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  • 27.02.2015, 08:58 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Wohngebäudeversicherung

Versicherungsunternehmen kündigen Verträge oder erhöhen drastisch die Beiträge

Das Einschreiben von der Allianz verhieß nichts Gutes. Und in der Tat: Nach zwei kleineren Wasserschäden innerhalb von drei Jahren war das Interesse des Versicherungsriesen an einer Wohngebäudeversicherung für das Einfamilienhaus in Münster deutlich abgekühlt. Aufgrund der „aktuellen Schadensituation“ könne man die Versicherung zu den bisherigen Bedingungen „leider nicht fortführen“, teilte der Versicherungskonzern den Bewohnern mit. Deshalb werde der Vertrag mit einer Frist von vier Wochen gekündigt. Bei einer Selbstbeteiligung von 1500 sei die Allianz allerdings bereit, auch weiterhin Versicherungsschutz zu gewähren.

Schreiben wie dieses sind längst kein Einzelfall mehr, erklärt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. „Die Konzerne achten verstärkt darauf, dass sie ein wirtschaftliches Unternehmen sein wollen.“ Immer mehr Versicherer würden sich deshalb von Kunden mit Altverträgen trennen und zugleich teurere Angebote unterbreiten.

Die Welle von Änderungskündigungen zieht sich quer durch die bundesdeutsche Versicherungslandschaft. Als Vorreiter hatte der Ergo-Konzern Mitte 2013 rund 120 000 Kunden mit Kündigung gedroht, falls keine neue Wohngebäudepolice zu höheren Preisen abgeschlossen werde. Wenig später flatterte auch 15 000 Allianz-Kunden mit Altverträgen aus DDR-Zeiten die Kündigung ins Haus. Kunden der Stuttgarter SV Sparkassenversicherung und der genossenschaftlichen R+V-Versicherung mussten deutliche Aufschläge hinnehmen.

Rein formal sind die Konzerne im Recht. Die Versicherungen können die Policen nach einem Schaden oder mit einer Frist von drei Monaten zum Jahresende kündigen. Einfache Beitragserhöhungen sind oftmals nicht möglich, da bei Altverträgen vielfach die entsprechenden Klauseln fehlen.

„Nach der Kündigung neuen Versicherungsschutz zu bekommen, kann zum Problem werden“

Wer gegen Zahlung eines höheren Beitrags oder eines Selbstbehalts bleiben darf, kann sich oft sogar noch glücklich schätzen. „Nach der Kündigung neuen Versicherungsschutz zu bekommen, kann zum Problem werden“, sagt Verbraucherschützerin Boss. Denn die Versicherer nehmen längst nicht mehr jeden Wechsler auf. Weil Kunden verpflichtet sind, mögliche Vorschäden bei Vertragsabschluss wahrheitsgemäß anzugeben, können die Unternehmen schlechte Risiken im Vorhinein aussortieren. Zugleich machen die Banken Druck – sie pochen bei kreditfinanzierten Häusern auf eine Wohngebäudeversicherung.

Die Allianz macht insbesondere die Häufung von Hagelstürmen, starken Regenfällen und Orkantiefs für die Entwicklung verantwortlich. Es gebe eine „zunehmende Zahl von Schadenereignissen“ in Deutschland, erklärt Sprecherin Corinna Hartmann. „Die Wohngebäudeversicherung ist durch den Klimawandel extrem betroffen.“

Hohe Gewinn-Erwartungen als Kündigungsmotor

BDV-Sprecherin Boss sieht indes auch die hohen Gewinn-Erwartungen als Kündigungsmotor. Selbst Kunden, die alle Verträge bei einem einzigen Versicherer gebündelt hätten, seien inzwischen vor Kündigungen nicht mehr sicher. Im Zweifelsfall sei deshalb Zurückhaltung gefragt. „Schäden am Haus sollten nur gemeldet werden, wenn sie existenziell sind“, rät Boss. Zudem sollten die Kunden nicht vergessen, dass sie für die Instandhaltung ihrer Häuser und der Rohrleitungssysteme selbst verantwortlich seien. Boss: „Die Wohngebäudeversicherung ist keine Renovierungsversicherung.“

(Andreas Fier, WN)


 


 

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