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  • 12.08.2013, 09:50 Uhr
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  • Münster & Münsterland
„Veggie-Day“ und Schweinezucht

Landwirte kritisieren Bevormundung der Verbraucher

„Veggie-Day“ hin oder her: Von einer Bevormundung des Verbrauchers halten Landwirte nichts. „Fleisch gehört zu einer ausgewogenen Ernährung dazu“, unterstreicht Susanne Schulze Bockeloh, Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbands. „Der Verbraucher soll selbst entscheiden, was er isst.“

„Veggie-Day haben wir in unserer Familie jeden Freitag, wir sind katholisch“, fügt Georg Schulze Dieckhoff, stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbands, schmunzelnd hinzu.

Der Kreisverband hat auf den Hof Ontrup in Sprakel eingeladen, um aus aktuellem Anlass über moderne Schweinehaltung zu informieren. Nutztierhaltung ist ein sensibler Bereich. „Viele Verbraucher haben den Kontakt zur Landwirtschaft verloren“, sagt Susanne Schulze Bockeloh. Um ein realistisches Bild von moderner Tierhaltung zu ermöglichen, organisiert der Kreisverband immer wieder Stallbesuche. „Wir haben nichts zu verstecken“, unterstreicht Schulze Dieckhoff.

Karl-Heinz Ontrup, staatlich geprüfter Landwirt, bewirtschaftet den Hof in Sprakel mit seiner Ehefrau Anja Benteler. Die ganze Familie, auch Vater Heinz Ontrup, ist in die Arbeiten auf dem Hof eingebunden. Es gibt zudem einen VollzeitAngestellten mit landwirtschaftlicher Ausbildung.

„Man fühlt sich zu unrecht angegriffen“, sagt die Agraringenieurin. „Gerade der Landwirt ist am Wohl seiner Tiere interessiert, sonst bringen sie nicht die Leistung.“ Der Tag auf dem Hof beginnt morgens um 7 Uhr, abends nach 22 Uhr gibt es die letzte Kon­trolle. Es sei denn, es gibt Probleme beim Ferkeln. Ferkel werden bis zum Gewicht von 25 Kilo aufgezogen, Schweine bis zum Schlachtgewicht von 120 Kilogramm.

Einen Vorfall hat Anja Benteler noch gut im Gedächtnis: Sie wurden angezeigt. Die Geschichte: Wenn der Außenklimastall ausgemistet wird, werden die Schweine für etwa 20 Minuten auf die Liegeflächen gesperrt, damit der Trecker zum Misten durchfahren kann. Das ist eng. Ein Radfahrer kam während dieser Zeit vorbei, schaute in den Stall, sah die Schweine, sagte aber nichts und fuhr weiter. Am nächsten Tag stand das Veterinäramt auf dem Hof. Schnell war geklärt, worum es ging. „Statt einmal zu fragen, ,was macht ihr da?‘, wird man gleich angezeigt“, wundert sich Anja Benteler.

Im ersten Halbjahr 2014 habe das Veterinäramt 280 Kontrollen durchgeführt, davon seien 90 Tierschutz-Beschwerden gewesen, erläuterte Dr. Roland Otto, Amtstierarzt der Stadt Münster. Das Resultat: Verstöße in 21 Fällen – bei der Hunde-, Katzen- und Kaninchenhaltung, bei der Hobby-Schafhaltung und in einem Fall bei einem landwirtschaftlichen Betrieb.

Sauer stößt Landwirten auf, wenn Fleisch im Supermarkt in Billigangeboten verramscht wird. Wertschätzung eines Lebensmittels, sagt Schulze Bockeloh, drücke sich auch im Preis aus.

(Katrin Jünemann)


 


 

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