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  • 04.04.2014, 09:26 Uhr
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  • Münster / Berlin
Steuerrecht

Handwerker-Förderung in der Kritik

Es ist eine der wenigen Möglichkeiten für Normalbürger, Steuern zu sparen. Doch das Urteil der Gutachter ist eindeutig: „Die bisherigen Untersuchungsergebnisse sprechen am ehesten dafür, die steuerliche Förderung für Handwerkerleistungen (...) zu streichen“, schreiben die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young im Gutachten für CDU-Finanzminister Wolfgang Schäuble.

Prompt kommt aus der SPD der Ruf, eine der beliebtesten Steuersubventionen abzuschaffen: den Handwerkerbonus. Er erlaubt es Verbrauchern, bis zu 20 Prozent des Handwerkslohns für Arbeiten in Wohnung und Haus von der Steuerschuld abzuziehen. „Es besteht offensichtlich Handlungsbedarf“, preschte Carsten Schneider, Vize der SPD-Fraktion, vor. Denn die Ziele – Eindämmen der Schwarzarbeit und Stärkung des Handwerks – würden nicht erreicht.

„Für uns steht der Handwerkerbonus nicht zur Disposition“, betont dagegen Hubertus Kost, Geschäftsführer der Handwerkskammer Münster. „Aus unserer Sicht ist das eine Erfolgsgeschichte.“ Kost verweist auf eine Umfrage der Kammer unter betroffenen Handwerkern in der Region im Jahr 2008. „Damals haben ein Drittel der befragten Betriebe angegeben, dass sie wegen des Handwerkerbonus fünf bis zehn Prozent mehr Umsatz gemacht haben.“ Zudem helfe der Bonus nach den Erfahrungen der Handwerker eindeutig dabei, Schwarzarbeit zu vermindern. Nicht ohne Grund sei die maximal absetzbare Summe 2009 verdoppelt worden, so Kost. „Übrigens von einer großen Koalition.“

Eine der teuersten Steuerermäßigungen

Die Gutachter verweisen dagegen auf Mitnahmeeffekte: So würden Schornsteinfegerleistungen und andere vorgeschriebene Kontrollen abgerechnet, die naturgemäß gar nicht schwarz erledigt werden könnten. Und: Mit Kosten von 1,52 Milliarden im Jahr sei der Bonus eine der teuersten Steuerermäßigungen überhaupt.

Immerhin würden durch die zusätzlichen Aufträge auch vermehrt Steuern gezahlt – für Einkommen, Löhne und Material, so Kost. Statt einer Streichung oder der alternativ vorgeschlagenen Beschränkung auf Einzelrechnungen über 300 können sich die Handwerker eher eine Erweiterung des Bonus vorstellen – auch mit Blick auf die energetische Sanierung von Gebäuden.

Offenbar ist die Irritation der Handwerker schnell in Berlin angekommen. Unisono verteidigten CDU, CSU und auch SPD-Chef Sigmar Gabriel am Donnerstagmittag den Handwerkerbonus. „Ich bin für die Beibehaltung dieses Instruments“, erklärte Gabriel. Und aus Schäubles Ministerium hieß es nur: „kein Handlungsbedarf“.

Der Handwerkerbonus

Der Handwerkerbonus wurde 2006 eingeführt. Danach können Steuerpflichtige 20 Prozent der Ausgaben für die Arbeit von Handwerkern bei Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen im Haushalt von ihrer Steuerschuld abziehen. 2009 wurde die Höchstgrenze von 600 € auf 1200 € Steuerersparnis angehoben.

(Martin Ellerich, WN)


 


 

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