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  • 14.04.2014, 09:36 Uhr
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  • Münsterland / Altenberge
Sattelauflieger

Schmitz Cargobull setzt auf China

Die Krise 2008 hat Europas größter Hersteller für Lkw-Anhänger längst hinter sich gelassen. Die Zeichen stehen bei der Schmitz Cargobull AG auf Wachstum. Über die Zukunft, die Krise in Russland und das Engagement außerhalb Europas sprach Uwe Renners mit dem Vorstandsvorsitzenden Ulrich Schümer.

Herr Schümer, es läuft gut, oder?

Ulrich Schümer: Wir sind ganz zufrieden mit der wirtschaftlichen Entwicklung. Wir haben im vergangenen Geschäftsjahr einen Zuwachs zu verzeichnen und haben die Fahrzeugproduktion von 42.000 auf 45.000 Einheiten gesteigert. Täglich werden rund 200 Trailer gefertigt. Für das kommende Geschäftsjahr planen wir 47.500 Fahrzeuge. Den Umsatz wollen wir von jetzt 1,65 Milliarden Euro auf 1,85 Milliarden Euro steigern.

Hat so ein Wachstum Grenzen?

Schümer: Der Markt in Europa konsolidiert sich weiter. Die großen drei sind deutsche Hersteller mit Schmitz Cargobull an der Spitze. Wir sind in ganz Europa präsent und können die eine oder andere Schwankung auffangen.

Sie haben ein Werk in Russland. Der osteuropäische Markt ist für Sie sehr wichtig. Macht Ihnen die Krise in der Ukraine Sorgen und spüren Sie Auswirkungen?

Schümer: Die ersten Auswirkungen waren bereits im Spätherbst 2013 zu spüren. Der Rubel war deutlich schwächer geworden und hatte sich bis zu 17 Prozent gegenüber dem Euro abgeschwächt. Das bedeutete, dass dort die Trailer für unsere Kunden teurer geworden sind und sich die Nachfrage beruhigt hatte. Gleichwohl waren wir für 2014 optimistisch. Die Krim-Krise hat den Markt schon verunsichert, auch wenn sich die wirtschaftlichen Rahmendaten nicht verändert haben. Der russische Markt ist für uns der zweitgrößte Markt nach Deutschland, zwölf Prozent unseres Umsatzes werden dort getätigt. Wir hoffen, dass das auf politischer Ebene gelöst wird und die Industrie nicht mit hineingezogen wird. Wirtschaftssanktionen sind für alle Seiten nicht hilfreich. Viele Firmen aus dem Münsterland sind dort aktiv und haben investiert.

Sie bauen in Wuhan in China für 100 Millionen Euro ein neues Werk. Bis vor ein paar Jahren hieß es immer, für Schmitz Cargobull ist die Grenze am Ural. Woher der Sinneswandel?

Schümer: Wir haben 2012 im Rahmen unserer Strategieerarbeitung gesagt, wir müssen globalisieren. Wir haben mit Dong Feng in China einen verlässlichen Partner gefunden. Wir investieren gemeinsam mit Dong Feng 100 Millionen Euro. Der Markt in China ist ein Markt mit deutlichem Wachstumspotenzial und wir sehen dort eine große Herausforderung und Chance. Unser Vorstandsmitglied Andreas Schmitz ist mit seiner Familie in China und betreut das entstehende Werk. Wir hoffen, dass wir im chinesischen Markt in den nächsten Jahren eine wichtige Rolle spielen.

Das ist ja eine ganz andere Kultur. Haben Sie da schon ein Training absolviert?

Schümer: Ja. Wir schulen uns und unsere Mitarbeiter im kulturellen und geschäftlichen Umgang. Das geht bis hin zum gemeinsamen Essen. Denn wenn man heute erfolgreich sein will, dann muss man die Kulturen nicht nur akzeptieren, sondern sie auch verstehen und erleben.

Was ist mit Amerika, Südamerika, Indien oder Afrika?

Schümer: Im Rahmen einer Globalisierungsstrategie werden wir uns auch andere Märkte anschauen. Da sei dahingestellt, ob das zum Beispiel Indien oder Brasilien ist. Das ist noch offen.

Vor Amerika haben Sie Angst?

Schümer: Der Markt dort ist sehr weit fortgeschritten und mit großen Herstellern besetzt. China ist da anders. Der Sattelauflieger steht dort am Anfang.

Ich würde Ihnen gerne ein paar Stichworte nennen, auf die Sie spontan antworten. Das erste ist Münsterland.

Schümer: Als gebürtiger Dortmunder habe ich das Münsterland schätzen gelernt. Ich liebe das Münsterland und bin heute hier zu Hause.

Emsland?

Schümer: Eine geschätzte Region mit einem geschätzten starken Wettbewerber. Wenn es ihn nicht gäbe, müssten wir ihn erfinden, um uns immer wieder daran zu messen und besser zu sein.

Leiharbeiter?

Schümer: Für Schmitz Cargobull eine Notwendigkeit. Wir unterliegen im Trailermarkt sehr starken Nachfrageschwankungen. Wir versuchen über gleichen Lohn und gleiche Behandlung den Leiharbeitern Wertschätzung entgegenzubringen und ihre Arbeitsplätze dauerhaft zu erhalten.

Verkehrspolitik?

Schümer: Ein ständiges Auf und Ab, geprägt durch den bundesweiten Föderalismus, siehe Euro­combi. Entscheidungen werden nicht auf Dauer und wirtschaftsorientiert, sondern von regionalen politischen Dingen beeinflusst. Das macht es uns und unseren Kunden als europaweit tätigen Akteuren schwierig.

China und Menschenrechte?

Schümer: Die Menschenrechte in China haben sich in den letzten Jahren sicher deutlich zum Positiven gewandelt. China gehört heute noch nicht zu den Topländern, was die Achtung der Menschenrechte angeht. Es ist für mich aber auch kein kommunistischer Staat, sondern ein zentral geführter Wirtschaftsstaat, der im Aufbruch ist und in dem noch vieles getan werden muss, um die Entwicklung sowie die Freiheit der Menschen auf Dauer sicherzustellen.

Facharbeitermangel?

Schümer: Glücklicherweise im Münsterland nicht. Wir haben noch nicht darunter zu leiden, fördern und fordern aber seit Langem unsere jungen Talente im Unternehmen.

(WN)


 


 

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