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  • 02.03.2017, 14:16 Uhr
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Wohnungsmarkt

Programm Sozialgerechte Bodennutzung: Erste Erfolge auf dem Wohnungsmarkt

Stadt Münster - OB Lewe: Trendwende ist erreichbar / Neue Rahmenbedingungen finden breite Akzeptanz

Einerseits steigen die Preise auf dem Wohnungsmarkt weiter auf breiter Front. Zugleich gibt es erste Indizien, die zeigen: Eine gegenläufige Entwicklung ist möglich, Münster hat die richtigen Instrumente, um perspektivisch die Preisspirale auf dem Wohnungsmarkt zu stoppen. "Das Programm Sozialgerechte Bodennutzung wirkt", sagte Oberbürgermeister Markus Lewe. "Die Rahmenbedingungen finden bei Investoren und Eigentümern breite Akzeptanz, Mieten in Neubauten auf städtischen Grundstücken werden sinken und Familien kommen preisgünstiger an Bauplätze", so der Oberbürgermeister. Die Stadtverwaltung belegt das in einem Bericht für die Ratssitzung am 22. März, der in den nächsten Wochen in den Fachausschüssen vorberaten wird.

Der Bericht bilanziert die Entwicklung seit dem Ratsbeschluss für die Sozialgerechte Bodennutzung im April 2014. Dieses Programm hat Instrumente und Bedingungen geschaffen, um das quantitative Ziel zu erreichen: 2.000 neue Wohnungen pro Jahr, davon mindestens 300 öffentlich gefördert. Nicht weniger ehrgeizig ist das qualitative Ziel: bezahlbare Mieten und Baugrundstücke, Zugang zum Wohnungsmarkt für alle einschließlich derer, die auf barrierefreie Wohnungen angewiesen sind.

Zu den Konditionen des Programms gehört: Wer im Innenbereich der Stadt investiert, verpflichtet sich zu einem Anteil von 30 Prozent öffentlich gefördertem Wohnraum und weiteren 30 Prozent Wohnraum, die bauliche Voraussetzungen für eine öffentliche Förderung erfüllen. Die Investoren und die Stadt schließen dazu bindende Verträge. OB Lewe: "Bislang konnten für 1.005 Wohnungen Vereinbarungen geschlossen werden, weitere 725 Wohneinheiten werden aktuell verhandelt."

Im Außenbereich wird Wohnbauland vorrangig dort entwickelt, wo die Stadt mindestens 50 Prozent der Flächen erwerben konnte. Das versetzt sie in die Lage, mittel- und langfristig preiswertere Wohnbauflächen zur Verfügung zu stellen. Seit Anfang 2014 hat die Stadt 330.000 qm Flächen, die für den Wohnungsbau geeignet sind, angekauft. Hinzu kommen 260.000 qm Tausch- und Ausgleichsflächen und 60.000 qm für Sport und Erholung. "Es laufen viele Gespräche und Verhandlungen mit Eigentümern und Investoren. Nur wenige der bislang angesprochenen Eigentümer möchten nicht veräußern", sagte der Oberbürgermeister.

Vom Ankauf möglicher Wohnbauflächen über die Schaffung von Planungs- und Baurecht und die Erschließung bis zur Vermarktung dauert es im Durchschnitt fünf Jahre. Deshalb wird sich der Effekt dieses "liegenschaftsstrategischen" Ansatzes in größerem Umfang erst noch zeigen. In Kombination mit den Vergaberichtlinien für Einfamilienhaus-Grundstücke und den Grundsätzen für die Veräußerung von Grundstücken für Mehrfamilienhäuser zeichnen sich gleichwohl bereits erste Erfolge ab:

Grundstücke preisgünstiger als Bodenrichtwert, Miete unter zulässiger Höchstmiete

Städtische Grundstücke für Einfamilienhäuser sind in Baugebieten in Amelsbüren, Gremmendorf, und in Sprakel durchschnittlich 20 Prozent unter dem Bodenrichtwert verkauft worden. OB Lewe: "Die Vermarktung der ersten fünf Flächen für Mehrfamilienhäuser führte zu dem Ergebnis, dass die Miete in den neuen öffentlich geförderten Wohnungen rund zwölf Prozent unter der im sozialen Wohnungsbau zulässigen Höchstmiete liegen wird. Freifinanzierte Wohnungen werden sogar 28 Prozent unter der erzielbaren Miete auf den Markt kommen." Möglich ist das, weil die Stadt Grundstücke für Mehrfamilienhäuser nicht mehr an Höchstbietende verkauft, sondern an diejenigen mit der günstigsten "Startmiete" in den geplanten Neubauten.

Mögliche Bedenken von Investoren und Eigentümern, dass unter diesen Rahmenbedingungen der Bau von öffentlich gefördertem und förderfähigem Wohnraum nicht rentabel sei, haben sich nicht bewahrheitet. Im Gegenteil. Das Interesse ist groß, zumal angesichts attraktiver Förderkonditionen mit hohen Tilgungsnachlässen und guten Rendite-Möglichkeiten.

Die Stadt geht davon aus, dass sie ab 2017 auch das Ziel von 300 neuen öffentlich geförderten Wohneinheiten pro Jahr erreicht. Nicht zuletzt wird hier ihre Selbstverpflichtung zum Tragen kommen: Auf städtischen Grundstücken ist 60 Prozent der Wohnfläche in Mehrfamilienhäusern als öffentlich geförderter Wohnungsbau zu realisieren. Münster könnte in Zukunft also nicht nur die deutsche Großstadt mit dem höchsten Zuwachs an Wohnungsneubauten sein, wie das die Postbank-Studie "Wohnatlas 2016" festgestellt hat (allein 2016 wurden 1.696 Wohnungen fertiggestellt). Zugleich könnte Münster die Stadt sein, die beispielhaft die Trendwende zu bezahlbarem Wohnraum schafft.

(Redaktion)


 


 

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