Weitere Artikel
  • 16.08.2013, 13:11 Uhr
  • |
  • Münster & Münsterland
Windräder und Fotovoltaik

Regionale alternative Energiequellen sind bei Privatinvestoren sehr gefragt

Viele Privatleute investieren heutzutage verstärkt in alternative Energiequellen. Oft geschieht dies in Form von Genossenschaften, so dass die Investoren ein Mitspracherecht haben. Der RWGV sieht hier auch ein deutliches Bekenntnis zur Regionalisierung - auch und gerade im Münsterland.

Wer sein Geld in regenerative Projekte stecken möchte, der muss sich beeilen. Marcel Richter, Klimamanager des Kreises Warendorf, weiß: Wenn solche Beteiligungen angeboten werden, sind die in wenigen Tagen überzeichnet. Eine Sprecherin der Stadtwerke Münster berichtet, dass in vier Tagen sämtliche Klimasparbriefe für den Bau einer Windkraftanlage in Münster-Wolbeck gezeichnet waren. Damit konnten private Kunden der Stadtwerke 500 bis 20.000 Euro für fünf Jahre anlegen.

Nach den schlechten Erfahrungen mit der Börse setzen die Sparer offenbar verstärkt auf regionale Projekte. Christoph Gottwald vom Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverband (RWGV) jedenfalls stellt einen „Gründungsboom“ fest. Pro Jahr würden 30 bis 40 neue Genossenschaften im Bereich der RWGV gegründet. Sparer, die sich in solchen Genossenschaften zusammenschließen, wollten nicht nur hohe Zinsen, sondern mitreden, den Klimaschutz fördern und dass das Geld in der Region bleibt, sagt er. Örtliche Handwerker sollen die Anlage installieren und warten, Gewinne sollen nicht in irgendwelche Fonds fließen. „Das ist ein Bekenntnis zur Regionalisierung“, sagt er. Sie wollen, dass vor Ort etwas passiert“. Darin würden sie auch die Banken und die Kommunen vor Ort unterstützen.

Die Beteiligung im Münsterland ist größer als in anderen Regionen, sagt Professor Christof Wetter von der Fachhochschule Steinfurt. Die Vielzahl der Aktivitäten sei im Vergleich zum Bund „sehens- und beachtenswert“. Wetter wirbt vehement für solche Projekte. Der Grund: „Weil es vernünftig ist“, sagt er. Schließlich lasse sich der Standort Bundesrepublik Deutschland nur sichern, „wenn wir es schaffen, auf fossile Brennstoffe zu verzichten“. Von denen sei die Abhängigkeit noch zu groß: bei Strom zu 78, bei Wärme zu 93 Prozent und bei Kraftstoffen zu 95 Prozent. Zurzeit werden im Münsterland pro Jahr 5,5 Milliarden Euro für die Energieversorgung ausgeben: Kraftstoffe, Strom, Heizöl, Erdgas. Viele Münsterländer hätten erkannt, „dass jeder gefragt ist und etwas in die Hand nehmen muss, wenn substanziell etwas verändert werden soll“, sagt Wetter.

Es gibt einen Trend

Um Nachbarn etwa von Windkraftanlagen von Klagen abzuhalten, werden sie am Gewinn beteiligt. Laut Wetter habe es im Münsterland aber schon länger Tradition, Nachbarn zu beteiligen. „Im gesamten Kreis Steinfurt gibt es keine Biogasanlage, die ein Konzern gebaut hat. Das sind fast alles Gemeinschaftsanlagen.“ Sowieso findet Wetter: „Die Bürgerbeteiligung sollte so hoch wie möglich sein“. Beispiel Saerbeck: Der Windpark dort werde ausschließlich von der Region finanziert. Das führe zu einer „deutlichen Identifikationssteigerung“. Schließlich hätten alle Bürger vor Ort etwas davon. So werde Saerbeck, das sich das Stromnetz zurückgekauft hat, demnächst eigenen Strom anbieten – und zwar billiger als der günstigste Anbieter im Internet. Professor Wetter: „Das ist eine Entwicklung, von der ich mir vorstellen kann, dass das noch viel mehr werden wird im Münsterland.“

(Stefan Werding)


 


 

Genossenschaften
Christoph Gottwald
Professor Christof Wetter
Münsterland
Wetter
Projekte
Region

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Genossenschaften" - jetzt Suche starten:

Entdecken Sie business-on.de: