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  • 15.03.2013, 10:57 Uhr
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  • Münster & Münsterland
Verworfene Kassenbuchführung

Verbände kritisieren Steuerprüfer

Unternehmen mit überwiegendem Barzahlungsgeschäft geraten zunehmend ins Visier von Steuerprüfern. Für Bäcker, Metzger, Gaststätten und Friseure sind die Folgen gravierend und teils sogar existenzbedrohend, so die Kritik der Steuerberaterkammer und des Steuerberater-Verbandes Westfalen-Lippe.

Schon bei „kleinsten Fehlern“ in der Kassenbuchführung würden die Steuerprüfer die gesamte Buchführung verwerfen – und den angegebenen Umsatz per Schätzung zum Teil kräftig nach oben korrigieren. „Die Zuschläge liegen nicht selten bei zehn Prozent, oft noch darüber“, berichtet Holger Högemann, Vorstandsmitglied im Steuerberaterverband.

Nach Schätzungen der Steuerberaterkammer und des Steuerberaterverbandes führt jedes Finanzamt rund 1000 Betriebsprüfungen jährlich durch. „In 95 Prozent der Fälle wird die Kassenbuchführung verworfen“, kritisiert Marcus Tuschen, Präsident des Steuerberaterverbandes Westfalen- Lippe. Die Umsatzzuschläge, die anschließend per Schätzung von den Betriebsprüfern festgesetzt werden, seien bei vier von fünf Unternehmen „zu hoch“, so Tuschen.

Steuerberater Volker Kaiser berichtet von einem Fall aus seiner Kanzlei. Bei einem Imbiss habe der Finanzbeamte für einen Zeitraum von drei Jahren einen Umsatzzuschlag von 100.000 Euro festgesetzt. Nach Kaisers Einspruch beim zuständigen Finanzamt sei dieser auf 4.000 Euro reduziert worden. „Das zeigt, dass die Schätzung völlig unangemessen war“, sagt Kaiser.

Die Steuerberater betonen, dass es „natürlich auch schwarze Schafe“ gebe, die den Umsatz in ihrer Steuererklärung tatsächlich nach unten korrigieren. Auf der anderen Seite würden Steuerbürger, die in ihrer Kassenbuchführung nur kleine Fehler machen, oft „ungerechtfertigt als Steuerhinterzieher disqualifiziert“ – und durch allzu hohe Zuschätzungen womöglich in Existenznöte gebracht. Daher ihr Appell: „Die Steuerprüfer sollten den Bogen nicht überspannen.“ Zudem kritisieren sie, dass die gesetzlichen Anforderungen an die Kassenführung derzeit deutlich „zu hoch“ seien.

Das Düsseldorfer Finanzministerium reagierte gestern knapp, aber prägnant auf die Kritik der Steuerberater: „Betriebsprüferinnen und Betriebsprüfer sind bei einer nicht ordnungsgemäßen Buchführung zu einer Schätzung verpflichtet“, so die Pressestelle.

(Martin Kalitschke)


 


 

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