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  • 30.09.2015, 10:22 Uhr
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  • Münster / Wolfsburg
VW-Abgas-Affäre

Volkswagen wusste seit März 2014 Bescheid

Die Abgas-Affäre ist für den VW-Konzern weniger überraschend gekommen als bislang angenommen. Volkswagen hat offenbar bereits seit März vergangenen Jahres mit den USA über die Manipulationen bei Diesel-Motoren und mögliche Konsequenzen verhandelt. Das berichteten mit den Vorgängen vertraute Personen gegenüber den Westfälischen Nachrichten.

Demnach standen die Wolfsburger schon im Frühjahr 2014 im engen Kontakt mit zwei US-amerikanischen Gremien, nachdem dort Unregelmäßigkeiten bei den Abgaswerten aufgefallen waren. Da man das gesamte Ausmaß der Affäre zu Beginn aber nicht erfasst habe, seien der Aufsichtsrat und der Kapitalmarkt nicht informiert worden, hieß es aus dem Umfeld des Vorstandes.

Volkswagen wollte sich am Dienstag offiziell nicht äußern. Bereits am Wochenende war bekannt geworden, dass Verantwortliche bei VW schon vor Jahren erstmals über den Einsatz der illegalen Software in Kenntnis gesetzt worden waren. Das legt ein Bericht der internen Revision nahe, in dem ein Mitarbeiter auf Rechtsverstöße hingewiesen hatte.

Die gesetzlichen Vorschriften für Aktiengesellschaften sehen vor, dass Unternehmen bei Unregelmäßigkeiten, die sich auf Umsatz und Gewinn auswirken können, unverzüglich die Aufsichtsgremien sowie die Aktionäre informieren müssen. Der Skandal um manipulierte Diesel-Motoren war allerdings erst vor gut anderthalb Wochen an die Öffentlichkeit gelangt – vom fraglichen Bericht der internen Revision hatte der Aufsichtsrat bei seiner Sitzung am vergangenen Freitag erfahren.

Innerhalb des Konzerns ist derweil die Verwunderung groß, dass die Affäre so lange verborgen blieb. „Es ist schon erstaunlich, dass das über ein Jahr lang nicht nach außen gedrungen ist“, heißt es.

Rückstellungen von 6,5 Milliarden Euro reichen nicht aus

In Wolfsburg sorgt man sich unterdessen um die finanziellen Folgen der Diesel-Affäre. Wie aus einem Papier von Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch hervorgeht, aus dem das Fachblatt „Automobilwoche“ zitiert, reichen die bisherigen Rückstellungen von 6,5 Milliarden voraussichtlich nicht aus. Die Summe ist demnach für technische Lösungen und die damit verbundenen Service-Leistungen vorgesehen. Möglicher Schadenersatz, Anwaltshonorare und andere Kosten kämen noch obendrauf, so Pötsch.

Die US-Umweltbehörde EPA hat VW eine Strafe von bis zu 37.500 Dollar pro Regelverstoß androhte. Bei 482.000 betroffenen Wagen in den USA würde sich die Strafe auf maximal 18 Milliarden Dollar summieren. Weil die EPA bei Bußgeldern jedoch gewöhnlich eine Art Mengenrabatt einräumt, rechnen Fachleute eher mit einem einstelligen Milliardenbetrag.

Am heutigen Mittwoch soll sich das Präsidium des Aufsichtsrats zu einem weiteren Krisentreffen zusammenfinden. Dort soll ein erster Zwischenbericht nach internen Ermittlungen vorgelegt werden.

(Andreas Fier, WN)


 


 

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