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  • 24.05.2013, 11:01 Uhr
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  • Münster & Münsterland
Straßenwärter-Training

Ein lebensgefährlicher Job

Straßenwärter Winfried Kaup hat sein Fahrzeug auf dem Standstreifen abgestellt. Neben ihm rollt der Autobahn-Verkehr. Der Lärm ist ohrenbetäubend. Ein Lkw nach dem anderen donnert nur etwa einen Meter an seinem Wagen vorbei. An Aussteigen ist nicht zu denken. Viel zu gefährlich. Eigentlich.

Aber wie lange wird der 45-Jährige noch warten, bis er doch die Tür aufmacht, und auf die Fahrbahn läuft. Wie lange wird es dauern, bis der Zeitdruck über die Vorsicht siegt, die Routine über die Gefahr? Winfried Kaup bleibt geduldig. 29 Dienstjahre bei der Straßenmeisterei Münster haben sein Auge geschult. Der Grevener wartet auf den richtigen Moment. Erst als der Lkw an ihm vorbeigefahren ist und der nachfolgende Pkw noch deutlichen Abstand hat, steigt er aus, springt aus dem Führerhaus aus und geht flugs hinter seinen Wagen. Und erhält dafür prompt ein Lob von Sebastian Rabe von der Unfallkasse NRW: „Entfernung und Geschwindigkeit der Fahrzeuge richtig eingeschätzt.“ Am Donnerstag war es nur eine Sicherheitsübung, im Alltag kann Vorsicht Leben retten.

Denn der Job von Winfried Kaup und seinen 16 Kollegen, die bei der Straßenmeisterei Münster für 340 Straßenkilometer zuständig sind, ist gefährlich. Im Durchschnitt stirbt in Nordrhein-Westfalen jedes Jahr ein Straßenwärter des Landesbetriebs NRW, 20 werden schwer verletzt.

Trainingsparcours schult Straßenwärter

Ein „Risiko-Parcours“, der unter anderem von der Unfallkasse NRW und dem NRW-Verkehrsministerium entwickelt wurde, soll die Straßenwärter im Praxistest für kritische Situationen schulen und persönliche Verhaltensmuster für mehr Sicherheit stärken. Die Idee kam, so Michael Höhne vom Landesbetrieb Straßen NRW, von den Straßenwärtern. Am Donnerstag machte der Parcours Station bei der Straßenmeisterei Münster an der Dyckburgstraße.

In fünf Stationen wird anhand von Filmen und Aufbauten getestet und geprobt: Wie groß muss die Lücke auf der Autobahn sein, damit der Straßenwärter gefahrlos über die Fahrbahn laufen kann, um verlorene Ladung oder Gegenstände einzusammeln oder wie man am besten über Leitplanken springt, um Gelenke und Rücken zu schonen. Oder: Wie schnell ist das Auto, dass hinter dem Lkw hervorschießt, geschätzt durch den Rückspiegel eines Lastwagens? Wie weit ist der Lkw entfernt? Das ist wichtig für Straßenwärter. „Entfernungen werden in der Regel überschätzt, Geschwindigkeiten meist unterschätzt“, weiß Michael Höhne aus Erfahrung. 278 Meter muss der Abstand zwischen zwei 100 Stundenkilometer schnellen Fahrzeugen mindestens betragen, damit ein Straßenwärter gefahrlos aus seinem Wagen aussteigen kann.

Für Autobahnen ist die Straßenmeisterei Münster zwar nicht zuständig. Aber mit der Umgehungsstraße, der B 64, dem Schifffahrter Damm und der Wolbecker Straße gibt es auch in Münster Verkehrsbrennpunkte. Da gilt es wachsam zu bleiben. Volker Quebe, Leiter der Straßenmeisterei Münster: „Wir wollen einfach, dass unsere Mitarbeiter für die Gefahren ihres Jobs sensibel bleiben.“

(Jürgen Grimmelt)


 


 

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