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  • 16.03.2015, 13:49 Uhr
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  • Münsterland
Verstoß gegen die Betriebsordnung

Vielen Apotheken ist die Herstellung von Kapseln zu aufwendig und zu wenig lukrativ

Apotheken müssen laut Gesetz in der Lage sein, Medikamente in verschiedenen Darreichungsformen herzustellen. In der Praxis zeigt sich jedoch: Viele sehen sich nicht dazu in der Lage - und verstoßen damit gegen die Apothekenbetriebsordnung.

Jede fünfte Apotheke im Münsterland hat sich bei einer Umfrage unserer Zeitung nicht in der Lage gesehen, ein handelsübliches Medikament für ein Kind in Kapseln abzufüllen. Die Apotheken haben damit gegen die Apothekenbetriebsordnung verstoßen. Sie begründeten ihre Absage unter anderem so:

  • „Wir haben die Geräte gar nicht, die wir dafür brauchen.“
  • „Das haben wir schon 20 Jahre nicht mehr gemacht.“,
  • „Wir haben das Material nicht verfügbar“ oder
  • „In diesem Monat wird das nichts mehr. Da ist immer jemand im Urlaub .“

Das darf nicht sein, sagt Professor Klaus Langer, Direktor des Instituts für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie an der Uni Münster. Er bestätigt: „Es ist unbestritten so, dass einzelne Apotheken bei der Rezepturherstellung sehr zurückhaltend sind.“ Dabei gehört das Herstellen von Kapseln und anderen Arzneimitteln zum Pflichtprogramm – in einer angemessenen Zeit. Die Behauptung einer Apotheke am 11. März, sie könne die Kapseln wegen der anstehenden Urlaubszeit in diesem Monat nicht mehr herstellen, fällt nicht darunter.

Laut Michael Schmitz, Sprecher der Apotheker-Kammer Westfalen-Lippe, muss laut Gesetz jede Apotheke Lösungen, Salben, Cremes, Pulver, Drogenmischungen sowie Zäpfchen herstellen können. Die Produktion der Frisium-Kapseln inklusive Überprüfung und Dokumentation dauere bis zu vier Stunden. Je öfter das Rezept eingereicht wird, desto routinierter und schneller können Apotheker den Auftrag erledigen. Ein erfahrener Apotheker berichtet, dass er das Rezept in einer knappen Stunde abarbeitet.

Die Ausrede einer Apotheke, sie habe die nötigen Geräte nicht, lässt die Kammer ebenfalls nicht gelten. „In jeder Apotheke muss ein Kapselfüllgerät vorhanden sein“, sagt Schmitz. Auch sonst erwarten die Aufsichtsbehörden, dass Apotheken über alle nötigen Geräte verfügen.

Kapsel-Herstellung lohnt sich finanziell nicht

Die Herstellung von Kapseln bezeichnet Langer, der auch Leiter der Kommission für Qualitätssicherung (Qualitätssicherung Definition) bei der Apothekerkammer Westfalen-Lippe ist, als „Standard“. Sie gehörten nach Salben und Cremes zu den häufigsten Anliegen, mit denen Patienten mit Sonderbestellungen in Apotheken kommen. Und das Medikament sei auch kein Exot, wie es einige Apotheker in der Umfrage glauben machen wollten.

Ein möglicher Grund für die Zurückhaltung ist das Geld: Eine Apotheke bekommt für den Auftrag rund 25 Euro – bei einem Aufwand von bis zu vier Stunden wäre das deutlich weniger als der Mindestlohn . Allerdings: „Das darf kein Grund zur Ablehnung sein“, sagt Langer. Und auch nicht, dass die Medikamente nach dem Vier-Augen-Prinzip hergestellt werden sollen und deswegen zwei Mitarbeiter damit befasst seien. Egal, wie klein eine Apotheke ist: „Jede Apotheke muss dazu in der Lage sein.“

Und Sprecher Schmitz sagt: „Apotheken verfügten über das Privileg, verschreibungspflichtige Arzneimittel verkaufen zu dürfen.“ Das sei allerdings an eine Verpflichtung zum Gemeinwohl gekoppelt: „Dazu gehört es auch, Aufgaben zu erledigen, die keinen Gewinn erzielen.“

(Stefan Werding, WN)


 


 

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