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  • 11.11.2013, 12:00 Uhr
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  • Münsterland / Kreis Steinfurt
Richtfest in Rekordzeit

Neues Logistikzentrum in Velpe

Vor Überraschungen sind Bauherren ja nie gefeit. Es müssen aber nicht immer unliebsame sein. „Wir wundern uns selbst, wie schnell das geht“, meint Alexander Schmid, Leiter Development bei der Habacker Holding, die gerade im Industriegebiet Velpe direkt an der Autobahn A 30 ein riesiges Logistikzentrum aus dem Boden stampft. Donnerstag wurde Richtfest gefeiert.

Wo bis Anfang Juli noch Gräser sprossen, wird jetzt das gewaltige Ausmaß des 15 Millionen Euro teuren Investments deutlich: 210 Meter lang und 45 Meter breit ist die Halle, in der ab nächstem Jahr der weltweit tätige dänische Logistikkonzern DSV Waren aller Art umschlagen will. Dazu wird ein großes Bürogebäude gebaut.

Umschlagen ist das passende Wort. „Hier wird kaum gelagert, sondern ein- und ausgeliefert“, betont Alexander Schmid, Leiter Development bei der Habacker Holding, die Bauherr ist. Cross Docking (Kreuzverkupplung) lautet der Fachbegriff und bezeichnet eine Warenumschlagsart, bei der Güter vom Lieferanten vorkommissioniert geliefert und dann zum Weiterversand an die Empfänger verteilt werden.

Regale sucht man in der Riesenhalle nach deren Fertigstellung deshalb auch vergeblich. Stattdessen wird eine sogenannte Unterflurförderkette montiert – ein Schienensystem, mit dem die Ware in Windeseile befördert wird.

Fast 100 Rolltore gibt es. Die eine Hälfte ist für den Wareneingang bestimmt, auf der anderen Gebäudeseite stehen dann die Lastwagen zur Abholung an den Rampen.

„Auch wenn das nicht so aussieht; es ist noch ein Rohbau“, betont Schmid. Erst jetzt kann so langsam der Innenausbau beginnen. Dann werden an manchen Tagen bis zu 70 Handwerker gleichzeitig auf der Baustelle wuseln, die sich angesichts der Grundstücksgröße (5,4 Hektar) aber schnell verlieren.

Riesenbau in Rekordzeit

Trotz des enormen Gebäudevolumens waren bislang keine Bataillone für den Bau nötig. „Das läuft heute größtenteils in Fertigbauweise“, erläutert Jörg Werder, Verkaufsingenieur bei der Goldbeck GmbH (Bielefeld). Als Generalunternehmer will das Unternehmen die halle im März 2014 schlüsselfertig übergeben.

Schwierig gestaltete sich dabei nur der Anfang „Am Velper Mühlenbach“ – an der Straße wird gebaut. „das klingt nicht nur feucht, sondern das ist es auch“, meint Schmid schmunzelnd. „Wir mussten erst das komplette Gelände trocken legen.“

Die Lage ist wegen der direkten Anbindung an die Autobahn für einen Logistiker natürlich ideal. Die hydraulischen Verhältnisse sind dagegen suboptimal. Schon die Ansiedlung des benachbarten Lidl-Zentrallagers Ende der 1990er Jahre wurde auch wegen der Hochwasserproblematik zur Kraftprobe zwischen der Gemeinde Westerkappeln und der damaligen grünen Landesumweltministerin Bärbel Höhn.

Mit dem Verkauf des Grundstücks an die Habacker Holding hat die Kommune in Velpe die letzte Fläche verkauft. Seit Jahren gibt es Bemühungen, das Industriegebiet zu erweitern oder ein neues mit der Gemeinde Lotte zu entwickeln. Doch neben der Tatsache, dass alle in Frage kommenden Flächen von höheren Behörden als Überschwemmungsgebiet eingestuft werden, will das Land den Flächenverbrauch eindämmen. Dafür zeigt Bürgermeister Ullrich Hockenbrink beim Richtfest wenig Verständnis. Diese restriktive Politik verhindere, künftig solche Unternehmen die DSV anzusiedeln. „Einige Leute im Land glauben scheinbar, durch Biotopvernetzung den Sozialstaat aufrecht erhalten zu können.“

Die Ansiedlung von DSV ist nach Überzeugung Hockenbrinks ein Glücksfall. 200 Arbeitsplätze entstünden in Velpe. Wobei anzumerken ist, dass wohl nur ein kleinerer Teil der Jobs neu ist. Denn die DSV zieht nur vom jetzigen, zu kleinen Standort in Osnabrück nach Westerkappeln um. Der Bürgermeister verbucht das natürlich trotzdem als Erfolg und betont, das es sich um hochwertige Arbeitsplätze handelt. „Moderne Logistik ist Hightech.“

Und ein bisschen stolz ist Hochenbrink darauf, dass es mit DSV und Lidl nun zwei Global Player im Industriegebiet Velpe gibt. „Vielleicht“, so sinniert er, ergibt sich aus dieser Nachbarschaft ja auch eine Zusammenarbeit.“

(Frank Klausmeyer)


 


 

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