Weitere Artikel
  • 27.11.2013, 09:42 Uhr
  • |
  • Münster
Steuerhinterziehungs-Verdacht

Stadtwerke-Tochter "ehw" im Visier von Justiz und Steuerfahndern

Hiobsbotschaft vom Hafenplatz 1: Ein Tochterunternehmen der Stadtwerke Münster ist ins Visier von Steuerfahndung und Staatsanwaltschaft geraten. Schlimmstenfalls drohen der Energiehandelsgesellschaft West mbH (ehw) Steuernachzahlungen in Höhe von 24 Millionen Euro, wie jetzt bekannt wurde.

Weil angeblich Vorlieferanten bei Gas-Geschäften keine Umsatzsteuer abgeführt haben und ehw-Mitarbeiter davon gewusst haben könnten, sind die Ermittler aktiv.

Um die im Falle einer Steuernachzahlung drohende Insolvenz abwenden zu können, haben die Stadtwerke Münster sowie die weiteren neun Gesellschafter – darunter auch die Stadtwerke Rheine und Ahlen – beschlossen, frisches Geld in entsprechender Höhe in das Unternehmen zu pumpen.

Allein die hiesigen Stadtwerke, die nach eigenen Angaben zu 27,8 Prozent an der Energiehandelsgesellschaft West beteiligt sind, müssen bis zu 7,7 Millionen Euro nachschießen. Dieses Vorgehen hat der Rat in seiner vergangenen Sitzung hinter verschlossenen Türen abgesegnet. Vorausgegangen war ein Dinglichkeitsbeschluss, den Oberbürgermeister Markus Lewe und die vier Fraktionsvorsitzenden bereits Mitte Oktober klammheimlich unterzeichnet haben.

Ausstieg der Stadtwerke war bereits beschlossen

Politikum am Rande: Bereits im Frühjahr hat der Rat den Ausstieg der Stadtwerke aus der Energiehandelsgesellschaft West zum Jahresende 2013 beschlossen. Deren Geschäftsmodell lohne sich für die Stadtwerke kaum mehr, so die Politiker damals übereinstimmend. Kurz vor Toresschluss wird nun dennoch eine millionenschwere Nothilfe als das kleinere Übel angesehen.

Drohende Insolvenz würde teurer

Denn eine ehw-Insolvenz würde die Stadtwerke Münster offenbar deutlich teurer kommen: Im Raum steht ein Betrag von bis zu 38 Millionen Euro, den allein der kommunale Energieversorger vom Hafenplatz abschreiben müsste, weil man auch für weitere ehw-Bürgschaften geradestehen müsste.

Rechtsanwalt Guido Bleckmann, der die ehw sowie einen der beschuldigten vier Mitarbeiter des Unternehmens vertritt, sieht keine Schuld in Münster: Höchs­tens in den Handelsstufen weit vor der ehw könnten kriminelle Machenschaften gegeben sein, heißt es in seiner Stellungnahme. „Die ehw hatte hiervon jedoch keine Kenntnis.“

Die Stadtwerke Münster als einer der zehn Gesellschafter beziehen nach eigener Darstellung von der Energiehandelsgesellschaft Gas und Strom. „Wichtig ist, dass die wirtschaftliche Existenz der ehw durch die Maßnahmen aller Gesellschafter gesichert ist“, teilen die Stadtwerke mit. Viel mehr sagen sie nicht.

Dickes Minus für die Stadtwerke

Inwieweit sich der Vorwurf der Steuerhinterziehung gegen die ehw und vier Mitarbeiter, deren Privatwohnungen genauso wie die Firmenräume im Sommer durchsucht wurden, bewahrheitet, werden die kommenden Monate zeigen. Nur so viel dürfte feststehen: Die Stadtwerke werden das Geschäftsjahr 2013 nach den jüngsten Turbulenzen und der finanziellen Nothilfe für die ehw mutmaßlich mit einem dicken Minus abschließen. So kann die vertraglich vereinbarte Überweisung an die Stadtkasse wohl nur durch einen Griff in die Rücklagen erfolgen.

(WN)


 


 

Steuern
Ermittlungen
Stadtwerke Münster
Energiehandelsgesellschaft

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Steuern" - jetzt Suche starten:

Entdecken Sie business-on.de: