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  • 04.11.2013, 11:20 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Rätselhafte Bahngleise

Verwilderte Abstellgleise in Hiltrup geben Rätsel auf

Der Anblick ist gespenstisch. Ein junger Wald überwuchert alte Abstellgleise. Die Schienen sind verrostet, sie tragen eine dicke Patina. Die Bahnschwellen aus Holz sind verdeckt vom Herbstlaub. Jeder Schritt klingt dumpf, die Vögel zwitschern. Es ist, als wandere man durch die Ruinen einer längst vergangenen Zivilisation. Dabei liegen diese Niemandsgleise ­direkt am Dortmund-Ems-Kanal, gleich hinter dem Musikerviertel.

Viele Hiltruper kennen das verwunschene Areal auf der gegenüberliegenden Seite der Kanalpromenade. Besonders Hundefreunde und Jogger kommen hier regelmäßig vorbei. Doch nur wenige wissen: Was hat es mit den Gleisen eigentlich genau auf sich?

Die Frage ist auch nicht ganz leicht zu beantworten. Sie bringt sogar die Deutsche Bahn ins Schwitzen. Denn entgegen einer naheliegenden Vermutung wurden diese Gleise wohl nicht eigens für Glasurit und Rockwool angelegt. Hier wurden keine Waren umgeschlagen. Laut einer internen Recherche der Bahn wurden die Gleise zur Zwischenlagerung von Güterwaggons genutzt. „Konjunkturabhängig wurden hier mal mehr, mal weniger leere Waggons abgestellt“, teilt die Deutsche Bahn auf Nachfrage mit.

Keine Pläne für das Gelände

Mittlerweile gebe es andere Konzepte zur Zwischenlagerung von Waggons, neuerdings würden nicht gebrauchte Güterwaggons in Hamm untergestellt. Und wann wurden die Gleise stillgelegt? „Vor fünf bis sechs Jahren“, vermutet die Deutsche Bahn.

„Das kann nicht sein“, sagt Prof. Dr. Karl Hüser. Und eine Menge Hiltruper werden ihm zustimmen. Seit der Emeritierung arbeitet Hüser als Buchautor an lokalgeschichtlichen Themen: „Ich bin schon vor zehn Jahren mit meinen Enkeln über diese Gleise gelaufen.“ Sie seien mindestens seit zwanzig Jahren stillgelegt. Eher länger. Das würde ja auch der Zustand der Schienen anzeigen. Sie sind völlig verrostet.

Aber auch Hüser weiß nicht, wann und unter welchen Umständen die Schienen angelegt und aufgegeben wurden. Vermutlich sind alle Unterlagen im Krieg verloren gegangen. Er weiß: „Im Krieg wurden dort Züge versteckt.“

Die Bahn habe derzeit keine Pläne für das Gelände, heißt es aus der Pressestelle in Düsseldorf.

(Markus Lütkemeyer)


 


 

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