Weitere Artikel
  • 08.08.2013, 14:01 Uhr
  • |
  • Münster & Münsterland
Tagespflege mit Familienanschluss

"Ich liebe meinen Job und die Kinder"

Stichtag 1. August 2013. Es ist der Tag, ab dem für Ein- bis Dreijährige der Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Kindertageseinrichtung greift. Ein markanter Tag für Eltern und Jugendamt gleichermaßen.

Rund um den Stichtag stellen wir in einer kleinen Serie die unterschiedlichen Möglichkeiten der Unterbringung in einer Tagespflege vor, die das Amt für Kinder, Jugendliche und Familien unterstützt. Heute: Tagesmutter Lisa Langenfeld.

Lisa Langenfeld ist 25 Jahre jung und schon eine erfahrene Tagesmutter. Die gelernte Kauffrau im Groß- und Außenhandel hat 2010 aus persönlichen Gründen umgesattelt und kümmert sich seither als Selbstständige liebevoll um die ihr anvertrauten Schützlinge. Ein Naturtalent, hat sie doch schon als Schülerin immer gerne auf Nachbarskinder aufgepasst.

Im Bauernhof ihres Partners Josef Schlüppmann am Rand der Rieselfelder hat sie für maximal fünf unter Dreijährige ein kleines Paradies geschaffen. Mit Jack Russel Petey und Schafen, mit Wald, Wiese und Spielplatz direkt am Hof. Eine Betreuung mit Familienanschluss, denn nicht nur Hausherr Josef sondern auch seine Eltern gleich nebenan pflegen einen herzlichen Kontakt zu den Kleinen.

Kinderfreie Zone ist in der Woche zwischen 7.30 und 15.15 Uhr (an zwei Tagen bis 16.30 Uhr) auf dem Hof Schlüppmann in Sprakel nicht angesagt. Die kleinen Strolche wuseln durch Haus und Hof, nehmen in der offenen Küche an einem Mini-Tisch zum Frühstück und Mittagessen Platz oder verabschieden sich in einem kuscheligen Schlafraum ins Land der Träume. Meistens jedenfalls. Oder sie denken an den aufregenden Ausflug in den Zoo. "Wand Wassa", fasst Pierre seine Eindrücke präzise zusammen. Die plantschenden Dickhäuter im neuen Elefantenpark haben es dem aufgeweckten Zweijährigen angetan.

Mit Hund und Schaf auf der Wiese und im Wald

Auf dem schattigen Spielplatz am Haus geht es lebhaft zu. Da poltert auch schon mal ein Bausteine-Turm zu Boden. "Oooh, Turm paputt." Pierre hat Tammo (fast zwei) und die fast dreijährige Janna in Verdacht. "Macht nichts", tröstet Lisa Langenfeld. Gemeinsam wird der Turm wieder aufgestapelt. Und wieder, und wieder, und wieder. "Auch wenn es Momente gibt, wo die Puste ausgeht, ich liebe meinen Job und die Kinder", lacht die sympathische Frau. Wie die Rückmeldung von Kindern, Eltern und Großeltern zeigt, beruht die Zuneigung auf Gegenseitigkeit.

Doch es gibt auch traurige Momente. Vor allem wenn der Tag des Abschieds naht. Dann können Tränen auf allen Seiten fließen. Die Dreijährigen wechseln in den Kindergarten und machen Platz für andere Knirpse. 25 Namen stehen aktuell bei Langenfeld auf der Warteliste.

Bevor sie sich als Tagesmutter auf eigene berufliche Füße stellen konnte, hat sie nach Vorgabe des Jugendamtes verschiedene Stationen der Qualifizierung auf dem Weg zur Pflegeerlaubnis durchlaufen. Vorbereitungskurs, Grundkurs, Erste-Hilfe-Kurs. Und ein Jahreskurs bei der Volkshochschule zur Fortbildung aktiver Tageseltern mit dem Abschluss-Zertifikat "Qualifizierte Tagespflegeperson". Weiter stehen ein monatlicher Begleitkurs, eine jährliche Fachtagung und ein regelmäßiges Treffen der Tagesmütter auf der Agenda. Fehlt noch die Überprüfung der persönlichen Eignung und Räume bei einem Hausbesuch.

Beratung durch das Jugendamt

Die Stadt unterstützt die Tagesmütter - neben der Beratung, Qualifizierung und Vermittlung - mit einer Haftpflichtversicherung, der Hälfte der Kosten für Krankenkasse und Rentenversicherung. Die Pflegeerlaubnis garantiert über die Landesunfallversicherung eine Absicherung der betreuten Kinder. Zudem stellt das Jugendamt notwendige Ausstattung (Geschwisterwagen, Hochstuhl, Autositz und Reisebett) bereit. Für das weitere Rüstzeug wie Spielzeug, Geschirr oder Bettwäsche sorgt die Tagesmutter.

Darüber hinaus werden ihr eine Muster-Betreuungsvereinbarung und Arbeitsmaterialien zur Verfügung gestellt. "Die Betreuung der Kleinsten durch Tagesmütter hat sich in Münster als gleichberechtigte Alternative zur Kita entwickelt", sagt Oliver Heintze, Fachstellenleiter Tagespflege im Jugendamt. 420 Frauen (und drei Männer) gehen in Münster diesen Weg.

Je nach Qualifizierung zahlt das Jugendamt zwischen 2 Euro und 4,20 Euro pro Kind und Stunde. Es erhebt Elternbeiträge, die sich nach dem Bruttojahreseinkommen beider leiblicher Eltern, den wöchentlichen Betreuungsstunden und dem Alter des Kindes richten. Mit den Beiträgen werden etwa 27 Prozent der Kosten des Jugendamtes refinanziert.

Ab dem 1. August kann die Tagesmutter mit den Eltern einen Kostenzuschuss zur Verpflegung ausmachen. Das Jugendamt empfiehlt maximal 3,80 Euro pro Kind und Tag. Was die Eltern letztlich bezahlen, ist eine Frage der Absprache. Für die Eltern sollten die Kosten in der Kindertagespflege nicht höher sein als in einer Kindertageseinrichtung. Ob ein Kind bei Lisa Langenfeld bleiben kann, darüber entscheidet in erster Linie die Sympathie. Vor einer Eingewöhnungsphase gibt es ein sogenanntes Erstgespräch mit den Eltern. Rund vier Wochen vor Berufseintritt beginnt die Eingewöhnung. "Es muss einfach passen, auch mit den Eltern", so Langenfeld. Im Normalfall funktioniert das.

Mit der städtischen Beratungsstelle für Kindertagespflege (16 Berater) und dem Verein Münsteraner Tageseltern e. V., der Infoveranstaltungen anbietet, stehen Eltern und Tagesmüttern zwei praxiserfahrene Partner zur Seite. Das Jugendamt vermittelt Tagespflegeangebote in den Stadtteilen, informiert und berät ausführlich zu finanziellen, rechtlichen und pädagogischen Aspekten (Erstberatung) und steht später bei Fragen und Schwierigkeiten zur Seite.

(Redaktion)


 


 

Münsteraner Tageseltern e. V.
Beratungsstelle für Kindertagespflege
Eltern
Jugendamt
Kind
Tageseltern
Langenfeld
Dreijährigen
Kindertagespflege
Qualifizierung
Tagesmütter

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Münsteraner Tageseltern e. V." - jetzt Suche starten:

Entdecken Sie business-on.de: