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  • 18.02.2015, 09:17 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Tonnenweise Backwaren im Müll

Fachhochschule Münster sucht nach Lösungen gegen die Brot-Verschwendung

Brot und Backwaren landen in Münster massenhaft im Müll, im Tierfutter oder in Biogasanlagen, weil sie nicht verkauft werden konnten. Auf 2,7 Tonnen summiert sich Woche für Woche der „Lebensmittelverlust“ bei jedem der acht Bäckerei-Unternehmen, die sich an einer Studie der Fachhochschule (FH) Münster beteiligt haben. „Würden diese Backwaren verkauft, wäre das ein Umsatz von 15.700 Euro“, haben Prof. Dr. Guido Ritter und seine Mitarbeiter ausgerechnet.

Dass Lebensmittel auf dem Müll landen, ist angesichts der Not, die an anderen Stellen der Welt herrscht, auch in einer Überflussgesellschaft nur schwer zu akzeptieren. Mit Unterstützung des NRW-Umweltministeriums hat das Institut für nachhaltige Ernährung und Ernährungswirtschaft der FH daher in zweijähriger Arbeit ein Konzept entwickelt, mit dem die Lebensmittelabfälle bei Brot und Backwaren reduziert werden sollen. Es richtet sich nicht nur an die Betriebe und den Handel, sondern auch an die Verbraucher.

Denn die tragen eine Mitverantwortung dafür, dass in Deutschland jedes Jahr elf Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet werden, sagt Ritter: Kunden wollen aus vielen Produkten auswählen, die jederzeit verfügbar sind – und dafür nur wenig bezahlen. Die Reaktion des Handels: Er produziert oft mehr, als er absetzen kann, zu einer Qualität, die nicht überzeugt. Begründung: „Der Kunde will das.“ Folge ist, was der Kunde sicherlich nicht will: Die Überproduktion muss entsorgt werden.

Teils simple Maßnahmen gegen die Verschwendung möglich

Die Wissenschaftler machten sich daher daran, die Produktions-, Planungs- und Verkaufsprozesse in den acht Unternehmen, die an der Studie teilnahmen, zu untersuchen – und Alternativen zu entwickeln. Die fielen zum Teil ganz simpel aus. Bei einem Bäcker landeten viele Körner auf dem Boden. Jetzt fängt ein Trichter die Körner auf, und sie können erneut verwendet werden. Das Team um Ritter schlug zudem vor, dass die Unternehmer mehr auf Mitarbeiter in den Filialen hören sollten: „Sie wissen am besten, was wann und wo verkauft wird.“ Bedarfsgerechtes Angebot statt Überproduktion: Auch so werde der Lebensmittelverlust reduziert.

Auch die Verbraucher sind gefordert

Zwischen sieben und 17 Prozent lag er zu Beginn der Studie. Viele Vorschläge der Wissenschaftler seien noch während der laufenden Studie umgesetzt worden, sagt Ritter. Der Lebensmittelverlust sei inzwischen deutlich niedriger. Wenn sich auch noch die Verbraucher mit Brot zufriedengeben, das nicht perfekt rund ist oder einen Tag zuvor gebacken wurde – dann sei sicherlich noch nicht alles gut, aber zumindest einiges deutlich besser als bisher.

(Martin Kalitschke, WN)


 


 

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