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  • 13.06.2013, 09:26 Uhr
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  • Münsterland
Umsatzrekord

Westfleisch verzeichnet Erfolgreiches Jahr 2012

Im Umsatz erfolgreicher denn je blickt Westfleisch auf ein Geschäftsjahr zurück. Die genossenschaftliche Unternehmensgruppe mit Sitz in Münster hat in 2012 mehr Fleisch produziert und exportiert als je zuvor - und das entgegen dem Trend in der Fleischbranche.

Der Umsatz des nachhaltig produzierenden Fleischvermarkters ist im vorigen Jahr auf den Rekordwert von 2,475 Milliarden Euro (+ 12,1 % im Vergleich zum Vorjahr) gestiegen. „Nicht ohne Befriedigung stellen wir fest: Westfleisch konnte sich 2012 im Wettbewerb behaupten“, sagte Dr. Helfried Giesen, Sprecher des Vorstands auf der Generalversammlung am 12. Juni 2013 in Münster. Für das preisgetriebene Rekordergebnis sei aber auch „das bis dahin noch nie dagewesene hohe Beschaffungsniveau für Schlachtvieh verantwortlich“, erläuterte Giesen.

Klares Bekenntnis zur Landwirtschaft

Westfleisch ist der drittgrößte deutsche Fleischvermarkter und rangiert in Europa unter den Top 5 Unternehmen der Branche. Künftig wird Westfleisch noch deutlicher die nachhaltige Erzeugung und die unmittelbare Herkunft des Fleisches aus der Landwirtschaft herausstellen: In Deutschland wirbt der Vermarkter künftig mit dem Begriff „Westfleisch - Direkt von Bauern“. Denn die Eigentümer der Westfleisch eG sind rund 3.500 Landwirte in Nordwestdeutschland. Über spezielle Kooperationsverträge sichern sie die Verfügbarkeit für den Rekord-Fleischabsatz ihres Unternehmens im Geschäftsjahr 2012 von 888.000 Tonnen (+ 0,6 %).

Absatz und Umsatz gewachsen

Wie leistungsfähig Westfleisch ist, das hat die Unternehmensgruppe im Geschäftsjahr 2012 bewiesen. Carsten Schruck, geschäftsführendes Vorstandsmitglied, unterstrich vor den Mitgliedern in der Halle Münsterland, dass das gegen den Branchentrend gezeigte Wachstum und das im Vergleich zum guten Vorjahr befriedigende Bilanzergebnis durchaus bemerkenswert sei. Für Schweine- und Bullenmäster war es ein gutes Jahr, die Erzeugerpreise lagen im Jahresmittel um 11,8 % über den Vorjahreswerten. Westfleisch erreichte mit 7,3 Mio. Schlachtschweinen (+2,3 %) eine neue Höchstmarke.

Branchentrend nach 15 Jahren gebrochen

Nach eineinhalb Jahrzehnten ununterbrochenem Wachstum in der Schweineschlachtung sank im vorigen Jahr erstmals seit 1997 in Deutschland Zahl der gewerblichen Schlachtungen, die erzeugte Fleischmenge ging im Vorjahresvergleich um 159.500 Tonnen (- 1,9 %) auf 8,04 Mio. Tonnen zurück. Dagegen registrierte Westfleisch in 2012 bei Schweinefleisch mit 544.400 Tonnen einen Zuwachs von + 6,1 %; bei Rindfleisch lag der Zuwachs auf 126.000 Tonnen sogar bei + 9,3 %.

Auch wenn die Grillsaison im Sommer 2012 fast ins Wasser fiel, wuchs besonders der Absatz von SB-Fleisch und Convenience-Produkten bei den Tochterunternehmen WestfalenLand und IceHouse um 8 %, der Umsatz beider Veredelungstöchter stieg um 22 % auf 434 Mio. Euro. Am mit einem 15 Mio. Euro Invest erweiterten Standort in Münster können jetzt bis zu 3.000 Tonnen Fleisch pro Woche verarbeitet und verpackt werden.

Export bleibt Umsatztreiber

Westfleisch konnte auch seine Ausfuhren gegen den Branchentrend steigern: Insgesamt wurden konzernweit über 385.800 Tonnen Fleisch (2011: 373.200 Tonnen; + 3,4 %) von Westfleisch ins Ausland verkauft. „Der Export bleibt einer der Umsatztreiber“, stellte Giesen im Bericht des Vorstands heraus. In 2012 wurden von Westfleisch insgesamt 280.000 Tonnen Fleisch in die EU (+ 2,1 %) und 105.800 Tonnen in Drittländer (+ 6,9 %) abgesetzt. „Der Export bleibt ein wichtiges Absatzventil für die deutsche Fleischwirtschaft“, betonte der Westfleisch-Vorstandschef. Denn der Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch ist in Deutschland auf 59,5 kg (Vj. 61,2 kg) zurückgegangen – ein Trend, der aus demographischen Gründen und aktuellem Zeitgeist vermutlich anhält.

Der Export bei Westfleisch wurde um 14,4 % gesteigert und hat damit eine Quote von 33,4 % beim Wert und auf 42,2 % in der Menge. Giesen unterstrich die Bedeutung des Exports: „Wer erfolgreich im Markt bleiben will, ist zwingend auf den Export angewiesen.“ Die notwendige Ausfuhr von Fleisch sichere den Ertrag der genossenschaftlichen Unternehmensgruppe und damit auch die heimischen Erzeuger ab.

Größter Ferkelvermarkter Deutschlands

Beim Handel mit Mastferkeln wurde mit knapp 2,1 Mio. Tieren ein Zuwachs von 8,3 % realisiert und die Position als führender deutscher Ferkelvermarkter gefestigt. Westfleisch hat sich seit vielen Jahren auf die Vermittlung größerer Ferkelpartien aus der Region („Westfalenpass“) mit einem gesicherten einheitlichen Gesundheitsstatus spezialisiert.

30 Millionen Euro investiert

Die Westfleisch-Unternehmensgruppe investierte im vergangenen Geschäftsjahr über 30 Mio. Euro, unter anderem für den Ausbau der Klassifizierung (AutoFOM-III), in den weiteren Ausbau der Veredelungstochterunternehmen WestfalenLand und IceHouse TK-Convenience in Münster sowie in einen hochmodernen Verarbeitungsbetrieb in Rumänien. Im laufenden Jahr 2013 stehen wiederum rund 30 Mio. Euro auf dem Investitionsplan. So entstehen im TK-Lager ColdStore in Hamm 5.000 weitere Palettenplätze und bei Gustoland, dem Wurstspezialitätenhersteller in der Gruppe, werden die Ablauforganisation sowie das Energiemanagement weiter verbessert.

Eigenkapitalquote stabil über 40 %

Eine der Folgen der „preisgetriebenen Rekordmarke“ beim Umsatz war für Westfleisch auch ein Hemmschuh: Rohertrag und Marge waren rückläufig, so dass sich im Konzern das Ergebnis aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit mit rund 11 Mio. Euro auf Vorjahresniveau bewegte, nach Steuern und Rücklagenzuweisungen jedoch ein um 2 Mio. Euro unter Vorjahr liegender Bilanzgewinn von 6,5 Mio. Euro zu verzeichnen war, erklärte Schruck vor der Versammlung. „Weil sich die Verarbeitungstöchter etwas besser ent-wickeln konnten, lässt sich die Gesamtbilanz mit einem Jahresüberschuss von 3,4 Mio. Euro in 2012 nach 4,5 Mio. Euro im Vorjahr aber noch sehen.“

Die Muttergesellschaft Westfleisch eG hat das Geschäftsjahr mit einem positiven Jahresergebnis von 2,7 Mio. Euro (Vj. 7,9 Mio. Euro) abgeschlossen. Nach Einstellung in die satzungsmäßigen Rücklagen verbleibt ein Bilanzgewinn von 1,4 Mio. Euro, der auch für die Ausschüttung einer Dividende von 4,5 % an Mitglieder und Anteilseigner verwendet wird. Positiv entwickelt sich die Eigenkapitaldecke der Unternehmensgruppe: Die Eigenkapitalquote stieg 2012 auf rund 42,3 % bei einer um 5,5 % gewachsenen Bilanzsumme.

Der Sonderbonus für die Vertragslandwirte der Westfleisch wird leicht schwächer als im Vorjahr ausfallen: Für BestSchweine und BestFerkel wird er bei 20 Cent je Tier, für TranspaRind- und BestKalb-Vertragspartner bei jeweils 2 Euro und für Schlachtsauen und je Fresser bei jeweils 1 Euro liegen.

Kapitalmarkt vertraut Westfleisch

Die positive Entwicklung der Westfleisch eG als auch des Konzerns spiegelt sich im Kapitalmarkt. Die Genussrechtsaktion im Herbst 2012 war mit über 10 Mio. Euro zusätzlichem Kapital laut Schruck „ein nachhaltiger Vertrauensbeweis“. Auch konnte die Westfleisch Finanz AG über Aktien insgesamt zusätzlich 3 Mio. Euro Liquidität generieren. Die Aufgabe der Westfleisch Finanz AG ist die Errichtung und Finanzierung von Betriebsgebäuden, technischen Anlagen und Maschinen für die Westfleisch eG. In 2012 investierte sie darin 3,6 Mio. Euro.

Westfleisch wirtschaftet nachhaltig

„Die westfälischen bäuerlichen Familienbetriebe werden tendenziell größer“, stellte Giesen auf der Generalversammlung fest, „sie sind leistungsfähig und weisen zurecht jedes Zerrbild einer industriellen Massentierhaltung zurück“. Der Vorstandssprecher griff die gesellschaftliche Debatte um den Stellenwert von Fleisch auf und betonte den Westfleisch-Grundsatz nachhaltigen Wirtschaftens. „Bauern wissen seit jeher, dass sie nichts ver-brauchen“, betonte Giesen, „sondern dass sie in jeder Generation Hof und Ressourcen nur ge-brauchen können.

Auszeichnung: Meat-Vision-Award 2013

Für eine nachhaltige Unternehmensstrategie und die Vorreiterrolle von Westfleisch bei Branchen-innovationen wie mit dem Leitbild der „Qualitätspartnerschaft Westfleisch“ sowie der „Aktion Tierwohl“, dem ersten Tierwohllabel-Sortiment zwischen Standard- und Bio-Fleisch, war die Unternehmensgruppe jüngst in Frankfurt mit dem „Meat Vision Award 2013“ der Branchenpresse ausgezeichnet worden. Bei allen Neuerungen hatte Westfleisch die Messlatte für das eigene Handeln hoch angelegt und den Erfüllungsgrad neutral auditieren lassen. Aktuell arbeitet Westfleisch zusammen mit Wirtschaft, Handel, Wissenschaft und gesellschaftlichen Gruppen unter der Moderation der QS GmbH (Qualität und Sicherheit für Lebensmittel) an einer Brancheninitiative zum erhöhten Tierwohl. Giesen: „Diese Lösung muss vor allem praktikabel, kommunizierbar und für alle Beteiligten bezahlbar sein.“

Ausbildung über eigenen Bedarf

Qualifizierte und motivierte Westfleisch-Mitar-beiter mit hoher Identifikation haben entscheidend für die Rekordzahlen des Geschäftsjahrs gesorgt. Die Zahl der Beschäftigten in der Unternehmensgruppe ist gewachsen. Sie lag Ende 2012 konzernweit bei 1.916 eigenen Mitarbeitern (+ 56). Die Westfleisch eG beschäftigte im vergangenen Jahr im Mittel 808 Angestellte (+ 29), davon 88 Auszubildende in zehn verschiedenen Lehrberufen. Giesen betonte: „Westfleisch engagiert sich stark in der Ausbildung.“

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist Westfleisch ein wichtiges Anliegen. Neben individuell zugeschnittenen, flexiblen Arbeitszeitmodellen vermittelt die von Westfleisch mitgegründete und betriebsübergreifende „Familiengenossenschaft Münsterland“ künftig Betreuungskräfte für junge und alte Angehörige sowie Helfer.

Westfleisch hat die für die Gruppe tätigen Werkvertragsunternehmen verpflichtet, ihren Mitarbeitern den „Westfleisch-Mindestlohn“ zu zahlen und unterstützt die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns in der gesamten Fleischbranche. Dazu Schruck, in dessen Vorstandsressort auch der Personalbereich liegt: „Wir lassen die Einhaltung dieser Vorschrift regelmäßig kontrollieren und prüfen zudem neu in diesem Jahr die Angemessenheit von Wohn- und Transferkosten durch externe Wirtschaftsprüfer. Damit sind wir Leuchtturm in der Branche.“

(Redaktion)


 


 

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