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  • 26.06.2013, 08:37 Uhr
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Steuerberater

Westfälisch-lippischer Kammertag der Steuerberater in Münster

Die ersten Worte klangen wie einst das „Die Rente ist sicher“ von Norbert Blüm. „Zu Anfang möchte ich Ihnen vier Worte sagen: Der Euro ist sicher!“ Damit hatte Wirtschaftsprofessor Max Otte schon einmal den Beifall der Steuerberater bei deren westfälisch-lippischem Kammertag in Münster sicher.

Um nachzuschieben: „Ich weiß nicht, ob es stimmt – aber ich wollte es klar gesagt haben.“ Kurzweilig referierte der Wirtschaftsprofessor
über Finanz- und Eurokrise und die Folgen für die Vermögensanlage. Denn, so Otte, die „gefühlte Inflation“ liege (Energiepreise) viel höher als die offiziell mittels eines Warenkorbes gemessene von rund zwei Prozent, nämlich bei „drei bis vier Prozent“.

Angesichts niedriger Zinsen „schmelzen Geldanlagen schneller als Schnee in der Sonne“. Für Otte – bekannt geworden dafür, dass er 2006 die Finanzkrise voraussagte – ist das eine „schleichende Enteignung“, von der letztlich die „Finanzoligarchie“ profitiere. Deren Lobbyisten hätten die Politik überzeugt, die Steuerzahler für die Krise haften zu lassen. Die Euro-Rettung sei eigentlich eine Oligarchenrettung, das zeige Griechenland, so Ottes These.

Wohin also mit dem Vermögen? „Sachwert schlägt Geldwert.“ Immobilien? Otte: „Ja, aber“. Denn angesichts des demografischem
Wandels und schrumpfender Mittelschicht werde es „mit dem Häuschen auf dem Land nicht mehr funktionieren“. Ganz anders sehe es in Ballungsräumen aus.

Gold? „Vielleicht fünf Prozent“, empfiehlt Otte. Doch auch Aktien seien Sachwerte, weil hinter ihnen Unternehmen stehen. Das Problem: (Börsen-)Preis und Wert sind nun mal nicht dasselbe. Und das zu bewerten ist vielleicht die Kunst.

"Zug ins Rheinland" bereitet dem Standort Westfalen Sorge

Beim Blick auf den Stellenschlüssel der ab 1. Juli fusionierten Oberfinanzdirektion (OFD) NRW macht sich Volker Kaiser Sorge. Zwar habe Münster den Behördensitz bekommen, hier seien die Personalfragen angesiedelt, doch lägen „Fachfragen, nicht ausschließlich, aber im Wesentlichen in Köln“, klagt der Präsident der Steuerberaterkammer Westfalen-Lippe. Im Geschäftsverteilungsplan macht er einen „Schwerpunkt im Rheinland“ aus. Personell seien derzeit beide Standorte annähernd gleich besetzt.

Soweit noch alles in Ordnung. Aber: Er befürchtet, dass die OFD-Teile aus Münster „über kurz oder lang“ komplett an einen neuen gemeinsamen „Standort X“ abwandern „könnten“. „Die Gebäude der WestLB in Düsseldorf stehen auch leer“, so Kaiser. Das werde aber wohl „nicht in den nächsten fünf Jahren“ geschehen.

Es zeige sich derzeit ein „Zug ins Rheinland“ – etwa bei der Verlagerung des Genossenschaftsverbandes RWGV und bei der Provinzial . Kaiser: „Das bereitet mir für den Standort Westfalen große Sorge und das wird auch der Region mit ihren mittelständischen Unternehmen nicht gerecht.“

(Redaktion)


 


 

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