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  • 06.08.2015, 08:43 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Weihnachtsmarkt Münster

Weihnachtsmarkt-Gründungsmitglied ohne Standplatz

Weihnachten ist für Schausteller Willi Ueberfeld (71) schon vier Monate vor dem Fest gelaufen. Seit 1970 und damit von Anfang an ist er mit einem Verkaufsstand Stammgast beim adventlichen Budenzauber im und rund um den Rathaus-Innenhof, diesmal hat er von der Stadt eine Absage bekommen.

Im neuen Punktesystem ist er bei der Vergabe der 115 Stände durch die Zulassungskonferenz, in der Vertreter der veranstaltenden Halle Münsterland und des Ordnungsamtes sitzen, glatt durchgefallen. Weil sein Holzhäuschen zum Verkauf von Crêpes nicht attraktiv genug ist, hat ein neuer Anbieter für die süße Teigspeise den Zuschlag bekommen.

„Die Stadt macht Existenzen kaputt“, schimpft Ueberfeld, der gemeinsam mit Ehefrau Helga den Imbisswagen betreibt. Angeblich reicht die weihnachtliche Außendekoration nicht aus, eine Chance zum Nachbessern habe man ihm nicht gegeben. Früher einmal war Ueberfeld mit einer Eisenbahn und mit dem Looping-Fahrgeschäft ein Stammbeschicker auf dem Send, beim Weihnachtsmarkt handelte er mal mit Gyros, Lakritze und seit zehn Jahren mit den Eierkuchen. Weil sie wenig eingezahlt haben, bekommt das Ehepaar von der Rentenversicherung unter 200 Euro in Monat.

„Stadt bedroht meine Existenz“

Mit seinem damals knapp 40.000 Euro teuren Blockhaus ist er nur noch einmal im Jahr auf Achse. Der münstersche Weihnachtsmarkt sei deshalb für ihn nach eigener Aussage „die einzige Einnahmequelle“. Ueberfeld: „Der Weihnachtsmarkt wurde von uns Schaustellern ins Leben gerufen, jetzt stehen wir als Altbeschicker vor dem Aus.“

Ordnungsamtschef Martin Schulze-Werner hat sich ausführlich mit dem „Fall Ueberfeld“ beschäftigt: „Bei der Punktebewertung lag dieser Anbieter ganz weit abgeschlagen auf hinteren Plätzen, er kam noch nicht mal in die Nähe einer Berücksichtigung.“

Und schließlich, so der Amtsleiter, sei die Stadt ja auch nicht dazu da, notleidende Schausteller über den Winter zu bringen. Mit dem nachgebesserten Punktesystem will die Stadt auch neuen Anbietern die Chance eröffnen, einen der begehrten Standplätze zu bekommen.

(Helmut P. Etzkorn, WN)


 


 

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