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  • 05.07.2013, 13:08 Uhr
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  • Münsterland
"Wer entscheidet in Westfalen"

NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider

Vom Werkzeugmacher zum Minister: Guntram Schneider hat sich über eine Gewerkschaftskarriere hochgearbeitet. Heute vertritt der gebürtige Gütersloher als SPD-Abgeordneter den Südwesten Dortmunds und leitet das NRW-Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales.

Im Interview spricht er über den gespaltenen Arbeitsmarkt in der Region und seine Heimat.

Im Münsterland herrscht teilweise fast Vollbeschäftigung, nur wenige Kilometer entfernt, im Ruhrgebiet, sind die Arbeitslosenquoten zweistellig. Warum gibt es heute, nach vielen Jahren Strukturwandel, noch diese Gegensätze?

Guntram Schneider: Zunächst einmal: Wenn man im Kreis Steinfurt vor 150 Jahren Kohle gefunden hätte, dann hätte man heute dort die gleichen Probleme wie im Ruhrgebiet. Wir haben in Westfalen drei Wachstumsräume: Südwestfalen, dann Ostwestfalen mit einer prosperierenden mittelständischen Industrie, und Teile des Münsterlandes, wo in einigen Arbeitsagenturbezirken praktisch Vollbeschäftigung herrscht. Das hat auch damit zu tun, dass im Münsterland viele Menschen in das Ruhrgebiet oder nach Münster zur Arbeit pendeln. Zusätzlich haben die erfolgreichen Branchen dort in den vergangenen Jahren stark kooperiert und sie haben die Technologiekarte gespielt. Wir haben deshalb in Westfalen mittelständische Unternehmen, die zur Weltspitze zählen.

Daran könnte sich das Ruhrgebiet also ein Beispiel nehmen?

Guntram Schneider: Die tun dort auch viel, aber die Bedingungen und Strukturen sind völlig unterschiedlich. Zum Beispiel, was den Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund angeht. Da ist die Situation in Gelsenkirchen nun mal ganz anders als in Heek im Münsterland. Das heißt nicht, dass die Menschen mit Migrationshintergrund keinen Beitrag zur Volkswirtschaft leisten können, aber sie werden zum Beispiel bei Bewerbungen noch immer benachteiligt und benötigen in einigen Fällen spezielle Fördermaßnahmen, um einen Schulabschluss zu erlangen oder eine Lehrstelle zu bekommen.

Was sind die größten Probleme für den Arbeitsmarkt im westfälischen Ruhrgebiet?

Guntram Schneider: Es ist im Strukturwandel bislang nicht gelungen, die Menschen so auszubilden, dass ihre Qualifikationen in den Betrieben, die Perspektive haben, gewürdigt werden. Das beste Beispiel ist Dortmund mit einem ausgezeichnet funktionierenden Technologiezentrum. Um das Zentrum herum sind über 6.000 Arbeitsplätze entstanden, darunter viele hoch qualifizierte Jobs. Aber wir haben trotzdem immer noch über zehn Prozent Arbeitslosigkeit in der Stadt.

Die hoch qualifizierten Arbeitsplätze gehen also an Uni-Absolventen aus ganz Deutschland, während der Großteil der arbeitssuchenden Menschen in Dortmund wenig davon hat?

Guntram Schneider: Die haben wenig davon, weil ihre Qualifikation oft nicht dem entspricht, was in den Unternehmen verlangt wird. Dabei haben in dem Technologiezentrum nicht nur Hochschulabsolventen eine Perspektive, sondern auch sehr qualifizierte Facharbeiter. Das ist nur ein Beispiel, das verdeutlicht, wie kompliziert die Situation ist.

Sie selbst haben Werkzeugmacher gelernt und sind heute Minister. Wäre solch eine Karriere heute noch möglich?

Guntram Schneider: Ja selbstverständlich! Der Werkzeugmacher gilt ja schließlich als der König der Schlosser. Und mein Amtsvorgänger war ja nun auch Maschinenschlosser. Aber Scherz beiseite: Wenn man Politik nur den Juristen, Lehrern und Sozialwissenschaftlern überlassen würde, dann wäre das nicht der richtige Weg. Ich kenne das reale Leben und weiß auch, wie es ist, mit einem kleinen Gehalt auszukommen.

Sie sind in Gütersloh geboren und leben heute in Dortmund. Wo fühlen Sie sich heimisch?

Guntram Schneider: Ich lebe seit 30 Jahren in Dortmund, bin aber noch sehr gerne in Ostwestfalen, wo auch noch Teile meiner Familie leben. Die Region hat sich hervorragend gemacht. Das Problem ist nur, dass die so wenig darüber reden! Es gibt dort so viele tolle Unternehmen und darunter sind zahlreiche Weltmarktführer. Aber das müssen sie öffentlich sagen - und zwar auch in Düsseldorf und Berlin.

(Westfalen heute)


 


 

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