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  • 10.05.2013, 09:40 Uhr
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  • Münster & Münsterland
Versicherer

Online-Vertrieb beim LVM kein Thema

Online-Anbieter und Internet-Preisvergleichs-Portale buhlen mit aller Macht um Kunden. Trotzdem will die LVM-Versicherung aus Münster weiter ausschließlich auf ihre Servicebüros und Beratungsqualität setzen.

„Einen Internet- Vertrieb wird es bei uns auch in Zukunft nicht geben“, betonte LVM-Vorstandschef Jochen Herwig am Mittwoch in Münster. Gegen die Gründung einer Online-Tochter spreche insbesondere die Tatsache, dass Versicherungsprodukte beratungsbedürftig seien. Auch dem Druck der Online-Vergleichsrechner wolle sich der LVM nicht aussetzen, erklärte Herwig. „Wer beim Preisvergleich im Internet an dritter oder vierter Stelle auftaucht, ist für den Kunden schon uninteressant.“

Mit der Entscheidung, seine Produkte ausschließlich über die eigenen Agenturen anzubieten, umschifft der LVM zugleich ein Problem, das bei den Mitbewerbern für Unruhe sorgt. Weil die Internet-Ableger in der Regel günstigere Tarife anbieten, gibt es bei etlichen deutschen Versicherern Reibereien mit dem Außendienst.

Herwig ist überzeugt, dass sich der Preiskampf zumindest im Kfz-Bereich dem Ende neigt. „Die Branche hat aus Wettbewerbsgründen jahrelang Milliardenverluste gemacht“, erklärte der LVM-Vorstandsvorsitzende. Mittlerweile scheine jedoch die Vernunft zu regieren. Nach Angaben des Branchenverbands GDV hatten die deutschen Versicherer bei Kfz-Versicherungen allein 2012 noch einen sogenannten versicherungstechnischen Verlust von rund 600 Millionen Euro wegstecken müssen.

LVM wächst stärker als die Branche

Mit der Strategie, ausschließlich auf den stationären Vertrieb zu setzen, war der LVM im vergangenen Jahr mehr als doppelt so stark wie die Branche gewachsen. Untern Strich stiegen die Beitragseinnahmen um 4,7 Prozent auf 2,8 Milliarden €, während der GDV für die übrigen Versicherer ein durchschnittliches Plus von 2,0 Prozent errechnet hatte. Rund ein Drittel der Beitragseinnahmen stammen beim LVM aus dem Kraftfahrtgeschäft. Im ersten Quartal 2013 waren die Beitragseinnahmen erneut um 5,1 Prozent gestiegen.

Für Versicherer sei das Umfeld mit Blick auf die Staatsschuldenkrise schwierig, erklärte Herwig. Gleichwohl bereite die Niedrigzinsphase dem LVM keine Probleme. Herwig: „Wir haben über Jahre ein Polster aufgebaut und stehen diese Niedrigzinsphase zur Not auch viele Jahre durch.“ Schwerer wiegt aus Sicht der Branche die Entscheidung der Politik, dass Kunden der Lebensversicherung weiter an den sogenannten Bewertungsreserven beteiligt werden. „Alles, was wir jetzt ausschütten, nehmen wir Kunden, deren Lebensversicherung später fällig wird“, erklärte Herwig.

Bewertungsreserven entstehen, wenn der Marktpreis einer Kapitalanlage höher ist als der Wert, zu dem sie in den Büchern sprich in der Bilanz steht. Problem: Wenn Zinsen sinken, steigen die Werte der Zinspapiere in den Büchern der Versicherer. Auf dem Papier entstehen damit stille Reserven. Kunden, deren Lebensversicherung zum aktuellen Zeitpunkt fällig wird, müssen an diesen scheinbaren Reserven beteiligt werden. Der Versicherer muss also mehr Geld ausschütten, obwohl er am Zinsmarkt weniger verdient.

Hintergrund für die Regelung ist ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Die Richter hatten 2005 entschieden, dass Versicherer ihre Kunden an Vermögenswerten beteiligen müssen, die etwa durch Aktien- und Immobilienkäufe entstanden sind. LVM-Chef Herwig geht davon aus, dass in der Sache noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. „Nach der Bundestagswahl werden wird das Thema noch einmal aufrollen müssen.“

Der LVM in Zahlen

Der LVM zählt zur den fünf größten Kfz-Versicherern in Deutschland:

  • Die Zahl der versicherten Fahrzeuge ist 2012 um mehr als 90 000 auf knapp drei Millionen Stück gestiegen.
  • Die Beitragseinnahmen in allen Sparten haben 2012 erstmals die Marke von 2,8 Milliarden € überschritten (plus 4,7 Prozent).
  • 3,1 Millionen Kunden haben beim LVM über zehn Millionen Verträge.
  • Insgesamt verwaltet der LVM Kapitalanlagen im Wert von 14,6 Milliarden €. 2012 erwirtschaftete der Konzern damit ein Ergebnis von 722 Millionen €.
  • Bundesweit hat der LVM rund 10 000 Beschäftigte. Von den 3000 Mitarbeitern am Standort Münster arbeiten 1000 in verschiedenen Teilzeitmodellen auch von zu Hause.

(Andreas Fier)


 


 

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