Weitere Artikel
  • 15.11.2013, 08:55 Uhr
  • |
  • Münsterland / Gronau
Urenco-Verkauf

Sorge der Niederländer um Kontrollverlust

Der geplante Verkauf der britischen und niederländischen Anteile an der Urenco bereitet der niederländischen Politik Sorge. Wie kann künftig verhindert werden, dass die Technik zur Urananreicherung in fremde Hände fällt?

Bislang gehört den beiden Staaten über jeweilige Holdings je ein Drittel der Urenco-Anteile. Diese gemeinsame Mehrheit ermöglicht es den beiden Staaten, Kontrolle über die Geschäfte der Urenco-Gruppe auszuüben. Der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem drängt nun darauf, dass den Regierungen ein rechtliches Instrumentarium an die Hand gegeben wird, das die nukleare Sicherheit auch nach einer Veräußerung der Anteile garantiert.

Vor allem geht es darum, die Verbreitung der Urananreicherungstechnik zu verhindern, die auch für die Entwicklung von Atomwaffen genutzt werden kann.

Im Vertrag von Almelo hatten sich Deutschland, die Niederlande und Großbritannien 1970 zur Einhaltung der sogenannten Non-Proliferation verpflichtet. Dijssel­bloem fürchtet nun, dass den Staaten die Kontrolle darüber entgleiten könnte, wenn die niederländischen und britischen Urenco-Anteile (wie in Deutschland an RWE und Eon) an Privatunternehmen veräußert würden.

Runder Tisch zu Konsequenzen des Verkaufs

Den Haag hat Experten zu einem Runden Tisch eingeladen. Sie sollen am 5. Dezember über die Konsequenzen eines Verkaufs beraten.

Dijsselbloem schlägt in einem Brief an das Parlament vor, dass die Regierungen auch nach einem Verkauf weitreichende Befugnisse behalten: So müsste ein großer Teil der Urenco-Aktivitäten – vor allem in Bezug auf den Verkauf von angereichertem Uran und von Anreicherungstechnik – weiterhin staatlicher Kon­trolle unterliegen. Die Regierungen würden sich weitreichende Zustimmungs- und Vetorechte – unter anderem bei der Benennung von leitenden Positionen – vorbehalten.

Derweil kritisierten Atomkraftgegner und Friedensinitiativen, dass sie zum Runden Tisch in Den Haag nicht eingeladen sind. Sie erinnerten daran, dass in den 70er Jahren der pakistanische Atomwissenschaftler Dr. Abdul Kadir Khan aus der Urananreicherungsanlage in Almelo Blaupausen für den Bau von Urananreicherungszentrifugen entwendet und diese für den Bau der pakistanischen Atombomben verwendet hatte.

(Martin Borck)


 


 

Urenco
Kontrolle
Urananreicherung
Staaten
Regierungen
Deutschland

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Verkauf" - jetzt Suche starten:

Entdecken Sie business-on.de: