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  • 11.05.2015, 11:27 Uhr
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  • Münster / Münsterland
WIN-Forum Münster

Berufskollegs und berufliche Ausbildung im Mittelpunkt

„Akademisierungswelle“, „Bildungswahn“ – für Prof. Dr. Martin Baethge sind solche Vokabeln im Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel Effekthascherei. Der Drang zum Gymnasium und ins Studium – unabhängig davon, ob gesellschaftlich sinnvoll oder nicht – spiegele in erster Linie den Wunsch der Jugendlichen und Eltern in der breiten Mittelschicht wider. Also alles gut?

Keineswegs. Der Bildungsexperte aus Göttingen, seit Jahren Mitverfasser des Bildungsberichts der Bund-Länder-Kommission, entwickelte aus diesem Trend zur höheren Bildung am Donnerstag im WIN-Forum eine Fülle von Aufgaben und Herausforderungen für Wirtschaft und Schule. Darunter auch diese: „Die Attraktivität der Berufsausbildung muss unbedingt erhöht werden.“

Wenn – wie Baethge belegte – auf allen Ebenen eine Verschiebung der Qualifikation noch oben stattfinde und man sich auf dem Weg zur industriebasierten Dienstleistungsgesellschaft befinde, müsse sich auch die Berufsschule wandeln. Der Wissenschaftler plädierte für mehr theoretische Fächer und eine höhere Durchlässigkeit zur Hochschule.

Keine leichte Kost, mit der Baethge die Veranstaltung der Wirtschaftsinitiative Münster und des Adolph-Kolping-Berufskollegs einleitete. Diese diente unter dem Titel „Hidden Champions“ (versteckte Meister) vor allem dazu, das Berufskolleg als Schulform mit oft unterschätzten Bildungsgängen und Ausbildungsmöglichkeiten bekannter zu machen. Viele Experten kamen in der von Dr. Hans-Werner Gummersbach kenntnisreich moderierten Veranstaltung zu Wort. Und auch der Einsatz der Schüler und Azubis, die von der Flyergestaltung bis hin zum Catering in Engbers Speicher 10 ihre Leistungen zeigten, verfehlte die Wirkung nicht.

Als „wichtig, potent und innovativ“ lobte Oberbürgermeister Markus Lewe die öffentlichen und privaten Berufskollegs mit ihren rund 20.000 Schülern in der Stadt. Im Regierungsbezirk, so Abteilungsdirektor Wolfgang Weber, gibt es 55 Berufskollegs – wesentliche Pfeiler der dualen Ausbildung.

Individuelle Neigungen und der Sinn praktischer Arbeit

Martin Lohmann, Leiter des Adolph-Kolping-Berufskollegs, plädierte dafür, wieder stärker individuelle Neigungen von jungen Menschen zu berücksichtigen und den Sinn von praktischer Arbeit zu betonen. Ingo Hoeper, Geschäftsführer bei Mosecker („für die duales Ausbildung kann man nicht genug Werbung machen“), fragte, ob es sich allgemeinbildende Schulen bei der Hinführung zum Beruf nicht zu einfach machten. Wolfram Schier, Leiter Personalentwicklung und Ausbildung der BASF Coatings, rief dazu auf, durch Clusterbildung offensiv für technische Berufe zu werben. Münster müsse auch das Attribut „Lack- und Farbenstandort“ erhalten.

Aus Sicht von Michael von Bartenwerffer, Vorsitzender der WIN, fehlt augenblicklich noch eine starke Lobby für Weiterentwicklungen auf dem Feld der Berufsausbildung. Typisch dafür: Kein einziger Landespolitiker, verantwortlich auch für die Schulpolitik, sei trotz langer Vorlaufzeit der Einladung zum Berufskolleg-Forum in Münster gefolgt.

(Wolfgang Kleideiter, WN)


 


 

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