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  • 21.04.2015, 09:05 Uhr
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  • Münster / Brüssel
Streit in Brüssel

EU-Vertreter streiten um die Offenlegung von Versicherungsvermittler-Provisionen

Kurz vor der Sommerpause musste es ganz schnell gehen. Bundestag und Bundesrat diskutierten im vergangenen Juni kurz über das Lebensversicherungs-Reformgesetz, dann wurde abgestimmt. Ein entscheidender Passus fiel bei den Beratungen unter den Tisch – nämlich die Frage, ob Versicherer ihre Kunden bei Vertragsabschluss über die Provisionen aufklären müssen, die an den Vermittler fließen.

Dass es so kam, wie es gekommen ist, ist eifriger Lobby-Arbeit zu verdanken. Die Klauseln im Lebensversicherungs-Reformgesetz waren nach etlichen Verhandlungsrunden mit der Finanzbranche deutlich weicher formuliert als im ursprünglichen Entwurf.

Nun droht der Branche neues Ungemach – dieses Mal allerdings aus Brüssel. Vertreter von EU-Kommission, Europa-Parlament und Europa-Rat versuchen in diesen Tagen, sich im Rahmen der Trilog-Verhandlungen auf eine EU-Richtlinie für Versicherungsvermittler zu einigen. Spätestens im Juni sollen die Gespräche abgeschlossen sein.

Kein generelles Provisionsverbot

Im Mittelpunkt steht wiederum die Frage der Provisionen. Klar scheint bereits zu sein, dass sich die EU-Vertreter nicht zu einem generellen Provisionsverbot durchringen werden, wie es in einigen Ländern Europas bereits gang und gäbe ist. Dort werden die Vermittler direkt von den Kunden bezahlt – und nicht von den Unternehmen, die ihre Produkte an den Mann bringen wollen.

Geht es nach dem Willen der EU-Kommission, dann sollen Versicherungsvermittler künftig zumindest verpflichtet werden, ihre Kunden über die vereinbarten Provisionen aufzuklären. Der Europa-Rat – also die Vertretung der 28 EU-Länder – möchte eine solche Klausel lieber verhindern, berichten Beobachter der Verhandlungen in Brüssel. Zum Zünglein an der Waage könnte damit das Europa-Parlament in Straßburg werden.

Verbraucherschützer für Offenlegung der Provisionen

Aus Sicht von Verbraucherschützern wäre die Neuregelung nur ein erster Schritt. „Durch die Offenlegung der Provisionen würde zumindest der Interessenkonflikt der Vermittler deutlich werden“, sagt der Vorsitzende des Bundes der Versicherten (BDV), Axel Kleinlein. Vollständige Transparenz wäre damit jedoch nicht geschaffen, gibt der Fachmann zu bedenken. „Schließlich sind die Abschlusskosten einer Versicherung nicht identisch mit der Provision.“ Faktisch verdient nämlich nicht nur der Vermittler, sondern auch das Finanzunternehmen beim Abschluss einer Versicherungspolice mit – konkret also die jeweilige Bank oder Versicherung.

Findige Kunden können ihren Lebensversicherungspolicen schon heute einen Hinweis auf die darin enthaltenen Nebenkosten entnehmen. Seit Jahresbeginn sind die Unternehmen in Deutschland verpflichtet, im Kleingedruckten ihre Effektivkosten auszuweisen. Da die Versicherer jedoch unterschiedliche Rechenmethoden anwenden dürfen, seien die Abschlusskosten bei Lebens- und Rentenversicherungen noch immer nicht vergleichbar, kritisiert Verbraucherschützer Kleinlein. „Da gibt es durchaus gute Tricks.“

Provisionen und Abschlusskosten sind in der Versicherungsbranche ohnehin ein heikles Thema. Laut BDV beträgt die Provision einer Lebensversicherung je nach Vertriebsweg zwischen drei und fünf Prozent der Versicherungssumme. Angesichts der niedrigen Zinsen und eines wachsenden Sparzwangs verhandeln die Gesellschaften mit ihren Vertrieblern deshalb über entsprechende Kürzungen.

(Andreas Fier, WN)


 


 

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