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  • 28.08.2013, 09:40 Uhr
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  • Münster
Schuhmacherlehrling in Münster

Geselle bleibt bei seinen Leisten

Seine Arbeit wird mit Füßen getreten – und trotzdem macht sie Jean- Claude Hoffmann Spaß. Sehr sogar, denn der 32-Jährige hat gerade mit Bravour seine Ausbildung zum Schuhmachergesellen in Münster abgeschlossen.

Der junge Mann ist ein Exot im Handwerk. In seiner Zunft gibt es nur noch wenige Lehrlinge. Die Chemie zwischen dem Schuhmachergesellen und seinem Chef stimmt. Jean-Claude Hoffmann freut sich, dass er weiter in der Werkstatt seines Lehrherrn bleiben darf. Michael Spiller ist froh, dass er jetzt Verstärkung bekommt.

Mit einem Lehrling aus Köln saß Jean-Claude Hoffmann vor wenigen Wochen in der Prüfung. Er feilte an der Theorie, die mit Lederkunde, Klebstoffwissen und Anatomie reichlich gespickt war. Am Ende fertigte der junge Geselle aus Münster während der praktischen Prüfung in Wesel noch einen Maßschuh. Außerdem musste er eine Schuhreparatur erledigen, an einer Absatzerhöhung arbeiten und eine Abrollsohle anfertigen. „Zwei Tage sind eng“, blickt Hoffmann zurück, der vor zwei Jahren mit insgesamt 43 Lehrlingen aus ganz Nordrhein-Westfalen in Essen in der Berufsschule startete. Viele von den Azubis haben inzwischen ihren Beruf an den Nagel gehängt oder sind in Orthopädieschuhmacherei gewechselt. Jean-Claude Hoffmann blieb dagegen bei seinen Leisten, ihn interessiert die klassische Schuhmacherei.

Zwei Jahre ist es her, dass Jean Claude Hoffmann seine Lehre bei Michael Spiller angetreten hat. Damals war der Schusterlehrling ziemlich überrascht, dass der Beruf so vielseitig ist, so kultig, so exotisch.

Von der Kunst ins Handwerk

Jean-Claude Hoffmann hielt durch. Mit seinem Lehrherrn Michael Spiller überlegte er, wie es beruflich weitergehen könnte. Beide liegen auf einer Wellenlänge, beide haben ein Faible für die Kunst. Jean Claude Hoffmann hatte zuvor in Enschede Kunst studiert und ist heute neben der handwerklichen Kunst in der Schusterwerkstatt in der Malerei und als Schlagzeuger unterwegs. Michael Spiller liebt dagegen die Performance, die er in regelmäßigen Abständen als Schustershow in seinem Betrieb zeigt.

„Doch in der Werkstatt fühle ich mich wie zu Hause“, sagt der junge Geselle. Spillers Kundschaft kennt ihn schon, der genauso wie sein Chef am Tresen alle Aufträge annimmt. Ob es sich um gerissene Riemen handelt, um Löcher in Taschen oder um neue Sohlen, Jean Claude Hoffmann weiß meistens Rat.

Meisterstück im Schaufenster

Der 32-Jährige würden den Beruf heute wieder wählen, sagt er. Es klingt überzeugend. Der junge Schuhmachergeselle freut sich auf seine Maßschuhe an den Füßen. Noch ist das Gesellenstück aber, das ihm zwei heiße Prüfungstage beschert hat und das wie angegossen passt, ein Glanzstück im Schaufenster seines Lehrherrn an der Kanalstraße. Michael Spiller hat übrigens vor genau 30 Jahren den Beruf bei Fritz Lubahn gelernt, von dem er im Jahr 2000 das Geschäft an der Kanalstraße übernommen hat. Michael Spiller hat sich inzwischen bei der Handwerkskammer Münster bedankt, die ihm, der keinen Meisterbrief besitzt, extra für die Ausbildung des Lehrlings eine Ausnahmegenehmigung erteilt hatte.

(Redaktion)


 


 

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