21.12.2012  08:53 Uhr

Provinzial-Proteste
Lautstarke Mitarbeiter-Demo vor dem Sparkassenverband in Münster

Münster & Münsterland. 1.500 Provinzial-Mitarbeiter versammelten sich gestern zu einem lautstarken Protest mit „Gerlach raus“-Rufen vor dem Sparkassenverband in Münster.

In dieser ganz speziellen Nachbarschaft im Norden Münsters herrscht dicke Luft. Nur wenige Hundert Meter liegt die Provinzial-Zentrale vom Sparkassenverband in Kinderhaus entfernt. Das ist im Augenblick viel zu nah, denn die Nachbarn sind sich nicht mehr grün, seitdem Sparkassen- Präsident Dr. Rolf Gerlach „Gespräche angezettelt hat, die Provinzial an einen privaten Investor zu verkaufen“, sagt Gesamtbetriebsratsvorsitzender Albert Roer.

Und so ist die Parole „Gerlach raus“ immer wieder von 1500 Provinzial-Beschäftigten zu hören, als sie gestern Mittag im Protestmarsch über die Regina-Protmann- Straße zum Verbandssitz ziehen. „So geht man nachbarschaftlich nicht miteinander um“, meckert Roer. Die Mitarbeiter hätten kein Vertrauen mehr zu Gerlach, der ab Januar Aufsichtsratsvorsitzender der Holding wird. Roer fordert die einzelnen Sparkassen-Vorstände und die Kommunen erneut auf, klar zur Provinzial zu stehen. „Herr Gerlach kann nur so agieren, weil die anderen nicht den Mut haben, ihm auf die Finger zu klopfen.“

Im Gepäck haben die Mitarbeiter kistenweise Unterschriften. Die insgesamt 190 000 Unterstützer aus der Region kämpfen dafür, dass das Versicherungsunternehmen auch zukünftig zum öffentlichen Finanzdienstleistungsverbund zählt. „Wir wollen Sicherheit haben. Die Frist, dass sich die Provinzial Westfalen und die Provinzial Rheinland bis Ende März 2013 über eine Fusion einig sein müssen, ansonsten kommen private Investoren wieder ins Spiel, muss endgültig weg“, fordert Roer.

1.500 Provinzial-Mitarbeiter demonstrierten vor dem Sitz des sparkassenverbandes., Copyright: Jürgen Peperhowe / WN
1.500 Provinzial-Mitarbeiter demonstrierten vor dem Sitz des sparkas­sen­verbandes.

Der mit den Trillerpfeifen lautstarke Protest stößt beim Sparkassenverband auf taube Ohren. Präsident Dr. Rolf Gerlach steckt in Bochum, wo die Sparkassenverbände Westfalen und Rheinland über ihre Zukunft verhandeln. „Feigling“-Rufe sind zu hören. Auch andere Verbandsvertreter lassen sich nicht blicken. Am Ende werden die Unterschriften erneut eingesackt – zum zweiten Mal bereits, nachdem sie LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch vor dem Landeshaus auch nicht haben wollte. Der Sparkassenverband bedauert, dass gestern ein Terminvorschlag – allerdings ohne Gerlach – ohne Resonanz geblieben sei. Am Abend wurde entschieden, dass Gerlach und Kirsch die Unterschriften vor der heutigen Aufsichtsratssitzung in der Provinzial entgegennehmen.

Die außerordentliche Sitzung ist von den Arbeitnehmervertretern beantragt worden. Ihnen geht es darum, dass die Provinzial in der Sparkassenfamilie bleibt. „Wir erwarten eine heftige Diskussion und eine klare Positionierung“, sagt Roer. Über die Personalie Ulrich Rüther wird nicht gesprochen, heißt es.


 

(Ralf Repöhler, WN)

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Bild Nr. 1, 2 © Jürgen Peperhowe / WN



 


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