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  • 24.04.2014, 09:05 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Taxi-Branche

Macht der Mindestlohn die Taxifahrt zum Luxusgut?

Roland Böhm bringt die Lage auf den Punkt: „Wir sind im Schwebezustand“, sagt der Taxiunternehmer aus Münster, der Mitglied im Vorstand des Branchenverbands BZP ist. Durch den Mindestlohn von 8,50 Euro, der zum 1. Januar 2015 kommen soll, befürchtet er einen völligen Strukturwandel.

Bislang erhalten Taxifahrer im Westen 6,50 Euro. Einem vom Deutschen Taxi- und Mietwagenverband in Auftrag gegebenen Gutachten zufolge müssten bei einem Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro die Kosten für Taxi-Fahrten um rund 20 bis 25 Prozent steigen.

Doch das geht nicht so einfach: Während andere Branchen Lohnerhöhungen für die eigenen Mitarbeiter direkt über Preisanhebungen an ihre Kunden weitergeben können, ist dies für die Taxis in Deutschland nicht möglich. Die Tarife für Beförderungsleistungen werden von den Kommunen festgelegt – in einem komplizierten Verfahren. In rund 800 Genehmigungsgebieten müssen sie nun neu ausgehandelt werden. Besonders auf dem Land haben Taxis schon die Funktion des öffentlichen Nahverkehrs inne und übernehmen zahlreiche Auftragsfahrten. Daher plädiert der BZP in einer Stellungnahme für eine Überbrückungsfrist von mindestens zwei Jahren, um die Änderungen umzusetzen.

Strukturwandel durch Mindestlohn befürchtet

Auch aus anderen Gründen befürchten die Taxiunternehmen durch den Mindestlohn einen Strukturwandel. Die Anhebung des Lohns wird zum Wechsel von bisherigen angestellten Fahrern, die traditionell auf der Basis von Umsatz entlohnt werden, zu mehrheitlich selbstfahrenden Taxiunternehmern führen, ist der Verband BZP überzeugt. Denn entsprechende Erfahrungen wurden nach der Einführung eines Mindestlohns in den Niederlanden gemacht. BZP-Präsident Michael Müller fordert auch, dass öffentliche Auftraggeber bei der Vergabe von Fahrten entsprechende Mindestlöhne berücksichtigen: „Es kann nicht sein, dass wir 8,50 Euro zahlen, bei öffentlichen Ausschreibungen aber derjenige gewinnt, der mit seinem Angebot deutlich unter diesem Stundenlohn liegt.

Die Branche macht nach Angaben von Müller bundesweit mit rund 55.000 Taxis einen Jahresumsatz von etwa 3,0 Milliarden . Beim Mindestlohn von 8,50 Euro müsste der Jahresumsatz um 750 Millionen steigen.

(Claudia Kramer-Santel)


 


 

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