Weitere Artikel
  • 15.04.2014, 09:39 Uhr
  • |
  • Gronau-Epe / Münsterland
Ursachensuche

Öl-Fund gibt weiter Rätsel auf

Der Vorgang erinnert an die sprichwörtliche Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Nur dass die Stecknadel Öl und der Heuhaufen eine Weide im Amtsvenn ist. Dass die Suche schnell erfolgreich beendet sein wird, daran glauben Experten nicht. „Das wird Wochen dauern“, sagt Dr. Hans-Peter Jackelen. Der Diplom-Geologe und Sachverständige für Hydrogeologie und Altlasten ist von der Bezirksregierung Arnsberg als unabhängiger Gutachter eingesetzt worden, der die Ursachenforschung begleiten und überwachen soll. Und Jackelen und alle anderen Beteiligten, soviel wird am Montag vor Ort deutlich, stehen noch ganz am Anfang ihrer Arbeit.

Die Frage, woher das Öl auf der Weide stammen könnte, beantwortet der Gutachter mit einem fragenden Blick. „Woher es kommt, wissen wir nicht“, sagt Jackelen. „Das erkunden wir jetzt sehr intensiv“. Mit Holzstäben markiert ein Mann auf einem benachbarten Acker die Stellen, an denen sogenannte Rammsondierungen in einer Tiefe von bis zu sechs Metern vorgenommen werden sollen – im Abstand von jeweils zehn Metern soll hier das Erdreich daraufhin überprüft werden, ob das Öl aus dieser Richtung auf die Weide fließt. Aufmerksamer Beobachter der Szenerie ist Gregor Mergen. Der technische Sachbearbeiter der Bezirksregierung Arnsberg dokumentiert die Maßnahmen und hält den Kontakt zur Bergbehörde NRW in Dortmund. 

Zusammenhang mit einem Zwischenfall vor sieben Jahren denkbar

Wasser- und Bodenproben auf der Weide und im Umfeld sind weiterer Teil der Aufklärungsarbeit. Und: Die ölhaltige Erde auf der Weide selbst wird abgefahren – die Fachleute versprechen sich auch vom Blick ins Erdreich darunter weitere Erkenntnisse. Dass das Öl aus einer von der SGW betriebenen Kaverne (400 Meter von der Weide entfernt) stammt, hält Dr. Manfred Inkmann, Geschäftsführer der Salzgewinnungsgesellschaft, „für sehr unwahrscheinlich“. Der Grund: Eine über den Kavernen liegende rund 200 Meter starke und „sehr undurchlässige“ Tonschicht. Aber, so der SGW-Manager: „Wir können nichts ausschließen. Und deshalb suchen und untersuchen wir in alle Richtungen.“

In der benachbarten Kaverne gab es im Februar zwar einen Druckabfall, bei den damals durchgeführten Prüfungen und Kontrollen wurden aber keine Öl- oder Soleaustritte festgestellt. Die betreffende Ölkaverne ist zurzeit druckentlastet. Denkbar ist auch ein Zusammenhang mit einem Zwischenfall, der sieben Jahre zurückliegt. Damals trat eine größere Menge Öl über verrostete Armaturen aus. Der Schaden wurde repariert, das kontaminierte Erdreich abgetragen. Inkmann: „Es ist aber möglich, dass wir nicht alles Öl gefunden haben“.

Während der Geschäftsführer vor Kameras weitere Spekulationen über mögliche Ursachen ablehnt, saugt nur wenige Meter entfernt ein Arbeiter an der tiefsten Stelle eines ausgebaggerten Grabensystems auf der Weide Öl-Wasser-Erdgemisch ab. Dass die Ursachenforschung teuer wird, steht schon am Tag drei des Zwischenfalls außer Frage. Die Kosten übernimmt erst einmal die SGW, wie Inkmann betont. „Wir werden in Vorleistung treten müssen und dann sehen, wer sich unter Umständen beteiligt“, sagt der SGW-Manager.

Dass es dabei auch um öffentliche Gelder gehen könnte, sagt er nicht, deutet es aber an: Schließlich lagern unter dem Amtsvenn 1,4 Millionen Kubikmeter Öl, die zur nationalen Energiereserve der Bundesrepublik gehören. Sozusagen unser aller Öl. Gutachter Dr. Jackelen zieht inzwischen eine Wasserprobe aus einem Graben. „Kein Hinweis auf Öl“, sagt er nach kurzer Prüfung mit Utensilien aus einem Laborkoffer. Weiterer Untersuchungen, Messungen und Analysen werden folgen – die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen ist in vollem Gange. Der Ausgang aber (noch) ungewiss.

Ölaustritt im Amtsvenn – aktueller Sachstand und getroffene Maßnahmen

Auf einer Wiese der Salzgewinnungsgesellschaft Westfalen (SGW) im Amtsvenn wurde am Samstag Öl entdeckt, das auf einer Fläche von rund 900 Quadratmetern an verschiedenen Stellen aus dem Boden tritt. Sehr wahrscheinlich handelt es sich um Rohöl, so Experten.

  • Sechs Kubikmeter des Öl-Wasser-Erdgemisches wurden bisher abgesaugt, die reine Ölmenge darin schätzen SGW-Verantwortliche auf einen Kubikmeter.
  • Sechs von sieben Rindern, die am Samstag noch auf der Weide grasten, wurden inzwischen notgeschlachtet. „Sie haben bedauerlicherweise von dem Öl getrunken“, sagt Dr. Manfred Inkmann, Geschäftsführer der SGW.
  • Ansonsten ist es aber nach Darstellung von Inkmann bisher „sehr gut gelungen“, den Schaden auf die eine Weide zu begrenzen. Gräben ringsum wurden untersucht, bisher wurde dort aber kein Öl entdeckt. Inzwischen sind Ölsperren errichtet, Vorfluter ringsum verschlossen worden.

Eine am Wochenende eingerichtete Koordinierungsgruppe (beteiligt sind Kreis, Stadt, Feuerwehr) unter Leitung der Bezirksregierung Arnsberg (landesweit zuständige staatliche Aufsichtsbehörde für Bergbau) hat weitere Maßnahmen angeordnet:

  • Der Boden der Weide wird abgetragen und entsorgt, Sondierungsbohrungen sollen weitere Verunreinigungen ausschließen.
  • Wasser, Boden und Trinkwasser werden untersucht.
  • Alle Arbeiten werden von unabhängigen Gutachtern und Aufsichtsbeamten der Bezirksregierung Arnsberg begleitet und überwacht.

(Klaus Wiedau, WN)


 


 

Weide
Gutachter
Bezirksregierung Arnsberg
Amtsvenn
Inkmann
Jackelen
Boden
Kavernen
Kubikmeter
SGW

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Weide" - jetzt Suche starten:

Entdecken Sie business-on.de: