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  • 27.03.2013, 09:35 Uhr
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  • Münsterland / Düsseldorf
WGZ-Mittelstandsumfrage 2013

Stimmung im Mittelstand hellt sich auf

Die Stimmung unter den mittelständischen Unternehmen in Nordrhein-Westfalen ist erstmals wieder gestiegen. Nach dem rückläufigen Trend in den letzten beiden Befragungen erhöht sich das Stimmungsbarometer aktuell um 0,9 Zähler auf 108,0 Punkte.

„Die Auswirkungen der Staats- und Finanzmarktkrise haben die Geschäfte der mittelständischen Unternehmen im europäischen Markt negativ beeinflusst, aber weniger beeinträchtigt als befürchtet“, so Thomas Löcker, Leiter des Bereichs Firmenkunden der WGZ BANK. „Insbesondere die Geschäftserwartungen der Unternehmen haben sich verbessert. Denn eine wieder anziehende Exporttätigkeit wird neben der stabilen Binnennachfrage die deutsche Wirtschaft voraussichtlich zusätzlich beflügeln.“

Wie in der letzten Befragung im Sommer 2012 zeigten sich die mittelständischen Unternehmer aus Nordrhein-Westfalen (rund 700) mit ihrer Geschäftslage überwiegend zufrieden. Jeder Zweite bezeichnet seine aktuelle Situation als gut (46%; vormals: 48%), jeder elfte Mittelständler betrachtet sie als sehr gut (9%; vormals: 8%). Unzufrieden äußerten sich 8% der Befragten (vormals: 9%). Weniger pessimistisch als im Vorjahr blicken die Unternehmer auf die künftige Geschäftsentwicklung. Lediglich 7% befürchten eine Verschlechterung ihrer geschäftlichen Situation (vormals: 10%). Nach wie vor 28% der mittelständischen Unternehmer sind optimistisch gestimmt. Die Mehrheit sieht für die kommenden Monate keine Veränderung ihrer geschäftlichen Situation (64%; vormals: 62%).

Die einzelnen Branchenindizes zeigen unterschiedliche Tendenzen. Die uneinheitliche Entwicklung im Bau- und Ausbaugewerbe setzt sich weiter fort. Wie schon seit einigen Jahren zu beobachten folgt dem Anstieg in der letzten Umfrage nun wiederum ein Abschwung in ähnlichem Ausmaß. Der Index gibt 3,8 Zähler auf 107,7 Punkte ab. In Bezug auf die aktuelle Geschäftslage vergeben die Bauunternehmen zunehmend gute Noten, die Erwartungen für die kommenden Monate brechen indessen ein. Während der Wohnungsbau 2012 den größten Aufschwung erfuhr, verliefen die Geschäfte im öffentlichen Bau deutlicher schlechter. „Die Kommunen gaben weniger Geld für Bauinvestitionen aus als erwartet“, sagt Löcker. Das Verarbeitende Gewerbe setzt den Abwärtstrend mit einem Minus von 0,4 Zählern auf 105,8 Punkte gebremst fort. Ausschlaggebend war hier die eingetrübte Beurteilung der aktuellen Situation, wohingegen sich die Geschäftserwartungen aufhellten. „Die Talsohle scheint nun erreicht zu sein. Denn die Auftragseingänge nehmen wieder zu und die Produktion dürfte in den kommenden Monaten wieder steigen“, zeigt sich Löcker optimistisch. Positiv ist die Stimmung vor allem unter den Handelsunternehmen, deren Barometer nach zwei Jahren erstmals wieder zulegte (um 5,3 Zähler auf 105,7 Punkte). Nach einem Umsatzwachstum von 1,5 % im vergangenen Jahr, blickt die Branche voller Zuversicht auf die nächsten Monate. Ähnliches zeigt sich bei den Dienstleistern, deren Index ebenfalls nach zwei Jahren, wenn auch nur moderat, wieder ein Plus aufweist.

Arbeitsmarkt robust

Die Entwicklung des Arbeitsmarkts im Rheinland und in Westfalen lässt zwar geringfügig nach, bleibt jedoch stabil. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen hielten ihre Beschäftigtenzahl konstant (70%, vormals 65%), während weniger Mittelständler ihren Personalbestand erhöhten (20%; vormals 24%). 9% der Mittelständler reduzierten ihre Beschäftigtenzahl (vormals 11%). Insbesondere im Bau- und Ausbaugewerbe sank die Zahl der Unternehmen, die Mitarbeiter entließen. Die Personalplanungen für die kommenden Monate zeigen sich wenig verändert. 15% der Mittelständler wollen zusätzliches Personal einstellen (vormals 16%) und 8% beabsichtigen Personalentlassungen (vormals 7%). Die Planungen der Bau- und Ausbauunternehmen sehen nun eine geringere Beschäftigtenzahl vor.

Investitionsdynamik zieht an

Die Investitionstätigkeit der Mittelständler zeigt sich ebenfalls konstant. Eine zunehmende Mehrheit der Befragten setzte ihre Investitionen gleichbleibend fort (61%, vormals 57%). Nahezu jeder Vierte stockte seine Investitionsausgaben auf (24%, vormals 25%). Weniger Befragte als vor sechs Monaten fuhren ihre Investitionen zurück (15%, vormals 18%). Die Investitionstätigkeit hat sich insbesondere im Bau- und Ausbaugewerbe verbessert. Insgesamt ersetzen die investierenden Unternehmen überwiegend (60%) bestehende Anlagen. Die Zahl der Firmen mit Erweiterungsinvestitionen stieg von 24% auf 28%.

In den kommenden Monaten wird die Investitionsdynamik wieder anziehen. Nach zuvor 18% planen nun 24% der Unternehmen eine Aufstockung ihrer Investitionsbudgets, während 22% diese kürzen wollen (vormals 25%). Vor allem das Verarbeitende Gewerbe will seine Investitionen erhöhen. Insgesamt setzen die Unternehmen auch künftig stärker auf Erweiterungsinvestitionen als Investitionsschwerpunkt (26%, vormals 22%). 59% planen Ersatzinvestitionen und 14% Rationalisierungsvorhaben.

Weniger Preiserhöhungen

In der aktuellen Aufschwungphase gelingt es den Unternehmen noch weitgehend die Kosten unter Kontrolle zu halten. Dennoch sprechen weiterhin mehr Unternehmen (24 %) von einer Verschlechterung als von einer Verbesserung der Kostensituation (12%, vormals 11%). Die Preispolitik der mittelständischen Unternehmen gestaltet sich schwierig. Nachdem im Sommer 2012 noch jeder vierte Mittelständler (26%) höhere Preise durchsetzen konnte, gelang dies aktuell nur noch 16% der Befragten. Vor allem in der Dienstleistungsbranche erhöhten weniger Firmen die Preise. Insgesamt 4% der Unternehmen haben ihre Preise gesenkt. Die große Mehrheit (80%) beließ es bei gleichen Preisen. Auch für die kommenden Monate rechnet die Mehrheit mit konstanten Preisen (72%). Mehr als jeder fünfte Mittelständler (22%) will seine Preise erhöhen, während 6% Preisreduktionen beabsichtigen.

Energiekosten sind größtes Problem

Die steigenden Energiekosten stellt die mittelständischen Unternehmen inzwischen vor große Probleme (36%; vormals 30%). Kurz dahinter rangiert Konkurrenzsituation, die 35% der Unternehmer beeinträchtigt. Beklagt werden ebenfalls der Arbeiter-/Facharbeitermangel, die bürokratischen Auflagen sowie das hohe Steueraufkommen, die allesamt in der gleichen Häufigkeit genannt wurden (33%). Dabei hat die Steuerbelastung im Vergleich zur letzten Umfrage am stärksten zugenommen (plus 7 Prozentpunkte). Lediglich 8% der Unternehmen erachten die Finanzierungsbedingungen als schwierig.

Steigende Strompreise belasten Mittelstand

Die aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) resultierenden Strompreissteigerungen verschärfen die Problematik der Energiekosten. Lediglich eine Minderheit von 3% der befragten mittelständischen Firmen wird als stromintensives Unternehmen anerkannt und damit von den Belastungen weitgehend ausgenommen. Weitere 3% haben dies entsprechend beantragt. 24% der Befragten halten die Strompreiserhöhungen aufgrund des EEG für nicht belastend, während hingegen 26% diese sehr wohl als problematisch empfinden. Eine Mehrheit von 51% sieht eher eine moderate Belastung. Den Unternehmen gelingt es nur selten die gestiegenen Kosten gänzlich auf ihre Absatzpreise abzuwälzen (7%). Jedes Vierte konnte diese zumindest teilweise aufschlagen, die Mehrheit (66%) muss damit vollständig haushalten.

In der Folge hat ein Teil der Unternehmen energiesparende Maßnahmen getroffen. Ein Drittel der befragten Unternehmen (35%) hat Investitionen zur Stromersparnis im vergangenen Jahr getätigt und 29% planen derartige Investitionen. Ein Fünftel der Unternehmen (20%) will durch einen Wechsel des Stromanbieters die Stromkosten dämpfen. Darüber hinausgehende Konsequenzen erfolgen kaum. Nur vereinzelt wird von Produktionskürzungen, Beschäftigungsabbau (jeweils 1%) oder Produktionsverlagerung ins Ausland (2%) berichtet. Mit Kürzungen des gesamten Investitionsvolumens reagieren 4% der Unternehmen.

Grundsätzlich ist der Mittelstand gegenüber der Förderung erneuerbarer Energien aber eher positiv eingestellt. Nur jeder zehnte Unternehmer hält die Förderung grundsätzlich für negativ und fast jeder Fünfte (18%) steht ihr neutral gegenüber. Positiv bewerten diese 23% der Befragten. Die größte Gruppe (49%) beurteilt die Förderung erneuerbarer Energien im Grunde zwar ebenfalls positiv, hält diese in der derzeitigen Form jedoch für nicht zielführend.

(Redaktion)


 


 

Thomas Löcker
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