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  • 12.03.2015, 08:36 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Rendite knapp über drei Prozent

Lebensversicherungen stecken aktuell im Zinstief

Egal, wohin der Sparer schaut – die Zinsen sind weiter im freien Fall. Deutschlands größte Direktbank, die ING Diba, zahlt ab Ende der kommenden Woche für Guthaben auf Tagesgeldkonten nur noch 0,6 statt 0,8 Prozent Zinsen.

Angesichts solcher Zahlen erscheint der Garantiezins für Lebensversicherungen geradezu üppig. Seit Januar liegt die Mindestrendite, die vom Bundesfinanzministerium vorgeschrieben wird, bei 1,25 Prozent. Im Vorjahr waren es allerdings noch 1,75 Prozent. Hinzu kommt die sogenannte Überschussbeteiligung, die vom Versicherer Jahr für Jahr berechnet wird.

Wie viel Geld der Kunde am Ende ausbezahlt bekommt, hängt maßgeblich vom Geschick des Versicherers ab. Einig sind sich Fachleute, dass die Renditen insgesamt auch hier rückläufig sind. So hat die Ratingagentur Assekurata für das Jahr 2014 eine Gesamtverzinsung bei Lebensversicherungen von 3,54 Prozent errechnet. Im laufenden Jahr wird die Rendite auf 3,33 Prozent sinken, glauben die Experten. Das Analysehaus Morgen & Morgen sieht Garantiezins und Überschussbeteiligung für 2015 sogar nur bei 3,15 Prozent.

Die sinkenden Zinsen lassen nicht nur die Sparer erschaudern. Auch den Versicherern fällt es immer schwerer, jene Renditen zu erwirtschaften, die sie ihren Kunden noch vor Jahren versprochen haben – schließlich lag der Garantiezins bis zum Jahr 2000 bei 4,0 Prozent.

Die Zinszusatzreserve

Vor knapp vier Jahren wurde deshalb die sogenannte Zinszusatzreserve ins Leben gerufen – ein Krisentopf, der von den Lebensversicherern kontinuierlich mit Geld gefüllt wird. Aktuell sind dort mehr als 21 Milliarden angespart. Allein im vergangenen Jahr flossen 8,4 Milliarden in die Reserve. Allerdings gibt es in Deutschland auch mehr Lebensversicherungen als Einwohner. Laut Branchenverband GDV haben die 81 Millionen Deutschen knapp 88 Millionen Lebensversicherungen abgeschlossen.

Angesichts der anhaltenden Null- Zins -Politik sucht die Versicherungswirtschaft nach Auswegen – eine Möglichkeit sind Lebenspolicen mit gelockerten Garantien. So macht beispielsweise die Allianz nach eigenen Angaben inzwischen 50 Prozent des Neugeschäfts mit Verträgen, die ohne den bislang üblichen Garantiezins auskommen. Stattdessen sichert der Konzern den Erhalt der eingezahlten Beiträge sowie eine lebenslange Mindestrente zu. Hohe Renditen winken den Verbrauchern nur, falls sich die Lage an den Finanzmärkten wieder entspannt und die Null-Zins-Phase zu Ende geht.

Verbraucherschützer sehen Lebensversicherungen kritisch

Verbraucherschützer sehen Lebensversicherungen derweil nicht nur aufgrund sinkender Renditen, sondern insbesondere wegen der hohen Provisionen kritisch. „Die Kosten sind immens, gerade am Anfang“, erklärt Niels Nauhauser, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale. Junge Sparer müssten damit rechnen, dass ihr Vertrag in den ersten zehn Jahren im Minus sei. Auch Axel Kleinlein, Vorsitzender beim Bund der Versicherten beklagt mangelnde Transparenz. „Kein Kunde kann nachvollziehen, was bei einer Lebensversicherung wirklich mit seinem Geld passiert.“

Auch der Garantiezins erscheint mit Blick auf die Kosten in einem anderen Licht. Er gilt nicht für die gesamten Beiträge des Kunden, sondern nur für den Teil, der tatsächlich angespart wird. Abgezogen werden die Provisionen für den Vertrieb sowie die Verwaltungskosten und die Aufwendungen für den Todesfallschutz.

Beitragsfrei stellen statt kündigen

Wer sich angesichts sinkender Renditen mit der Absicht trägt, seinen Vertrag zu kündigen, sollte sich dies jedoch gut überlegen. Wer das Geld für die Einzahlung in einen hochverzinsten Altvertrag nicht aufbringen könne, sollte die Police lieber vorübergehend beitragsfrei stellen, rät der frühere Chefredakteur von Finanztest, Hermann-Josef Tenhagen. Bevor ein Vertrag gekündigt wird, sollten zudem Angebote von Aufkäufern eingeholt werden. Diese übernehmen lukrative Verträge und bedienen die Beiträge weiter – der Preis liegt deshalb oft über dem Rückkaufswert, den die Versicherungskonzerne zahlen.

(Andreas Fier, WN)


 


 

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