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  • 07.08.2015, 09:15 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Steuerbescheid-Wartezeiten

Bis zu sechs Monate Bearbeitungszeit in den münsterischen Finanzämtern

Wer von den münsterischen Finanzämtern erfahren will, wann er mit dem Steuerbescheid – und damit einer nicht selten heiß ersehnten Rückzahlung – rechnen kann, der wird gleich zu Beginn des Telefonats von einer automatischen Ansage abgefangen: Die Bearbeitung dauere „fünf Wochen bis sechs Monate“, von weiteren Anfragen möge man „höflich“ absehen – dies würde zu weiteren Verzögerungen führen.

Fünf Wochen sind für Hans-Ulrich Liebern, Leiter der Steuerabteilung NRW des Bundes der Steuerzahler (BdSt), akzeptabel – „alles über sechs Wochen ist allerdings unangemessen“, stellt er klar. Dass nicht wenige Arbeitnehmer – auch solche, die nach seiner Einschätzung „nur eine 08/15-Erklärung“ abgeben – zum Teil monatelang auf eine Reaktion warten, kann er schlicht nicht nachvollziehen.

Der Bund der Steuerzahler hat in dieser Woche eine Statistik veröffentlicht, in der die durchschnittliche Bearbeitungszeit für eine Einkommenssteuererklärung bei Arbeitnehmern nachzulesen ist. Am schnellsten geht es in Baden-Württemberg zu (36 Tage), am langsamsten in Bremen (87 Tage). NRW liegt mit der vagen Einschätzung „fünf Wochen bis sechs Monate“ auf dem letzten Platz.

So schnell – oder langsam – arbeiteten hier die Finanzämter auch schon im Vorjahr. Brandenburg, Thüringen und Bremen beschleunigten hingegen im gleichen Zeitraum die Bearbeitungszeit deutlich.

Liebers findet es „erstaunlich“, dass in NRW alles so lange dauert. Über die Gründe kann er nur spekulieren. Einer sei, dass das Land umso länger mit dem Geld der Steuerbürger arbeiten kann, je später es dieses zurückzahlt.

Die Finanzämter in Münster äußern sich nicht zum Bearbeitungsstau – sie verweisen auf die Pressestelle der Oberfinanzdirektion. Dort wiederum verweist man auf eine offizielle Erklärung des NRW-Finanzministeriums. Darin wird betont, dass die Bearbeitung der Steuererklärungen wegen gesetzlicher Vorgaben ohnehin erst am 1. März beginne – und dass es umso länger dauere, je komplexer ein Steuerfall sei. „Auf der anderen Seite erhalten viele Steuerzahler ihre Bescheide auch wesentlich schneller“, betont das Ministerium. Wie schnell – dazu hält es sich bedeckt.

Der Bearbeitungszeiten-Check

Der Bund der Steuerzahler hat im Frühjahr 2015 bei den Finanzverwaltungen nachgefragt, ob einige Geschichten, die sich hartnäckig halten, tatsächlich stimmen. Hier das Ergebnis:

  • „Wer früher abgibt, bekommt früher den Bescheid“: Stimmt – Einkommenserklärungen werden grundsätzlich in der Reihenfolge des Eingangs bearbeitet.
  • „Elektronisch übermittelte Erklärungen werden bevorzugt behandelt“: Nein, sie werden nicht bevorzugt abgearbeitet.
  • „Mein Finanzamt arbeitet besonders langsam“: Kann stimmen. Ursachen seien zum Beispiel die unterschiedlich starke Besetzung wegen Krankheit , Urlaub , Elternzeit und so weiter.

(Martin Kalitschke, WN)


 


 

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