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  • 17.06.2014, 08:42 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Zukunft des IT-Dienstleisters

GAD-Vorstandsvorsitzender Anno Lederer geht in den Ruhestand

Am Mittwoch ist es so weit: Beim münsterischen IT-Dienstleister GAD geht eine Ära zu Ende. Der Vorstandsvorsitzende Anno Lederer (63) hat über 37 Jahre die Geschicke des Unternehmens mitbestimmt, seit 2001 von der Spitze aus. Mit Ablauf des Dienstags legt er sein Amt als Vorsitzender des Vorstandes ab, Ende des Monats geht er in den Ruhestand.

Jürgen Stilling sprach mit Anno Lederer über die gewaltigen Umwälzungen auf dem IT-Sektor während seiner langen Karriere und über die Zukunft der GAD.

Herr Lederer, die GAD bewältigt seit Jahrzehnten als IT-Dienstleister der Volks- und Raiffeisenbanken hohe technologische Herausforderungen. Sie haben diese Entwicklung seit 1977 begleitet. Was waren die Höhepunkte dieser Entwicklung?

Anno Lederer: Erstens haben wir gerade zu der Zeit, als ich angefangen habe, mit der Einführung von Online-Systemen begonnen. Die Dialog-Verarbeitung stand damals am Anfang. Wir haben in den ersten Jahren meiner Tätigkeit bei der GAD sehr viel Zeit darauf verwandt, Banken online an dieses Rechenzentrum anzuschließen. Im Vergleich zu der früheren Verarbeitungsform war das wesentlich komfortabler. Sehr früh haben wir zweitens dann begonnen, solche Systeme der Banken auch deren Kunden zur Verfügung zu stellen. Das war das, was man heute Selbstbedienung oder Internet-Banking nennt. Der dritte Höhepunkt war dann später, dass Volks- und Raiffeisenbanken ihre Kunden über alle Vertriebskanäle erreichen konnten. Das ist, glaube ich, die Stärke dieses Geschäftsmodells und wird von der GAD seit Jahren unterstützt. Datenverarbeitung wurde in dieser Zeit immer mehr etwas zum Anfassen. Diese ganze Entwicklung konnte ich aktiv mitgestalten.

Am 30. Juni gehen Sie nun in den Ruhestand. Fällt Ihnen der Abschied von der GAD schwer?

Lederer: Ich gehe voller Zufriedenheit, weil ich glaube, dass das Haus gut bestellt ist. Man soll ja nie ganz zufrieden sein. Aber ich habe beruflich mehr erreicht, als ich mir am Anfang vorstellen konnte. Jetzt freue ich mich auf das, was als „Leben danach“ kommt. Und da gibt es viele Dinge, die mich reizen. Da muss ich erst mal sortieren, was ich als Erstes und als Nächstes tun will.

Wie sieht Ihr Alltag künftig aus?

Lederer: Ich hatte ich den letzten Monaten schon ein anderes Leben, weil ich nicht mehr, wie zuvor, mit vollem Speed durch die Lande gerast bin und die GAD-Fahne geschwungen habe. Doch künftig werde ich sicher noch weniger nach dem Terminkalender leben als heute. Weil ich Familie und Kinder habe, weiß ich aber, dass auch dort immer Termine anstehen. Weil ich über so lange Jahre eine so große Verantwortung getragen habe, freue ich mich aber, dass ich mich ohne den permanenten Zeitdruck neu sortieren kann. Es gibt die eine oder andere Idee, etwas zu tun, was nicht mit Banken oder Datenverarbeitung zu tun hat.

Zurück zur GAD: Mehr als 2,5 Milliarden Buchungsposten werden Jahr für Jahr von der GAD verbucht. Wie stellen Sie sicher, dass da nichts schiefgeht?

Lederer: Indem wir eine hoch qualifizierte Mannschaft mit hoch intelligenten Systemen verbinden. Natürlich garantieren auch verschiedenste Checks, dass alles gut geht, zumindest zu 99,9 Prozent. Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit, aber wir haben in fünf Jahrzehnten großes Know-how angesammelt.

Blicken wir trotz Ihres Ausscheidens in die Zukunft der GAD: Seit 2008 bemüht sich das Unternehmen um eine Fusion mit der Fiducia in Karlsruhe. Jetzt wird ein neuer Anlauf unternommen. Gelingt der?

Lederer: Ich bin sehr zuversichtlich. Wir sind über Jahre im Gespräch, die genossenschaftlichen Rechenzentralen zusammenzuführen. Es waren ja mal elf. Seit 1999 gibt es das Projekt „Bündelung der Kräfte“. Wir sind jetzt seit dem Jahr 2004 nur noch zwei Zentren. Die beiden letzten wollen wir nun zu einer Einheit bündeln. Dieser Schritt ist immer der schwierigste. Bei zwei gesunden Unternehmen ist das nicht so leicht, als wenn eine gesunde mit einer schwachen Firma fusioniert. In den Vorlauf-Projekten wurde aber schon eine Menge Basisarbeit geleistet. Die aktuellen Gespräche sind zurzeit sehr kons­truktiv und erfolgversprechend. Ich gehe davon aus, dass der Fusionsschritt diesmal auch vollzogen wird.

Welche Vorteile hätte dieser Zusammenschluss für die GAD?

Lederer: Wir haben das Ziel, unseren Banken Datenverarbeitung so günstig wie möglich anzubieten. Da die 1100 deutschen Volks- und Raiffeisenbanken IT-mäßig auf zwei Rechenzentralen verteilt sind, können wir durch eine Fusion die Wirtschaftlichkeit erhöhen. Wenn wir künftig nur ein Anwendungssystem haben und nur noch eine verantwortliche Stelle, können wir Lösungen noch schneller in den Markt bringen. Auch das Kosten-Nutzen-Verhältnis wird günstiger. Damit werden auch die Banken in ihrer Wettbewerbsfähigkeit gestärkt.

Müssen die Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze fürchten?

Lederer: GAD und Fiducia sind sich seit Jahren darüber einig, dass die drei Standorte Münster, Karlsruhe und Mün­chen bei diesem Zusammenschluss erhalten bleiben. Wir haben das Ziel, die hohe Qualifikation, die wir an Bord haben, zu sichern. Und wir haben auch neuen Mitarbeiterbedarf, weil wir künftig Dinge angehen können, für die uns heute die Kapazitäten fehlen. Mitarbeiter müssen sich zwar mit Veränderungen auseinandersetzen, aber das gehört zum Berufsleben heute dazu.

Konkret: Wie viele Arbeitsplätze fallen weg?

Lederer: Jede Zahl, die wir heute nennen, wäre falsch. Im Moment sind wir in den Verhandlungen dabei zu überlegen, welche neuen Aufgaben wir künftig angehen und wie wir die Wirtschaftlichkeit verbessern können.

(Jürgen Stilling, WN)


 


 

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