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  • 23.06.2014, 10:32 Uhr
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  • Gronau-Epe / Münsterland
Sicherheitsabschaltung

Kein Gasaustritt an Kaverne S 78

In der Nacht klingt der neuerliche Vorfall im Eper Amtsvenn zunächst dramatisch: Ein vermeintlicher Gasaustritt an einer der Kavernen im Eper Amtsvenn ruft Rettungskräfte, Feuerwehr und Polizei auf den Plan. Am Freitagmorgen gibt die Bezirksregierung Arnsberg (Bergbehörde) bekannt: Es war kein Gasaustritt, sondern „die planmäßige Auslösung einer Sicherheitsabschaltung“ nach einem Fehler in einer elektronischen Steuerung.

„Es hat definitiv keinen Gasaustritt gegeben“, so Andreas Nörthen, Sprecher der Abteilung Bergbau und Energie der Bezirksregierung Arnsberg.

Für drei Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes, die am späten Donnerstagabend den Schadensbereich rund um das Ölaustrittsgebiet im Venn überwachen, dürfte es die Schrecksekunde ihres Lebens gewesen sein: gegen 23 Uhr ein etwa 30 Sekunden andauerndes Geräusch, das nach ausströmendem Gas klingt. Verbunden damit ein lauter Knall. Der Geruch von Gas und Pfefferspray liegt in der Luft, so Zeugen später. Das Security-Personal vermutet das Schlimmste – einen Blowout, einen unkontrollierten Gasaustritt. Und das an Gaskaverne S 78, nur rund 200 Meter von der Ölkaverne entfernt, die im Verdacht steht, Ursache für den Ölaustritt im Venn, zu sein.

Weil zwei Security-Leute über Verletzungen klagen – eine Mitarbeiterin hat Nasenbluten –, werden um 23.44 Uhr zwei Rettungswagen gerufen. Die Rettungskräfte kümmern sich vor Ort um drei betroffene Mitarbeiter und setzen die weitere Rettungskette in Gang. Beide Löschzüge der Feuerwehr rücken um 0.16 Uhr aus – die Wehr vermutet zu diesem Zeitpunkt einen Gasautritt. Polizei, Feuerwehr, Ordnungsamt, Vertreter der Bergaufsicht und der Betreiberfirma der Kaverne sind bis in die Morgenstunden im Einsatz. Das Gelände wird abgesperrt, Menschen aus dem gesamten Schadensbereich der Ölaustrittstelle evakuiert. Mit einem Spezial-Erkundungsfahrzeug sammelt die Feuerwehr Messdaten, Hinweise auf einen Gasaustritt ergeben sich dabei nicht.

Inzwischen steht nach Angaben der Arnsberger Bergaufsicht fest: Ausgelöst wurde der Vorfall durch einen Datenverlust zwischen der Kaverne S 78 und der rund einen Kilometer entfernt gelegenen Überwachungszen­trale der Speicherstation, die von der Firma Eon-Gas-Storage GmbH (EGS) betrieben wird. „Die Ursache für den Datenübertragungsfehler konnte ermittelt und durch Austausch einer elektronischen Stromversorgungseinheit behoben werden“, so die Bezirksregierung.

Es wurde kein Gas freigesetzt, nur Druckluft

Bei einem Datenverlust in der elektronischen Steuerung werden die Sicherheitsabsperrventile am Kavernenkopf automatisch geschlossen. Diese Ventile arbeiten federkraftschließend, der Schließvorgang dauert rund 30 Sekunden, erfolgt unter schlagartiger Entlastung von Druckluftspeichern und ist akustisch im weiteren Umfeld zu hören. „Das kann infernalisch laut sein“, so Nörthen. Freigesetzt werde dabei aber kein Gas, sondern nur Druckluft – genau diesen Vorgang hätten die drei Sicherheitskräfte erlebt. Warum eine Security-Mitarbeiterin dabei Nasenbluten erlitt, werde weiter untersucht: „Eine Verletzung durch die erfolgte Sicherheitsabschaltung bzw. Druckluft kann aber ausgeschlossen werden“, so die Bergbehörde.

Das Auslösen des Sicherheitssystems sei von der EGS-Leitwarte zwar bemerkt worden, die Mitarbeiter dort hätten aber nicht gewusst, dass eine Störung der Messwertübertragung dafür die Ursache gewesen sei. „Auch sie gingen deshalb zunächst von einem Gasaustritt aus“, so Nörthen. Fest stehe aber: „Zu keinem Zeitpunkt hat eine Gefahr im Zusammenhang mit dem Kavernenbetrieb bestanden“. Trotzdem sollen die Sicherheitsventile vorerst geschlossen bleiben – ein TÜV-Gutachter wird vor einer Wiederinbetriebnahme die Kaverne und die Steuerungstechnik überprüfen, so Andreas Nörthen gegenüber den Westfälischen Nachrichten.

Das Zusammenwirken aller beteiligten Stellen bezeichnete die Bezirksregierung als „reibungslos und effizient“. Nörthen: „Von der Organisation her ist alles richtig abgelaufen.“

Unglückliche Verkettung von Zufällen oder Beweis für Murphys Gesetz? Sicher ist: Die Leckage an einer Ölkaverne, Störungen an zwei Gaskavernen und – aktuell – die (wenn auch planmäßige) automatische Sicherheitsabschaltung einer Gaskaverne erschüttern den Glauben an die unterirdische Speichertechnologie massiv. Zu viele Vorfälle in zu kurzer Zeit verunsichern die Bewohner des Amtsvenns und viele andere Bürger. Und machen sie zu Recht auch wütend: Denn in die Besorgnis über das, was vielleicht noch alles kommt, mischt sich zunehmend der Verdacht, dass es in der Vergangenheit möglicherweise viel mehr Störfälle gegeben haben könnte als bisher bekannt. Die Stimmung, die sich dadurch im und rund um das Venn zusammenbraut, ist gefährlich. Dem Dialog mit den Kritikern stellen sich bisher nur Stadt und Bezirksregierung Arnsberg. Der Rest im Venn ist Schweigen. Das gilt es dringend zu beenden.

(Klaus Wiedau, WN)


 


 

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