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  • 05.05.2015, 08:54 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Stabiles Auftragshoch im Handwerk

Handwerk setzt auf Zuwanderung

Die anhaltenden Erfolge der Handwerksbetriebe im Münsterland und der Emscher-Lippe-Region sind durch die wachsende Fachkräftelücke bedroht. Hans Hund, Präsident der Handwerkskammer Münster, warb deshalb am Montag in Münster dafür, die „Potenziale auch unter Asylanten und Flüchtlingen zu nutzen“.

Der Hauptgeschäftsführer der Kammer, Hermann Eiling, formulierte eine allgemeine Forderung: „Deutschland braucht eine Nettozuwanderung.“ Allerdings gebe es auch noch zahlreiche andere Reserven, um den drohenden Fachkräftemangel zu verhindern. Eiling setzt unter anderem darauf, mehr Abiturienten und Frauen für Handwerksberufe zu begeistern.

Die wirtschaftliche Lage der Handwerksbetriebe ist indes auf hohem Niveau stabil. Hans Hund berichtete aus den Ergebnissen der Frühjahrs-Konjunkturumfrage der Kammer, dass nach wie vor 87 Prozent der befragten Firmenchefs ihre Geschäftslage mit „zufriedenstellend“ oder „gut“ bewerten. Allerdings registrierte die Kammer bei den Zukunftserwartungen der Betriebe eine minimale Verschlechterung. Während im Frühjahr 2014 noch 32 Prozent für das kommende Halbjahr mit einer besseren Geschäftslage rechneten, waren es in diesem Jahr lediglich noch 25 Prozent.

Bessere Stimmung im Münsterland

Im Münsterland sei die Stimmung der Handwerksbetriebe weiterhin deutlich besser als in der Emscher-Lippe-Region. Allerdings wuchs nach Angaben Hunds auch im nördlichen Ruhrgebiet der Anteil der positiven Lagebeurteilung von 78 auf 82 Prozent. Im Münsterland liegt diese Quote unverändert bei 91 Prozent.

Am Arbeitsmarkt verzeichnet die Umfrage nach einer langen Phase wachsender Beschäftigung eine minimale Gegentendenz. 15 Prozent der Betriebe hätten Mitarbeiter eingestellt, 16 Prozent die Belegschaft verkleinert, berichtete der Kammerpräsident. „Für die kommenden Monate zeichnet sich aber schon wieder eine Wende zum Besseren ab“, so Hund. 14 Prozent der Unternehmer planten Neueinstellung, nur zehn Prozent Personalabbau.

Verlässliche Rahmenbedingungen gefordert

Um die Wachstumskraft des Handwerks auch künftig zu sichern, verlangte Hund von der Politik verlässliche Rahmenbedingungen. So zeigte der Kammerpräsident völliges Unverständnis dafür, dass sich der Koalitionsausschuss der Bundesregierung nicht über eine steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung einigen konnte. Hund: „Wie will man die Energiewende schaffen, wenn die steuerliche Förderung ausbleibt.“ Hingegen freut sich Hund über die Beibehaltung der steuerlichen Absetzbarkeit von Handwerksleistungen.

Großen Nachholbedarf bei der digitalen Infrastruktur

Großen Nachholbedarf sieht der Kammerpräsident bei der digitalen Infrastruktur. Der Digitalisierungsprozess müsse schneller vorangetrieben werden. „Gerade auch in ländlichen Regionen muss das digitale Netz lückenlos geknüpft sein“, forderte Hund.

Laut Breitbandatlas der nordrhein-westfälischen Landesregierung sei beispielsweise im Kreis Coesfeld ein Internet mit über 50 Megabit pro Sekunde nur bei 30 Prozent der Abschlüsse verfügbar, während es in Gelsenkirchen 90 Prozent seien. Auch in den Kreisen Borken, Steinfurt und Warendorf sei lediglich ein Anteil von 40 bis 50 Prozent erreicht.

(Jürgen Stilling, WN)


 


 

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