Weitere Artikel
  • 01.07.2014, 09:19 Uhr
  • |
  • Münster / Münsterland
Unternehmensbilanzen

Berater und Juristen sehen bei der E-Bilanz Probleme

Bürokratie wird abgebaut, Abläufe werden deutlich vereinfacht. – So weit die Theorie bei der E-Bilanz, der seit wenigen Jahren vorgeschriebenen elektronischen Übertragung von Unternehmensbilanzen ans Finanzamt.

Doch in der Praxis gibt es offenbar neben dem angeblich milliardenschweren Nutzen für die Volkswirtschaft ganz handfeste Probleme. „Daten werden nach den Vorgaben übermittelt, aber einzelne Finanzverwaltungen können sie im eigenen Haus steuerrechtlich nicht sauber bearbeiten“, umriss Michael Wendt, Vorsitzender Richter am Bundesfinanzhof München, gestern am Rande einer Tagung zur Steuerpraxis das Problem. Der Jurist aus Münster, der dem IV. Senat des Bundesfinanzhofs vorsitzt, ist überzeugt, dass der Gesetzgeber hier noch einmal tätig werden muss. Schließlich sei es ein Ziel, Steuerrecht zu vereinfachen und nicht durch kompliziertere und nicht gesicherte Abläufe zusätzlich zu erschweren.

Steuerberater lieferten die Daten wie gewünscht auf dem elektronischen Weg und würden anschließend doch gebeten, sie noch einmal in Papierform nachzureichen, bestätigten Volker Kaiser, Präsident der Steuerberaterkammer, und Marcus Tuschen, Präsident des Steuerberaterverbandes. Spitze der Absurdität sei die Bestrafung, die dann droht, wenn die Bilanz trotzdem nicht in E-Form eingereicht wird. Der Finanzverwaltung selbst sei kein Vorwurf zu machen. Eine Ursache liege in unterschiedlichen EDV-Systemen der Länder.

Tagung „Brennpunkt Steuerpraxis“

Im Zentrum der Tagung „Brennpunkt Steuerpraxis“, zu der das Finanzgericht Münster, die Steuerberaterkammer und der Steuerberaterverband gemeinsam geladen hatten, stand die Besteuerung von Personengesellschaften (zum Beispiel Kommanditgesellschaften oder offene Handelsgesellschaften). Ein Thema, mit dem sich der IV. Senat Michael Wendts schwerpunktmäßig befasst. Wenn Unternehmen gegründet oder aber auch später an einen Nachfolger übergeben werden müssen, spielen aktuelle finanzgerichtliche Entscheidungen stets eine Rolle.

Dass nur etwa fünf Prozent der Entscheidungen des für ganz Westfalen zuständigen Finanzgerichts Münster zur Überprüfung an den Bundesfinanzhof gehen, wertete Gerichtspräsident Johannes Haferkamp als Beleg für eine gute Arbeit der Richter. Der Dialog mit den Steuerberatern sei auch für die Juristen ein Gewinn .

Wie lange es braucht, politisch schnell durchgepeitschte Gesetze auf Basis der Gerichtsentscheide mit einer stabilen Auslegung zu versehen, verdeutlichte Michael Wendt an einem Bespiel. Aktuell befasse sich der Bundesfinanzhof nicht mit den heutigen Entscheidungen zum Steuerrecht, sondern gerade erst mit der Steuerreform der rot-grünen Bundesregierung aus dem Jahr 1999.

(Wolfgang Kleideiter, WN)


 


 

Steuerberater
Kommanditgesellschaften
Jurist
Unternehmensbilanzen
E-Bilanz

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Finanzamt" - jetzt Suche starten:

Entdecken Sie business-on.de: