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  • 18.03.2013, 09:46 Uhr
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  • Münster & Münsterland
Zeitarbeits-Branche

Steigende Löhne für Zeitarbeiter

Der Tuja-Geschäftsführer Thomas Bäumer will die Seriosität der Branche und die Anzahl der Zuschlagstarife weiter erhöhen. Was aus seiner Sicht am schlechten Ruf der Zeitarbeitsfirmen dran ist, erklärt er im Interview.

Der Münsteraner Thomas Bäumer ist Geschäftsführer der Tuja Zeitarbeit GmbH, der fünftgrößten deutschen Zeitarbeitsfirma. Er zählt zu den profiliertesten Persönlichkeiten der Zeitarbeitsbranche. Als Vizepräsident des Branchenverbandes BAP und Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite gestaltet er die Rahmenbedingungen der Branche.

Norbert Tiemann, Redaktionsmitglied der Westfälischen Nachrichten, sprach mit Thomas Bäumer über die aktuellen Vorwürfe gegen die Zeitarbeit, das Thema Branchenzuschläge und über die Zukunft der Personaldienstleistung.

Herr Bäumer, mit den Vorfällen beim Versandhändler Amazon gerät die Zeitarbeit wieder einmal in die Negativschlagzeilen. Lernt die Branche nicht hinzu?

Bäumer: Die Zeitarbeit hat in den vergangenen Jahren eine deutlich spürbare Professionalisierung durchlaufen, die in den seit Ende 2012 etablierten Branchenzuschlagstarifverträgen einen Höhepunkt gefunden hat. Die Branche heutzutage hat mit der teils zu Recht kritisierten Vergangenheit nichts mehr zu tun. Sie steht aber noch immer unter allerschärfster Beobachtung und darf sich auch deshalb keinen einzigen Fehltritt leisten.

Sie sind auch Vizepräsident des größten Branchenverbandes BAP. Wie steht diese Organisation zu möglichen Verstößen seiner Mitglieder?

Bäumer: Wir wissen um die Vorurteile, die weithin gegen Zeitarbeit kursieren. Aus diesem Grunde setzen wir auf Fairness, Transparenz und einen umfassenden Verhaltenskodex. Wer diese Grundwerte verletzt und dem Ruf der Branche durch sein Geschäftsgebaren schadet, wird einschneidende Konsequenzen zu spüren bekommen. Wir distanzieren uns ganz klar von zwielichtigen Geschäftsmodellen, rechtlichen Grauzonen und ethisch verwerflichem Handeln.

Sie haben bereits die Branchenzuschlagstarifverträge erwähnt – sie stammen ja zum Großteil aus Ihrer Feder; wie funktionieren diese und was kommt dabei für Ihre Mitarbeiter am Ende heraus?

Bäumer: Sobald ein Zeitarbeitnehmer über mehrere Wochen in einem Betrieb einer tarifierten Branche tätig ist, steigt sein Lohn stufenweise in Richtung des Gehalts der Stammbelegschaft. Erste Zulagen gibt es je nach Einsatzbereich bereits nach sechs oder sogar vier Wochen. So honorieren wir die bessere Arbeitsleistung mit fortschreitender Einarbeitung. Nach neun Monaten Einsatzdauer ist das Maximum erreicht, die Zuschläge können hierbei je nach Branche 50 Prozent betragen.

Wie viele Branchen werden denn wohl am Ende tarifiert sein?

Bäumer: Es soll ein flächendeckendes System entstehen. Wir setzen uns daher grundsätzlich mit jedem bedeutenden Wirtschaftszweig an einen Tisch und loten den Abstand zwischen unseren Zeitarbeitstarifverträgen und dem Lohnniveau der jeweiligen Kundenbranche aus. Dabei gab es schon so manche Überraschung, weil die eine oder andere Gewerkschaft eingestehen musste, dass unsere Arbeitnehmer schon jetzt mehr als die Stammbelegschaft verdienen. Ebenso wenig wird es am Ende für jede Mini-Branche eigene Zuschläge geben. Ich rechne am Ende mit rund einem Dutzend Abschlüssen, etwa drei Viertel davon haben wir schon unter Dach und Fach.

Für welche Industrien gibt es denn schon Zuschlagstarifverträge?

Bäumer: Wir haben angefangen mit Metall und Elektro, sind über Chemie und Kunststoff bis zu Kautschuk, Papier und Holz gekommen. Auch die Eisenbahnen und die Textilindustrie haben bereits einen Zuschlagstarifvertrag. Ganz frisch wurde jetzt zudem ein Branchenzuschlag für die gewerblichen Zeitarbeitnehmer in der Druck- und Medienindustrie ausgehandelt.

In welche Richtung wird sich die Zeitarbeit entwickeln?

Bäumer: Ich gehe fest davon aus, dass der Zeitarbeit eine immer größere Rolle zukommen wird. Gerade unsere industriellen Kunden müssen ihre Kapazitäten von Jahr zu Jahr kurzfristiger steuern und haben so weiterhin steigenden Flexibilisierungsbedarf. Zudem nehmen unsere Personalfachleute immer mehr Aufgaben aus dem Bereich des Recruitings wahr und erschließen so neue Geschäftsfelder. Gleichzeitig hoffe ich, dass unsere Bemühungen Früchte tragen und die Zeitarbeit als eigenständiger seriöser Wirtschaftszweig Wertschätzung erfährt, wie es in vielen unserer Nachbarländer seit Jahren der Fall ist.

Über Thomas Bäumer

Thomas Bäumer ist 49 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Der gebürtige Münsteraner wohnt in Senden in Westfalen.

Thomas Bäumer ist seit vielen Jahren der Tuja- Zeitarbeit aufs Engste verbunden, zuvor war er geschäftsführender Gesellschafter einer Vorgängerfirma. Als CEO der Tuja und Vizepräsident des Branchenverbandes BAP engagiert sich Bäumer auch als Verhandlungsführer in bundesweit laufenden Tarifverhandlungen für seine Branche.

Bäumers Herz schlägt auch für den Sport: Er ist nicht nur Aufsichtsratsvorsitzender des SC Preußen Münster, sondern auch Sponsor dieses Vereins und vieler anderer Veranstaltungen.

(Norbert Tiemann)


 


 

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