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  • 02.10.2013, 09:36 Uhr
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  • Münsterland
Rückkehr der Dorfläden

Dorfladen als genossenschaftliches Projekt

Wenn der letzte Supermarkt in einer ländlich-dörflichen Gegend schließt, bedeutet das für die Einwohner oft lange Einkaufswege, auch für Grundnahrungsmittel. Einige Orte im Münsterland haben für sich eine Lösung gefunden: Sie eröffneten in Eigenregie neue Dorfläden, die als Verein oder Genossenschaft geführt werden.

In Horstmar-Leer ist nicht viel los. „Aber nachdem der Laden schloss, war gar nichts mehr los“, meint Dieter Jürgens, blickt zufrieden auf den gefüllten Verkaufsraum des neuen Tante-Emma-Ladens direkt gegenüber der Dorfkirche und hofft, dass die Zeit mit „gar nichts mehr los“ nicht zurückkehrt. Nachdem im vergangenen Jahr der letzte Lebensmittelladen des 2.300 Einwohner zählenden Dorfes die Türen schloss, „da war das ganz schrecklich“, sagt Anne Hölscher. Die junge Mutter musste für jede Tüte Milch mit dem Auto zum Einkauf. „Jetzt können wir mal eben spazieren gehen“, freut sie sich und hat einen der 341 Genossenschaftanteile zu 250 Euro gezeichnet.

„Wir wollen Gewinne erwirtschaften“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Rüße. Er ist Rechtsanwalt und vor nichts bange. Auch nicht vor Lebensmitteln. Zusammen mit der Hausärztin im Dorf, zufällig auch seine Ehefrau, dem Chef der Volksbank und dem Getränkehändler hat er kurz nach Ladenschluss im Mai 2012 beschlossen, etwas zu tun. „Dass wir es selbst tun müssen, war uns erst nicht bewusst“, erinnert er sich. Im Mai dieses Jahres, ein runder Tisch mit Politik und Verwaltung war vorausgegangen, lud das Quartett die Leerer Bürger ein. „Der Saal war so voll, dass Leute auf der Kegelbahn saßen. Danach kamen wir aus der Nummer nicht mehr heraus“, sagt Rüße. Dann ging alles recht zügig, die Eröffnung am Dienstag war der vorläufige Höhepunkt, der neue Laden brechend voll. Sieben Angestellte, sechs davon kommen aus Leer. „Das soll auch ein Ort der Kommunikation sein. Wir legen großen Wert auf persönliche Ansprache“, sagt Rüße.

Asmus Schütt vom Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverband (RWGV) berichtet von einer spürbaren Belebung bei solchen genossenschaftlichen Projekten, mag aber von einem Gründungsboom nicht reden. Nach seinen Worten gibt es im Verbandsgebiet 30 neue Genossenschaften pro Jahr. Dazu kommen Dorfläden, die als Verein oder unter dem Dach anderer Genossenschaften entstehen.

Das „Wohl und Wehe“ eines Dorfladens hänge ohnehin nur davon ob, dass seine Mitglieder auch genug Umsatz machen. Gute Gründe dafür hätten sie. Schließlich sei der Hauptgrund für die Dorfläden „nicht die Notwendigkeit einzukaufen, sondern die Erhaltung der dörflichen Infrastruktur zu garantieren“, sagt Schütt.

So wie in Ochtrup-Welbergen. Dort freut sich Rolf Kockmann, dass der Dorfladen, der vor zwei Jahren gegründet wurde, läuft: „Wir machen im Moment Gewinne“, sagt das Vorstandsmitglied. Die Welbergener würden jetzt ihre Großeinkäufe in den großen Orten in der Umgebung machen und die täglichen Sachen vor Ort. Das funktioniere, weil das ganze Dorf hinter dem Projekt stehe. „Dafür muss die Dorfgemeinschaft intakt sein“, sagt er. Schützen-, Frauen und Sportvereine, in denen man für das Thema sensibilisieren kann.

In Leer liegen Eier, Kartoffeln, Gemüse und Käse aus der Region im Regal. Geld soll vor allem der Backshop mit seinen höheren Margen bringen. „Das ist die letzte Chance“, sagt Dieter Jürgens. Sonst sind irgendwann nicht nur die Lebensmittel, sondern auch die Menschen weg.

(Stefan Werding)


 


 

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