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  • 29.11.2012, 10:46 Uhr
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  • Münster
Wohnungslosigkeit

Immer mehr Obdachlose

600 Menschen sind nach Schätzungen des Caritasverbandes in Münster ohne Bleibe, Tendenz steigend. Fehlende Wohnungen sind aber nicht nur ein Problem von Randgruppen.

In anderen Zeiten wären die beiden Männer nie im Haus der Wohnungslosenhilfe am Bahnhof gelandet. Rica Hianu und Ovibio Statescu sind berufstätig, Lkw-Fahrer mit kleinem Gehalt , eine Wohnung haben sie trotzdem nicht. „In Ballungsräumen und begehrten Universitätsstädten ist es am schlimmsten“, sagt Bernd Mühlbrecht, Leiter des Hauses der Wohnungslosenhilfe. „Obdachlosigkeit ist längst nicht mehr nur ein Problem von Randgruppen“ – das ist auch die Erfahrung von Mühlbrechts Kollegen im Caritas-Verband: „Wenn es auf dem Wohnungsmarkt eng wird, stehen unsere Leute am Ende der Nahrungskette.“

Bernhard Paßlick, der beim Caritasverband die Arbeit mit Wohnungslosen koordiniert, macht immer häufiger die Erfahrung, dass ältere Menschen aus ihren Wohnungen aus der Innenstadt verdrängt werden. „Da wird saniert und anschließend die Miete erhöht“, schildert Paßlick die Situation. Auch Menschen jenseits der 60 gerieten noch in die Obdachlosigkeit.

Geradezu dramatisch sei die Situation für Zuwanderer aus den EU-Ländern Osteuropas, berichtet Bernd Mühlbrecht. Sie reisten aufs Geratewohl nach Deutschland, versuchten hier Arbeit und Unterkunft zu finden. Viele erfolglos. „Diese Menschen haben hier keinerlei gesetzlichen Anspruch auf Hilfe“, sagt Mühlbrecht.

Nach Schätzung des Caritasverbandes leben zurzeit rund 600 wohnungslose Menschen in Münster, Tendenz steigend. Der überwiegende Teil ist in Einrichtungen untergebracht. Rund 100 seien bei Bekannten untergeschlüpft, nur etwa 30 leben wirklich draußen ohne feste Unterkunft. Die Notunterkünfte und Wohnplätze in betreuten Einrichtungen sind sämtlich ausgebucht, teils überbelegt, wie beim Sozialdienst katholischer Frauen, wie dessen Fachbereichsleiterin Nicole Stange berichtet. „Die vier Plätze für Notaufnahmen teilen sich derzeit immer rund zehn Frauen.“ Der Engpass an Unterbringungsmöglichkeiten entsteht durch den Mangel an kleinen bezahlbaren Wohnungen in Münster. „In unseren Einrichtungen wohnen mehrere Frauen, die selbstständig leben könnten. Es findet sich aber trotz intensiver Unterstützung bei der Suche keine Wohnung, in die sie umziehen könnten.“ Der Caritasverband fordert, dass bei der Konversion, der Umwandlung von Kasernen der britischen Armee, auch an die Unterbringung Obdachloser gedacht wird.

Die Zahl der Wohnungslosen in Münster ist seit 2008 um etwa zehn Prozent gestiegen. Mühlbrecht erwartet bis 2015 einen Anstieg um weitere zehn bis 15 Prozent.

(Karin Völker)


 


 

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