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  • 12.11.2014, 16:17 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Unternehmerisches Scheitern

Neue Kultur im Umgang mit Fehlern

„Zu erfolgreichem Business gehört auch, Dinge in den Sand zu setzen.“ Das sagt gutado-Geschäftsführer Torben Simon Meier, der mit seinem Geschäftspartner Johannes Benz seit 2011 eine unternehmerische Achterbahnfahrt erlebt hat. Auf Einladung der Wirtschaftsförderung Münster GmbH (WFM) sprachen sie jetzt bei der Scout-Veranstaltung über Fehler und den genommenen Umweg zum Erfolg.

Darüber hinaus erklärte Burgergrün-Betreiber Arne Ulfers, warum er keine Angst vor dem Scheitern hat. Neben WFM-Gründungsberaterin Birgit Neyer moderierte Oliver Pauli vom placebo-Theater.

„In Deutschland über das Scheitern zu sprechen, ist immer noch ein Tabuthema. Dabei zeigen die Biografien vieler erfolgreicher Unternehmer, dass nicht immer alles glatt gelaufen ist“, erklärt der Mediengestalter Meier und fordert eine neue Kultur des Umgangs mit Fehlern. Gründern und Jungunternehmern müsse klargemacht werden, dass der Weg zum Erfolg auch über das Scheitern führen kann.

Dabei spricht Meier aus Erfahrung. Er gründete 2011 die AppClouds GmbH und entwickelte mit dem Betriebswirtschaftler Johannes Benz mehrere aussichtsreiche Geschäftsideen, die aber zu nichts führten. In einem Fall war ein Telekommunikationskonzern schneller. In einem anderen Fall sprang der Investor mit 800.000 Euro ab, was weitreichende Folgen hatte: „Wir saßen plötzlich auf 50.000 Euro Schulden.“ Zur Abwendung der Insolvenz zog Meier aus seiner Wohnung aus, während Benz das Auto verkaufte. Auch Mitarbeiter mussten gehen. „Mit viel Fleiß haben wir das Steuer noch rumgerissen. Jetzt sind wir schlauer“, betonen Meier und Benz in der Nachbetrachtung.

Konzentration auf die eigenen Kompetenzen

Ein gravierender Fehler war zum Beispiel, dass es vom Investor nur eine mündliche Zusage gegeben hatte, also nichts Schriftliches, worauf man sich hätte berufen können. Darüber hinaus waren die Marketingkosten zu hoch und es fehlte der technische Leiter.

Inzwischen konzentrieren sich Meier und Benz mit ihrer Internetagentur gutado auf das klassische Webdesign und Online-Marketing, also auf einen Bereich, in dem ihre Kompetenzen liegen. „Bei einem funktionierenden Geschäftsmodell müssen ein Problem und eine Lösung bzw. ein Produkt und der Markt übereinstimmen“, erklärt Benz. Bei dem neuesten Projekt mit dem Titel Raidboxes – hier geht es um WordPress Hosting – wurden diese Fehler nicht wiederholt. „Es gilt immer zuerst, das Produkt zu entwickeln und zu testen. Erst wenn es funktioniert, ist es an der Zeit, einen Geldgeber zu suchen.“

Arne Ulfers hat bislang keine Tiefschläge hinnehmen müssen. Und es sieht auch nicht danach aus, dass er mit seiner jetzigen Geschäftsidee scheitern wird. Denn mit seinem BioBurger Truck zieht er durch die Region und ist mit seinem Konzept – alles aus kontrolliert biologischem Anbau und aus artgerechter Tierhaltung – äußert beliebt. Gleichwohl ist er auch ein Typ, für den bei Niederlagen nicht gleich die Welt zusammenbricht: „Wenn ich scheitere, dann ist es so. Dann habe ich zwar Geld verbrannt, doch das Leben geht weiter“, sagt der ausgebildete Koch, der seinen Beruf, gepaart mit Kreativität, als sichere Grundlage begreift.

Nachvollziehbar, dass ihm die Gründung seiner mobilen Unternehmung mit dieser Einstellung deutlich leichter fiel: „Ich hatte Zeit, Geldgeber und wollte schon immer was Nettes machen: Lebensmittel verarbeiten und Menschen mit meinen Gerichten glücklich machen. Ich wäre todunglücklich, wenn ich im Leben irgendwas machen muss, nur um es zu tun.“

(WFM)


 


 

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