-Programm gebündelt und in Maßnahmenpakete übersetzt. Parallel wird an neuen bzw. modifizierten Produkten gearbeitet. „Da kommt noch Bewegung in den Markt“, zeigt sich Breuer zuversichtlich.

(Norbert Tiemann, WN)


 


 

Provinzial
Versicherer
Konzern
Versicherungsgeschäft
Zinstief

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Provinzial" - jetzt Suche starten:

Entdecken Sie business-on.de: