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  • 16.08.2013, 13:21 Uhr
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  • Münsterland
Sportwagen-Manufaktur Wiesmann

Insolvenzantrag und Auslands-Pläne

Die Sportwagen-Manufaktur Wiesmann hat Insolvenz beantragt. Damit verschafft sich der hoch verschuldete Hersteller von Roadstern und GT-Sportwagen aus Dülmen eine finanzielle Atempause.

Zuletzt konnte die Manufaktur nur noch rund 160 Fahrzeuge jährlich absetzen, laut Geschäftsführer Dr. Rolf Haferkamp müsste das Unternehmen 250 bis 300 Automobile im Jahr verkaufen, um langfristig Gewinne einzufahren.

Vor eineinhalb Jahren erst hatte er das operative Geschäft übernommen, kurz darauf schieden die Firmengründer und Brüder Friedhelm und Martin Wiesmann aus dem Management aus. Haferkamp bleibt zuversichtlich, dass der Sportwagen made in Dülmen auch international ein Erfolg werden kann.

„Unser gemeinsames Ziel ist es, das Unternehmen zu erhalten und die Produktion sowie den Service von Wiesmann-Sportwagen durch geeignete Sanierungsmaßnahmen sicherzustellen“, erklärt auch Insolvenzverwalter Dr. Norbert Küpper auf Anfrage

Insolvenz als finanzielle Atempause

Haferkamp ergänzt: „Ich bin von der Marke Wiesmann und dem Produkt überzeugt, und wir werden die Automanufaktur auf gutem Kurs halten.“ Die vorläufige Insolvenz sei aus seiner Sicht eher eine Formsache, um sich finanziell Luft zu verschaffen, und um das erklärte Ziel, die Automobilproduktion wieder auf finanziell gesunde Füße zu stellen, erreichen zu können. „Unsere Suche nach Investoren geht genauso weiter wie die Produktion in Dülmen“, versichert Haferkamp. Die Automobilproduktion, räumt der Geschäftsführer allerdings ein, sei im Jahr 2012 nicht über das Vorjahr hinaus gekommen. Ursprünglich hatte das Unternehmen bereits im Jubiläumsjahr 2013 (Wiesmann wurde vor 25 Jahren gegründet) schwarze Zahlen schreiben wollen.

Rechtsstreit mit den Gründern - Imageschaden für die Marke

Martin Wiesmann, der die Automanufaktur mit seinem Bruder Friedhelm gegründet hatte und sich im Rechtsstreit mit dem Unternehmen befindet, sieht den Grund für die derzeitigen Schwierigkeiten in Managementfehlern. „Wir haben immer ein solides Wachstum angestrebt, aber plötzlich sollten international tausende Fahrzeuge verkauft werden“, erinnert sich Wiesmann an Auswüchse, die laut Unternehmensführung aber inzwischen der Vergangenheit angehören. Die Marke Wiesmann habe aus seiner Sicht einen schweren Imageschaden davongetragen.

Seit dem Umzug in die neue Firmenzentrale im Jahre 2008, gingen die Vorstellungen zwischen dem Hauptgesellschafter Stefan Breuer und den Dülmener Wiesmann-Brüdern immer weiter auseinander. Von den Millionenschulden, mit denen der Firmenneubau das Unternehmen belastet, hat sich die Manufaktur bis heute nicht erholen können.

Firmengeschichte

Ab 1986 verwirklichen die Dülmener Brüder Friedhelm und Martin Wiesmann ihren Traum: Im Keller tüfteln sie an einem eigenen Sportwagen. Die Idee: Ein klassischer Roadster mit deutscher Technik. 1993 wird der erste Roadster produziert. Im Jahr 2003, wo die Brüder auch Gesellschafter aus der Schweiz in die Firma holen, wird erstmals auch ein geschlossenes Fahrzeug, ein Wiesmann GT, präsentiert. 2008 erfolgt der Umzug in die neue Produktionshalle mit dem 130 Meter langen Gecko auf dem Firmendach in Dülmen. Im Frühjahr 2012 scheidet zunächst Friedhelm, im August auch sein Bruder Martin Wiesmann aus dem operativen Geschäft aus. Es wurden bis heute 1650 Fahrzeuge in der Manufaktur produziert.

(Markus Michalak, jp)


 


 

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