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  • 21.11.2012, 13:41 Uhr
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  • Münster & Münsterland
Westfälische Vereinskultur

„Es gibt Entwicklungen, die uns Sorgen bereiten“

FLVW-Präsident Hermann Korfmacher macht sich Sorgen über die westfälische Vereinskultur. Im Interview spricht er über gesellschaftliche Veränderungen und die Auswirkungen auf die westfälische Vereinskultur.

Die westfälische Vereinslandschaft ist im Umbruch: Der demografische Wandel bringt neue Probleme, aber auch Chancen mit sich. Um diese Chancen zu fördern, hat der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen e.V. (FLVW) zusammen mit der Westfalen-Initiative den „Zukunftspreis 2012“ ausgeschrieben. Noch bis zum 30. November 2012 können sich Vereine mit ihren Zukunftskonzepten und Ideen am Wettbewerb beteiligen.

Im Interview spricht FLVW-Präsident Hermann Korfmacher über gesellschaftliche Veränderungen und wie sie sich auf die westfälische Vereinskultur auswirken.

Herr Korfmacher, Ihr Verband hat gemeinsam mit der Westfalen-Initiative einen Wettbewerb ausgelobt, der sich mit der Zukunft der westfälischen Fußballvereine befasst – wie ist es gegenwärtig um die Vereine bestellt?

Die Vereine in Westfalen sind gut aufgestellt. Aber es findet derzeit ein Umbruch statt, der viele Herausforderungen mit sich bringt. Vor allem der demografische Wandel wirkt sich auf das Vereinsleben aus.

Und auf die Mitgliederzahlen.

Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Zum Ende des Jahres 2011 gab es in Westfalen 800 Jugendmannschaften weniger als im Jahr zuvor. Bei insgesamt 2400 Fußballvereinen heißt das, dass jeder dritte Verein eine Mannschaft weniger hat. Das ist eine Entwicklung, die uns natürlich Sorgen bereitet.

Sie stellen auch fest, dass Jugendliche immer weniger Zeit für den Sport haben.

Dabei spielen die Ganztagsschulen eine entscheidende Rolle. Wie soll ein Schüler der bis 16 Uhr oder 16.30 Uhr in der Schule ist, abends noch Energie für den Sport aufbringen? Zudem wird es für die Vereine immer schwieriger, die Trainingszeiten zu planen. Wenn in einem Verein Schüler von fünf verschiedenen Schulen trainieren, gibt es fast keinen Nachmittag, an dem alle Zeit haben, weil irgendeiner immer lange Unterricht hat.

Welche Lösung wünschen Sie sich?

Eine konkrete Lösung gibt es nicht. Wir versuchen mit den Schulen zu kooperieren, zum Beispiel, indem wir Trainingsleiter dorthin schicken und das Training vor Ort durchführen. Vielleicht erleben wir aber auch gerade einen Paradigmenwechsel und müssen demnächst vom College-Sport sprechen, wie er in den USA und England praktiziert wird.

Inklusion und Integration sind ebenfalls zwei Themen, die für die Vereine eine immer wichtigere Rolle spielen. Gibt es da Nachholbedarf?

Bei der Integration mit Sicherheit nicht. Ich kenne in Westfalen keinen Fußballverein, in dem keine Kinder mit Migrationshintergrund spielen. Fußball verkörpert die Integration doch mehr als alles andere - denken Sie nur an unsere Nationalmannschaft! Bei der Inklusion verhält es sich etwas anders. Die Möglichkeiten, Menschen mit Behinderung am Vereinsfußball teilhaben zu lassen, sind noch nicht ausgeschöpft. Aber auf genau so etwas zielt ja unser Wettbewerb ab. Wir suchen Best-Practice-Beispiele, von denen andere Vereine lernen und profitieren können.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der westfälischen Vereine?

Ich wünsche mir vor allem, dass die Vereine Hand in Hand in die Zukunft gehen und gemeinsam ihre Daseinsberechtigung erarbeiten. Ich bin aber guter Dinge, dass wir in Westfalen auf dem richtigen Weg sind.

(Redaktion)


 


 

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