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  • 07.08.2015, 08:45 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Russland-Krise trübt Bilanzen

Regionale Unternehmen und Landwirte spüren Sanktionsfolgen und Rubelverfall

Seit genau einem Jahr tobt der Sanktionsstreit mit Russland. Nicht nur bei den Landwirten, sondern auch bei einige Unternehmen der Region hinterlässt die Krise erste deutliche Spuren in den Bilanzen.

„Der Umsatz im Russland-Geschäft ist zweistellig geschrumpft“, räumte Wolfram Eberhardt, Pressesprecher des Landmaschinen-Konzerns Claas in Harsewinkel am Donnerstag im Gespräch ein. „Doch treffen uns nicht die Sanktionen direkt, sondern der daraus resultierende Kursverfall des Rubels“, stellte Eberhardt klar. Durch die Währungsprobleme fehle den russischen Landwirten die Möglichkeit, ihre Investitionen zu finanzieren, so der Claas-Sprecher.

Auch in der Bekleidungsbranche ist die Lage angespannt. Oliver Teuteberg, Pressesprecher des Verbandes der Nordwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie in Münster, sieht zwar bei den Textilherstellern der Region keine Auswirkungen der russischen Turbulenzen. „Doch die Bekleidungsindustrie ist stark betroffen“, weiß Teuteberg, sieht allerdings deshalb keine Arbeitsplätze in Gefahr. Der drohende Fachkräftemangel lasse die Unternehmen in puncto Stellenabbau zurückhaltend agieren. Bundesweit haben die Modehersteller zwölf Prozent des Russland-Exports eingebüßt, berichtet der Gesamtverband Textil und Mode.

"Absatz und Umsatz sind gesunken"

In der Bilanz des Auflieger- und Anhängerherstellers Schmitz Cargobull (Horstmar/Altenberge) hat die Russland-Krise ebenfalls Spuren hinterlassen. „Andere europäische Märkte konnten einiges ausgleichen, aber Absatz und Umsatz sind gesunken“, erklärte Pressesprecher Gerd Rohrsen, ohne konkrete Zahlen zu nennen, die für das Geschäftsjahr 2014/15 erst Mitte September vorgelegt werden. Die stärksten Zuwächse habe es in Polen, Spanien und England gegeben, betonte Rohrsen.

Am meisten leiden jedoch die Bauern: Das russische Einfuhrverbot für Lebensmittel hat die deutsche Landwirtschaft nach Angaben des Deutschen Bauernverbands Hunderte Millionen Euro gekostet. „Russland war einer unserer drei größten Exportmärkte, und der ist nun praktisch weggebrochen“, sagte der Präsident des Verbandes, Joachim Rukwied, jüngst dem „Tagesspiegel“.

Rukwied sprach von einem Schaden in Höhe von 600 bis 800 Millionen innerhalb des einen Jahres, das inzwischen seit der Sanktionsverhängung vergangen ist. Allein die deutschen Milchexporte nach Russland sind seit August 2014 von 125 auf acht Millionen gesunken, die Ausfuhren von Fleisch und Fleischwaren von 175 auf fünf Millionen und die von Obst und Gemüse von sieben Millionen auf lediglich noch minimale 50.000 .

Starke Einbrüche des Russland-Exports verzeichneten indes zahlreiche Branchen: So meldete der Maschinenbau ein Minus von 17 Prozent, die Elektroindustrie von knapp fünf Prozent und der russische Automarkt gab um zehn Prozent nach.

(Jürgen Stilling, WN)


 


 

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