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  • 27.06.2013, 10:31 Uhr
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  • Münster & Münsterland
Straßenbau

Bauindustrie warnt vor volkswirtschaftlichen Schäden

Theo Reddemann treiben vorallem zwei große Sorgen um: Die öffentliche Hand vernachlässigt die dringend nötige Sanierung von Straßen und Brücken, und immer weniger junge Menschen sehen ihre berufliche Zukunft in der Baubranche.

Als Vorsitzender des Verbandsbezirks Münster des Bauindustrieverbandes NRW richtete Reddemann am Mittwoch in Münster einen dringenden Appell an die politisch Verantwortlichen: „Um weitere volkswirtschaftliche Schäden zu vermeiden, muss dringend mehr Geld in die Infrastruktur investiert werden.“

Die Lage der münsterländischen Bauindustrie wird derzeit vor allem durch den langen strengen Winter geprägt. Reddemann bezifferte den Umsatzeinbruch in der Region für das erste Quartal 2013 auf 16,6 Prozent. Im Vorjahr waren die Verkaufserlöse der münsterländischen Betriebe noch um 2,8 Prozent auf 1,46 Milliarden € gewachsen, während der Umsatz im gesamten Bundesland NRW lediglich um 1,7 Prozent, bundesweit sogar lediglich um 0,5 Prozent zulegte.

Bei den Auftragseingängen zeigte sich im Münsterland ein gegensätzliches Bild: 2012 lag das Minus bei 3,5 Prozent (auf 1,17 Mrd. €), im ersten Quartal 2013 summierte sich der Zuwachs dann auf über 35 Prozent. „Nach der langen Winterflaute muss also im übrigen Jahr entsprechend mehr geleistet werden“, sagte Reddemann.

Für den Wohnungs- und den Wirtschaftsbau, wo die Auftragseingänge in der Region im vergangenen Jahr um sieben bzw. 4,2 Prozent schrumpften, sieht der stellvertretende Verbandsvorsitzende Bernward Schmitz für 2013 wieder Aufschwungtendenzen.

Anders sieht es beim Tief- und Straßenbau aus. „Das ist unser großes Sorgenkind“, betonte Reddemann und verwies auf einen Auftragseinbruch im vergangenen Jahr um 11,8 bzw. 3,1 Prozent. Auch die Ertragslage der Branche ist nicht rosig. „Der Markt ist angespannt – die Preise sind deshalb unter Druck“, erklärte Reddemann. „Viele Firmen sind zurzeit glücklich, wenn sie eine schwarze Null schreiben“, sagte Martin Karnein, Vorsitzender des Fachausschusses Berufsbildung im Bauindustrieverband NRW.

Trotz der Probleme, die die Bauindustrie beschäftigen, haben die münsterländischen Betriebe ihre Mitarbeiterzahl immer weiter erhöht – um 4,1 Prozent im vergangenen Jahr und um weitere 1,1 Prozent im ersten Quartal 2013. Mittlerweile arbeiten 9.162 Menschen für die Bauindustrie-Unternehmen der Region.

Grund für die Treue zu ihren Belegschaften ist laut Reddemann neben der Schlechtwettergeld-Regelung für den Winter vor allem die Erkenntnis der Firmen, dass dem Bau langsam die Fachkräfte ausgehen. Von den rund 800 Jahr für Jahr in Nordrhein-Westfalen zu besetzenden Lehrstellen seien zuletzt nur 700 besetzt worden, rechnete er vor. „Und es wird immer schwerer, Auszubildende zu finden“, malte Karrein ein düsteres Zukunftsbild.

Reddemann warb auch für den Beruf des Bauingenieurs: „Wer heute ein solches Studium aufnimmt, hat die besten Karrierechancen. “Die Baubranche müsse angesichts des drohenden Facharbeitermangels jetzt die Weichen stellen, „um unsere Kompetenz zu behalten“, formulierte der Bezirksvorsitzende das Ziel der Bauindustrie.

(Redaktion)


 


 

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