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  • 11.02.2015, 09:26 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Streitbare Bankier

Ludwig Poullain prägte über Jahre maßgeblich das deutsche Sparkassenwesen

Bis zuletzt waren sein Rat und Sachverstand gefragt, seine frei geäußerte Meinung und treffsichere Kritik gefürchtet. Ludwig Poullain, der am Dienstag im Alter von 95 Jahren in seinem Haus am münsterischen Aasee gestorben ist, gehörte lange zu den einflussreichsten und angesehensten Managern im deutschen Bankgewerbe und zu den prominentesten Münsteranern.

Als erster Vorstandsvorsitzender der von ihm mit begründeten Westdeutschen Landesbank (WestLB, 1969 - 1977) und Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (1967 - 1972) beeinflusste er intensiv die Entwicklung der deutschen Banken- und Sparkassenlandschaft. Er setzte Akzente im münsterischen Stadtbild und erhob noch kürzlich seine Stimme, als er eine politische Einmischung beim umstrittenen Kunstverkauf der Portigon AG forderte. Poullain war am Aufbau der millionenschweren Kunstsammlung maßgeblich beteiligt gewesen.

Ludwig Poullain gehörte zu den markanten Führungspersönlichkeiten des deutschen Kreditwesens. Er hat durch sein Wirken Ende der 60er Jahre vor allem die Entwicklung der Sparkassen zu marktorientierten Kreditinstituten wesentlich vorangetrieben“, sagte am Dienstag Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. „Ludwig Poullain hat für seine Überzeugungen gelebt und immer klar und deutlich Stellung bezogen.“

Ludwig Poullain - sein Lebens- und Berufsweg

Die Karriere des Bankiers, der 1919 in Lüttringhausen als Sohn eines Bäckermeisters zur Welt kam, begann mit der Sparkassenlehre in der Heimatstadt. 1939 wurde er Soldat. „Unglaubliche Tugenden habe ich erlebt. Und sie haben alle ins Unglück geführt“, beschrieb Poullain im Oktober bei einem Podiumsgespräch diese Zeit.

Als Oberleutnant kehrte Poullain aus dem Zweiten Weltkrieg zurück, wurde 1950 Verbandsprüfer beim Rheinischen Sparkassen- und Giroverband. Solingen und Recklinghausen waren weitere Stationen. 1964 wechselte er zur Landesbank für Westfalen Girozentrale, deren Generaldirektion er 1966 übernahm. 1969 formte Poullain aus dieser Landesbank und der Rheinischen Girozentrale und Provinzialbank in Düsseldorf die WestLB. Der Bankier übernahm als Vorstandsvorsitzender selbst die Leitung und baute die Gruppe zum größten öffentlich rechtlichen Kreditinstitut in Deutschland um.

„Das Entscheidendste, was ich bewirkt habe, war die Umstülpung der Sparkassenorganisation, die ich als Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes in den Wettbewerb gejagt habe. Weg vom Beamtentum. Das Experiment ist voll gelungen, wenn man sich die Wettbewerbsfähigkeit der modernen Sparkassen heute ansieht“, blickte Poullain später zurück.

Seinen Rücktritt vom Vorstandsvorsitz der WestLB aufgrund eines umstrittenen Beratervertrags im Jahr 1977 („ein Fehler“) lastete der Bankier auch der Politik an. Der damalige Ministerpräsident Heinz Kühn (SPD) hatte ihn aufgefordert, seine Kritik an der Wirtschaftspolitik Helmut Schmidts zu unterlassen. Ein Ansinnen, das Poullain ablehnte.

Ähnlich ging er auch 2004 vor, als er eine Rede zur Verabschiedung des Chefs der Norddeutschen Landesbank, Manfred Bodin, über „Bank und Ethos“ um kritische Passagen am deutschen Bankenwesen kürzen sollte. Als „Ungehaltene Rede eines ungehaltenen Mannes“ erschien sie darauf hin ungekürzt in der FAZ.

„Deutsche Kreditwirtschaft verliert einen klugen Ratgeber“

„Der deutschen Kreditwirtschaft geht mit ihm ein kluger Ratgeber, ein streitbarer Geist und Bankier von bestem Schrot und Korn verloren“, sagte am Dienstag Rolf Gerlach, Präsident des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe. Poullain habe stets Weitblick gezeigt und den Mut gehabt, Veränderungen beherzt anzupacken.

„Münster hat ihm und seinem Wirken als führender Bankier viel zu verdanken, nicht zuletzt auf kulturellem Gebiet. Sein Andenken bewahren wir auch in vielen wertvollen Skulpturen, die heute Münsters Stadtbild prägen“, erklärte Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe.

(Wolfgang Kleideiter, WN)


 


 

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