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  • 10.07.2014, 10:04 Uhr
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  • Havixbeck / Münsterland
Teilhabegesetz

Die Region als Vorbild

Ob die Mitarbeiter irgendwann den Weg in den regulären Arbeitsmarkt finden, ist ungewiss. Fest steht aber, dass alle Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben partizipieren sollen. Im Stift Tilbeck trafen sich Politiker zum Gespräch.

Die zwei Mädels bedienen eine einzigartige Maschine, die Gruppenleiter Till lächelnd als „Omas aufgemotzten Fleischwolf“ vorstellt. In dieser Werkstatt des Stifts Tilbeck machen 13 Menschen mit Behinderungen „Knete zu Knete“. Sie wiegen die grauen Gummiwürste ab, bis die Waage grünes Licht gibt, und verpacken die Portionen dann, die als Abdichtmasse in den Handel gehen.

Ob die Mitarbeiter irgendwann den Weg in den regulären Arbeitsmarkt finden, ist ungewiss. Fest steht aber, dass alle Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben partizipieren sollen. Das soll das Bundesteilhabegesetz sicherstellen. Karl Schiewerling (CDU, Mitglied des Bundestags) lud Mitglieder des Bundestages ins Münsterland ein, denn die „Dichte“ an spezifischen Einrichtungen sei „hier besonders hoch“, lobte er gestern bei seinem Besuch im Stift Tilbeck: „Sie prägt auch die Kultur unserer Region.“ Vor Ort trafen sich die Politiker zum Gespräch.

Ziel ist die Verabschiedung des Gesetzes bis Mitte 2016

Denn bis Ende März 2015 soll der Referentenentwurf zum Teilhabegesetz vorliegen. „Klare Zielsetzung ist es, das Gesetz bis Mitte 2016 zu verabschieden“, hob LWL-Direktor Matthias Löb hervor. Als Kommunalverband ist der LWL einer der größten deutschen Eingliederungshilfezahler. Haut die Zielsetzung hin, könnten die Kommunen bereits 2017 finanziell entlastet werden – nicht erst in der kommenden Legislaturperiode, wie des Öfteren von Bundesfinanzminister Schäuble postuliert wurde. Bundesweit geht es um fünf Milliarden Euro jährlich. Davon würden 500 Millionen dem LWL zufallen, schätzt der Verband. Unter den stetig steigenden Kosten für Integration und Betreuung ächzen die Kommunen. Überdies wollen die Politiker eruieren, wer noch als Kostenträger verantwortlich ist – zum Beispiel Kranken- und Pflegekassen.

Auch inhaltlich wird das Gesetz die Politiker vor eine Herausforderung stellen: Wo hört die psychische Erkrankung auf, wann fängt eine Behinderung an? Welche Einrichtung kümmert sich um Menschen mit schweren Behinderungen, welche um Menschen, die leicht in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden können? Wie funktioniert Inklusion im Job und in der Schule? 90 Prozent der Jugendlichen, die von der Förderschule abgehen, finden keinen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt.

Gemeinsam mit dem Regierungspräsidenten Prof. Dr. Reinhard Klenke und LWL-Direktor Löb informierte Bernward Jacobs, Geschäftsführer der Stift Tilbeck GmbH, die Mitglieder des Bundestages über die Besonderheiten der Einrichtung, an der 720 Mitarbeiter beschäftigt sind. Großes Thema war am Mittwoch auch die Inklusion an Schulen und die Herausforderungen, die diese mit sich bringt. Immer mit Blick auf die Menschen und der Hoffnung, dass sie mit ihrer Ausbildung später eigenständig „Knete“ machen können.

(Andrea Bracht, WN)


 


 

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