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  • 18.07.2013, 11:46 Uhr
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  • Münster
Stadtwerke Münster

Das Fernwärmenetz wird weiter verdichtet

Die Stadtwerke Münster setzen den Ausbau ihres Fernwärmenetzes fort. Bisher "tote Leitungen" werden vom Hafen bis ins Auenviertel in Gievenbeck weitergeführt und miteinander verbunden. Das steigert den Durchfluss des Leitungsnetzes und damit die Effizienz.

Gegen Wasser nutzt der Muffen-Monteur Feuer – zumindest indirekt: Behutsam lässt er die Flamme an dem Kunststoff lecken, wartet, bis er sich zusammengezogen hat, und wirft das Flemmgerät wieder an. Noch mehrmals muss er diese Prozedur wiederholen. Und dies ist nicht die einzige Muffe, die das Stahlrohr schützen soll. In rund 1,50 Meter Tiefe liegt die neue Fernwärmeleitung in dem Graben, der sich am Fußweg zwischen Gronowski- und Heinrich-Ebel-Straße entlangzieht.

Bisher habe dort ein totes Ende gelegen, erklärt Helmut Wellermann, Baubeauftragter der Stadtwerke Münster. Von der Verteilerstation in der Dieckmannstraße führte eine Leitung in die Heinrich-Ebel-Straße, verzweigte sich, „und dann war Ende“, so Wellermann. Nun haben die Stadtwerke eine Verbindung zum Ahausweg und zur Gronowskistraße verlegt, „um einen besseren Durchfluss zu erreichen“, erläutert der Baubeauftragte.

Tote Leitungen mindern die Effizienz

Denn je mehr tote Leitungen das Fernwärmenetz aufweise, umso weniger effizient sei es, weiß Stadtwerke-Sprecherin Daniela van der Pütten. Dass der Ringverlauf nicht schon mit der Erschließung des Auenviertel gebaut worden sei, habe wahrscheinlich daran gelegen, dass es zu wenige Abnehmer gab.

Das sei nicht ungewöhnlich: Das städtische Versorgungsunternehmen baue das Fernwärmenetz nach und nach aus. Derzeit umfasse es rund 100 Kilometer. Wobei nicht alle Stadtteile am Zentralnetz hingen, so van der Pütten: Roxel, Amelsbüren und Albachten zum Beispiel werden über dezentrale Blockheizkraftwerke versorgt.

Umweltfreundlich und effizient

Nach Gievenbeck jedoch fließt die Wärme vom Hafen aus: vom dortigen Erdgas-Kraftwerk der Stadtwerke, das nicht nur Strom, sondern quasi nebenbei auch Wärme erzeugt. Umweltfreundlich sei diese Kraft-Wärmekopplungstechnik wegen des hohen Wirkungsgrades, sagt die Stadtwerke-Sprecherin: Rund 88 Prozent des eingesetzten Erdgases würden genutzt.

Mit sechs bis acht Bar Druck wird der 130 Grad heiße Wasserdampf in die Leitung gepresst, strömt durch die Innenstadt und den Schlossgarten, die Von-Esmarch-Straße, Potstiege und Gievenbecker Reihe. „Deshalb sieht man dort im Winter auch Schneelücken“, sagt Daniela van der Pütten.

Dennoch sei der Wärmeverlust minimal, betont Wellermann. In der Verteilerstation an der Dieckmannstraße komme das Wasser immer noch zu heiß an: Dort werde die Temperatur auf rund 90 Grad reduziert für das Sekundärnetz, das direkt in die Übergabestationen im Keller der Kunden führt.

Aufwändige Leitungsverlegung

Die Verlegung der Leitungen aber ist aufwändig. „Gas und Wasser kann man so in die Erde schmeißen“, zieht Wellermann einen Vergleich. Weil aber die Fernwärmerohre aufgrund der Hitze arbeiten, sich dehnen und zusammenziehen, müssen Abzweigungen z-förmig gebaut und mit einem Polster versehen werden.

Vor allem aber müssen die Leitungen mit Muffen, Manschetten und Schaum gegen Feuchtigkeit und damit Korrosion geschützt und gut isoliert werden. „Wasser ist unser größter Feind“, erklärt der Baubeauftragte der Stadtwerke. Um undichte Stellen frühzeitig zu entdecken und genauer verorten zu können, werden in der Schaumschicht noch zwei dünne Drähte verlegt: Sie bilden einen Stromkreislauf, der in Abständen von 1,50 Meter abisoliert ist. Durch den Widerstand könne ein Schaden eingegrenzt werden, erläutert Wellermann. Aber auch das sei „ziemlich aufwändig“: Denn dafür müsse ein Techniker die Messpfähle und Stationen abfahren.

(Markus Kampmann)


 


 

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