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  • 24.06.2015, 09:26 Uhr
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  • Münster / Münsterland
System der langen Wellen

Experte rügt beim Tag der Steuerberaterkammer Westfalen-Lippe altes Denken

Erik Händeler geht in die Offensive. „Menschen werden in 30 oder 50 Jahren über unsere Bilder, die wir heute von der Zukunft haben, lachen.“ Eine rein lineare Fortschreibung von wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Entwicklungen auf einer Zeitachse ins Morgen sei schlichtweg falsch.

Von „Prognosefehlern“ spricht der Zukunftsforscher, Buchautor und mehrfach ausgezeichnete Experte für die Kondratieff-Theorie der langen Strukturzyklen im abgedunkelten Kongresssaal der Halle Münsterland. „Wie kommen wir eigentlich dazu, zu glauben, dass ...“, stellt er Voraussagen mancher Institute misstrauisch auf den Prüfstand.

Dass Händeler beim Tag der Steuerberaterkammer Westfalen-Lippe spricht, macht Sinn. Berater müssen heute nicht mehr nur das reine Zahlenwerk in den Blick nehmen, sondern sich auch immer stärker mit Fragen der Unternehmenskultur ihrer Mandanten befassen. Und diese ist deutlich erkennbar im Wandel. Statusfragen, Wichtigtuerei, Kompetenzgerangel – all dies hat aus Sicht von Händeler in der Wirtschaft der Wissensgesellschaft keinen Platz mehr. Kooperationsfähigkeit gehört zu den zentralen Tugenden. Start-ups unterscheiden sich hier nicht grundsätzlich von angestammten Mittelständlern: „Der Geist weht, wo er will.“

Auf und Ab der Wirtschaft als System der langen Wellen

Die Theorie des russischen Ökonomen Nikolai Kondratieff, der vor über 75 Jahren im Gulag von Stalinisten exekutiert wurde, beschreibt das Auf und Ab der Wirtschaft mit einem System der langen Wellen. Erik Händeler hat sich so intensiv damit befasst, dass die Russische Akademie der Wissenschaften in Moskau ihn 2011 auszeichnete.

Für Händeler steht die Welt heute vor der Herausforderung, das unendlich verfügbare Wissen mit Sinn einzusetzen. Die bisherige Produktivität erhalte dadurch eine neue Quelle. „Ich muss wissen, wo die Lösung für ein Problem zu finden ist.“ Für Händeler wird in der Arbeitswelt der Zukunft 80 Prozent der Zeit darauf verwandt werden, zu lesen, zu lernen und auf dem jeweils aktuellen Stand zu bleiben. „Entscheidend wird die Fähigkeit sein, mit Wissen umzugehen.“ Das Sozialverhalten wird der eigentliche Wachstumsmotor.

(Wolfgang Kleideiter, WN)


 


 

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