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  • 25.06.2014, 09:43 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Schwindende Einnahmen

Wenn Apotheker pleite gehen

Der Weg zur nächsten Apotheke wird auch in Münster länger. Die Zahl der Apotheken sank von 100 vor zwei Jahren auf aktuell 95. Im Münsterland schlossen in den vergangenen zwei Jahren 17 Apotheken, vor allem in Ahlen. Diese Zahlen nannte jetzt die Apothekerkammer Westfalen-Lippe.

Eine Apotheke zu betreiben, lohne sich vor allem in kleinen Dörfern oder schlecht besuchten Innenstädten oft finanziell nicht mehr, sagte Gabriele Regina Overwiening, Vorsitzende der Apothekenkammer Westfalen-Lippe. „Es trägt sich für manche nicht mehr. Die Verdienste der Mitarbeiter sind höher, als der Verdienst des Eigentümers.“

Dabei sind die Aufgaben gewachsen, nicht nur durch längere Öffnungszeiten, sondern weil es immer mehr ältere Menschen gibt. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlich schwierigen Lage appellierte jetzt das westfälisch-lippische Apothekerparlament auf seiner Sitzung in Münster mit zwei Resolutionen an die Politik: Zum einen fordert es eine Dynamisierung des apothekerlichen Honorars.

Packungshonorar nicht kosteneckend

Derzeit decke das Packungshonorar nicht die betriebswirtschaftlichen Kosten. Dies verstoße gegen das Grundgesetz, argumentiert die Kammer. Wegen der schlechten Bezahlung weichen immer mehr junge Pharmazeuten in die besser bezahlende Industrie aus. In einer weiteren Resolution fordern die Apotheker gesetzgeberische Maßnahmen gegen das überzogene Verhalten von Krankenkassen, die wegen marginaler Formfehler, wie fehlender Stempel oder uneindeutiger Abkürzungen die Abrechnung von Rezepten verweigerten. „Das verunsichert viele Kollegen. Die fehlenden Gelder haben manchen Apotheker in die Insolvenz geführt“, erläuterte Gabriele Regina Overwiening. Die Kammer will nun Informationszettel erarbeiten, die die Patienten im Falle einer Abgabeverweigerung über die Situation der Apotheker aufklären.

Notdienst-Vergütung und Vermittlungsbörse

Weiterer Schritt, um die Apotheken zu stärken: Notdienste auf dem Land werden erstmals vergütet. Außerdem richtet die Kammer eine Vermittlungsbörse ein: um die Jobsuche junger Pharmazeuten und die Nachfolgersuche zu vereinfachen. Eine wichtige Maßnahme, um sich für die Zukunft zu wappnen sieht Overwiening darin, dass die Apotheker stets auf der Höhe der Zeit qualifiziert seien. Das Fortbildungsangebot werde sogar so gut genutzt, dass 2013 heimische Apotheker zum fünften Mal in Folge „Deutsche Fortbildungsmeister“ wurden: mit 4,5 besuchten Veranstaltungen pro Apotheker. Bundesweit waren es nur knapp zwei Veranstaltungen. 32,5 Prozent der Apotheker besitzen ein freiwilliges Fortbildungszertifikat, bundesweit sind dies weniger als neun Prozent.

(Peter Sauer, WN)


 


 

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