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  • 25.09.2012, 09:11 Uhr
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  • Greven/Burladingen
Trigema

Unternehmer ohne Schleudersitz

Der Trigema-Chef Wolfgang Grupp lobt den Standort Deutschland und fordert: Entscheider müssen haften.

Er ist wohl das bekannteste Gesicht der deutschen Textilindustrie – vielleicht abgesehen von dem Affen mit der roten Brille, der für seine Marke Trigema Reklame macht: Wolfgang Grupp. Gestern hielt der 70-Jährige die Festrede beim 125.-Jährigen der Grevener Hermann Biederlack GmbH + Co. KG. Unser Redaktionsmitglied Martin Ellerich sprach mit ihm über den Standort Deutschland und die Haftung des Unternehmers.

Sie werben damit, dass Sie ausschließlich in Deutschland produzieren. Wie bekommt man das hin? Die meisten anderen Textiler sind ins Ausland gegangen.

Wolfgang Grupp: Nennen Sie mir einen in der Strick- und Wirkwarenbranche, dem es besser geht, seit er seine Arbeitsplätze verlagert hat. Ich kenne keinen; aber ich kenne viele, die von der Bildfläche verschwunden sind. Der Standort Deutschland ist gut. In einem Hochlohnland darf ich keine Massenware, sondern ich muss hochwertige innovative Produkte herstellen.

Aber die Löhne in Bangladesch oder China sind doch viel billiger ...

Wolfgang Grupp: Es geht nicht nur um den Lohn . Ich brauche gute Mitarbeiter, die mitdenken. Sie müssen mit mir die Probleme lösen, sehr flexibel sein und vor allem die Qualität garantieren können. Solche Mitarbeiter muss ich dann auch angemessen bezahlen. Unsere Kunden bezahlen ja auch einen höheren Preis, sofern sie ein entsprechendes Qualitätsprodukt bekommen.

Es gibt viele Klagen über Bürokratie und Umweltauflagen in Deutschland ...

Wolfgang Grupp: Natürlich haben wir einige Auflagen. Aber wenn ich Arbeitsplätze schaffen wollte, wurde ich noch nie durch Bürokratie daran gehindert. Wir müssen hier in Deutschland vor allem die vielen Vorteile nutzen und nicht immer über wenigen Nachteile klagen!

Was sind die drei größten Vorteile Deutschlands?

Wolfgang Grupp: Wir haben gut ausgebildete Mitarbeiter. Alle führenden Positionen sind mit ehemaligen Lehrlingen von uns besetzt. Sie kennen unsere Schwächen und vor allem unsere Stärken. Zudem haben wir eine gute In­frastruktur in Deutschland, und unsere Binnenkonjunktur ist gut.

Sie führen Ihren Betrieb als „eingetragener Kaufmann“: Sie haften bis zum letzten Euro mit Ihrem Privatvermögen. Ist das nicht leichtsinnig?

Wolfgang Grupp: Nein. Wenn ich dem Größenwahn verfallen würde, dann muss ich auch als Erster dafür gerade stehen und nicht der Steuerzahler! Wenn mein Hubschrauberpilot bei schlechtem Wetter sagen würde: „Kein Problem, wir können fliegen.“ Und er hätte einen Schleudersitz, dann würde ich sicher nicht einsteigen. Da er aber, so wie ich, keinen Schleudersitz hat, vertraue ich ihm und steige ein. Allerdings stört mich die Nichthaftung der meisten Entscheidungsträger. Wir brauchen die Haftung der Entscheidungsträger zurück, so wie es im Wirtschaftswunder war!

Was sagen Sie dann zu den millionenschweren Managergehältern. Manager haften doch auch nicht?

Wolfgang Grupp: Das ist im Prinzip Sache der Aktionäre: Wenn ein Manager gut arbeitet, muss er auch gut verdienen. Im Prinzip haben wir keine Neidgesellschaft in Deutschland, sondern eine Gerechtigkeitsgesellschaft. Nur sehe auch ich nicht ein, dass ich konstant für Größenwahnentscheidungen anderer mit meiner Steuer hafte!

Sie haben 1200 Angestellte  ...

Wolfgang Grupp: Ja, wir haben 1.200 Mitarbeiter und nur 87 Millionen €  Umsatz! Dies ist bewusst, weil ich nicht konstant die Stückzahl erhöhe, sondern die Fertigungstiefe erhöht habe. Wir haben 78 Prozent Wertschöpfung im Unternehmen.

Sie verkaufen auch selbst in Ihren eigenen Läden.

Wolfgang Grupp: Ja, wir mussten einen Teil der Handelsfunktion übernehmen, weil unsere Kunden, die ehemaligen Kaufhaus- und Versandhauskönige, im Prinzip versagt haben. Sie haben auf billig und Masse gesetzt, und dies ist in einem Hochlohnland sicher falsch.

Sie hören sicher Klagen über Fachkräftemangel. Haben Sie da Probleme?

Wolfgang Grupp: Wir haben bis heute noch keine Probleme. Aber viele Unternehmen sind selbst schuld: Vor zehn Jahren wurden zum Beispiel noch öfter Ingenieure in den Vorruhestand geschickt. Dann haben sich deren Kinder sicher überlegt, ob sie Ingenieur wer­den sollen, wenn der Vater mit Anfang 50 im Ruhestand sitzt. Ebenso war es mit der Lehrlingsausbildung. Hier wurde geklagt, dass sie zu teuer sei. Wir bilden konstant aus, da wir wissen, dass andere für uns nicht ausbilden. Wer gute Leute haben will, muss sie auch selbst ausbilden, denn sonst bekommt er nur die, die die anderen nicht brauchen können!

Was ist Ihre Personalstrategie?

Wolfgang Grupp: Bei uns werden die jungen Leute nach der Schule mit 15 eingestellt und wissen, dass, wenn sie keine großen Fehler machen, der Arbeitsplatz bis 65 gesichert ist. Unser Garagenmeister ist 49 Jahre im Unternehmen; seine Tochter ist Chefsekretärin und schon fast 20 Jahre im Unternehmen. Hier habe ich auch eine Verantwortung, denn solche treuen Mitarbeiter kann ich nicht in die Arbeitslosigkeit schicken, weil ich versagt oder den Wandel der Zeit nicht erkannt habe.

Der bebrillte Affe ist wahrscheinlich bekannter als Sie. Sind Sie da neidisch?

Wolfgang Grupp: (lacht) Das freut mich, denn Trigema wirbt mit dem Affen. Je bekannter der Affe ist, desto mehr Werbung macht er für uns.

(Martin Ellerich)


 


 

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